Zwei Schriften Kardinal Bessarions über den Kreuzzug gegen die Türken: Textgeschichte, Ausgabe und Stellung innerhalb seines Werkes
Postdoc-Projekt
Byzantinistik, Philologie - LMU München, Dr. Sergei Mariev
Der Platz, den Kardinal Bessarion im intellektuellen und politischen Feld des Quattrocento einnahm, ist offensichtlich. Die Verschmelzung der hellenischen und lateinischen Traditionen gestaltete eine sehr charakteristische Art der Beantwortung der Fragen zur byzantinischen Identität nach Byzanz, seiner Beziehung zu Westeuropa und der Darstellungen und Haltungen gegenüber den Osmanen, all dies sollte die Autoren der humanistischen Bewegung tiefgreifend beeinflussen. Obwohl das Werk des Kardinals in den letzten Jahrzehnten beträchtliche Aufmerksamkeit erhalten hat, wurden viele Teile und Aspekte davon noch nicht mit der gebotenen Tiefe untersucht. Dieses Projekt besteht aus zwei spezifischen Werken: erstens werde ich mich auf die griechische Version der Rede De periculis imminentibus konzentrieren, die ich in der Biblioteca Ambrosiana gefunden habe, und insbesondere auf alles, was den Vergleich mit Bessarions working-copies anderer Werke, die in der Marciana aufbewahrt werden, betrifft; und zweitens hoffe ich, an einer neuen kritischen Ausgabe, Übersetzung und Studie von Bessarions Instructio ad praedicandum crucem in civitate et dominio Venetorum zu arbeiten, die er während seiner Legation in der Republik 1463 geschrieben hat, und weitere Texte, die damit in Zusammenhang stehen, zu untersuchen.
Von Juli 2026 bis September 2026
Heilige Reliquien im mittelalterlichen Venedig: künstlerische Zeugnisse, Frömmigkeitspraktiken und Topografie des Heiligen
Postdoc
Kunstgeschichte
Die Geschichte der Stadt Venedig reicht bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. zurück, auch wenn eine tief verwurzelte Tradition ihre Gründung um etwa vierhundert Jahre vorverlegt. Gerade weil die Lagunenstadt jedoch nicht durch das Blut lokaler Märtyrer „geweiht“ wurde, hielt man es von Anfang an für notwendig, Reliquien, Symbole und heilige Gegenstände einzuführen.
Ein weiterer besonderer Aspekt der venezianischen Kirche des Mittelalters ist ihre ausgeprägte „Produktivität“, sowohl im liturgischen als auch im hagiografischen Bereich: Der Erwerb einer beträchtlichen Menge an Reliquien und Heiligenkörpern führte nämlich zur Entstehung einer großen Zahl lokaler Kulte und eigens dafür geschaffener Erzählungen. Über die devotionalen Implikationen hinaus scheint das Phänomen mit politischen Interessen verbunden zu sein, die von bestimmten städtischen, weltlichen und religiösen Gemeinschaften verfolgt wurden, deren Rolle sich im Mittelalter offenbar weiterentwickelte und von Fall zu Fall neue Differenzierungen, neue Zusammenschlüsse und neue identitätsstiftende Kräfte hervorbrachte.
Das Forschungsprojekt hat es sich daher zum Ziel gesetzt, zu untersuchen, welche Auswirkungen die Überführung von Heiligenresten in die Lagunenstadt im kunsthistorischen Bereich hatte und wie sich ihre Ankunft auf die liturgische Ausstattung der Kirchen auswirkte, in denen diese heiligen Überreste beigesetzt und aufbewahrt wurden, aber auch, welche Auftragswerke und welche gemeinschaftlichen Riten durch die Verehrung der importierten Heiligen angeregt wurden. Die Untersuchung umfasst folglich auch eine Analyse der Räume, die von den Ausdrucksformen der Verehrung dieser Auserwählten betroffen waren, sowie der Art und Weise, wie dies geschah. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der genannten Aspekte, die sozusagen durch die Anwesenheit insbesondere von Heiligenkörpern „aktiviert“ wurden, da diese eine spezifische und von Reliquien und körperlichen „Fragmenten“ unterschiedliche Körperlichkeit aufweisen, wobei jedoch eine Reihe weniger bekannter Fälle gegenüber dem berühmten Archetyp des Heiligen Markus bevorzugt wird, der in der wissenschaftlichen Literatur bereits ausführlich untersucht wurde.
Von April 2026 bis März 2027
Kunststipendium Bildende KunstAm Deutschen Studienzentrum in Venedig möchte ich Carlo Scarpas Auseinandersetzung mit der traditionellen japanischen Architektur und deren Einfluss auf Bauhaus-Architekten erforschen. Scarpa ließ sich schon vor seinem Japanbesuch 1969 von der Ästhetik Japans inspirieren, durch Japonisme und das 1925 eröffnete Museum für Orientalische Kunst in Venedig. Diese Einflüsse in Venedig zu erforschen, würde mein Verständnis des Erbes der modernen Architektur vertiefen und die Grundlage für einen Vortrag und eine neue Werkreihe zu diesem Thema schaffen.
Website:
Lucas Odahara Von Juli 2026 bis September 2026
Paolo Orlandini und seine Schrift gegen die Astrologie: Studie zu einer Renaissance-Debatte über die Zukunft zwischen Florenz und Venedig
Dissertationsvorhaben
Geschichte der frühen Neuzeit, IUE Firenze - Prof. Dr. Lauren Kassell
In meiner Forschung befasse ich mich mit dem venezianischen Patrizier Domenico Morosini und seinem Interesse an Zukunftsprognosen als deren Grundlage er die Tugend der Klugheit (prudentia) versteht. Nachdem ich eine Reihe unveröffentlichter Briefe gefunden habe, die Morosinis Interesse an Prophezeiungen des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts aus dem florentinischen Milieu belegen, untersuche ich, inwiefern dieses Interesse für ihn und seine Zeitgenossen von zentraler Bedeutung ist. Daher habe ich mich mit dem ihm gewidmeten Buch Liber satyricus de notitia futurorum contra astrologos beschäftigt. Die Schrift des Kamaldulensermönchs Paolo Orlandini da Firenze wurde kurz vor Morosinis Tod und der Niederlage der Venezianer bei Agnadello (1509) fertiggestellt. Anhand dieser Schrift untersuche ich auch den Einfluss auf den Traktat Libellus ad Leonem X (1513) der Patrizier Paolo Giustinian und Pietro Querini, die bereits einige Jahre zuvor Schüler Orlandinis gewesen waren. Dabei geht es um den Kampf gegen den Aberglauben in Europa sowie die darin enthaltenen Ansätze des wissenschaftlichen Rationalismus. Diese Untersuchung eröffnet neue Perspektiven auf eine entscheidende Entwicklung im christlichen Europa am Vorabend der Reformation, indem sie die Verflechtung von Humanismus, Theologie und Rationalismus sichtbar macht. Das Hauptziel dieses Projekts besteht darin aus historischer und philologischer Perspektive einen vertiefenden Beitrag zur Erforschung der kulturellen Verbindungen zwischen Florenz und Venedig in der frühen Neuzeit zu leisten.
Juli 2026
Familienliteratur der Einwanderung aus dem Nordosten Italien nach den deutschsprachigen Ländern
Vergleichende Literaturen
Von Juli 2026 bis September 2026
Befassung mit Gioseffo Zarlinos "Istitutioni harmoniche" und den Werken von Luigi Nono, mit dem Ziel einer neuen Musikkomposition
Kunststipendium Musik/KompositionWebsite:
Simon Rummel Von Juli 2026 bis September 2026
Der Kiosk
Denkmalpflege
Juli 2026
Revolution und Geschlecht im „Quarantotto veneziano“: weibliche Emanzipation, männlicher Heldenkult, literarische Erinnerung
Fritz Thyssen Stiftung
Romanistik
Unter den im März 1848 in Europa einsetzenden revolutionären Entwicklungen muss der Venezianischen Revolution ein besonderer historischer Stellenwert eingeräumt werden. Das „Quarantotto veneziano“ ist nicht nur vor dem Hintergrund des ersten italienischen Unabhängigkeitskriegs als ein nationales Schlüsselereignis des Risorgimento zu erachten. Gerade aus internationaler Perspektive gilt es nämlich zu berücksichtigen, dass Venedig mit seiner 17 Monate andauernden Loslösung vom Kaisertum Österreich jene europäische Stadt darstellte, die am längsten die politischen Umwälzungen aus dem „Frühling der Revolutionen“ aufrechterhalten konnte. Obwohl speziell den venezianischen Männern des Jahres 1848/49 angesichts ihres tapferen Kampfs gegen die österreichischen Truppen ein viriles Heldentum zugeschrieben wurde und die Erinnerung an das „Quarantotto veneziano“ insbesondere vom Verdienst der „uomini della rivoluzione“ bestimmt ist, lassen sich trotzdem verschiedene schriftliche Zeugnisse für das Bestreben venezianischer Frauen nach einer Beteiligung an der aktiven Verteidigung der Republik anführen: Neben dem offenen Brief von vier Venezianerinnen, die im April 1848 die Bildung eines Frauen-Bataillons für die republikanische Guardia civica forderten finden sich in der venezianischen und venetischen Presse des Jahres 1848 zahlreiche Veröffentlichungen, auf deren Grundlage sich das „Quarantotto veneziano“ nicht bloß als patriotische Auflehnung gegenüber der österreichischen Fremdherrschaft, sondern auch als Moment eines weiblichen Strebens nach Mitwirkung am Einsatz für das Vaterland sowie einer öffentlichen Auseinandersetzung über Geschlechterrollen betrachten lässt.
Das Forschungsprojekt untersucht die venezianische Revolutionsphase von 1848/49 als besonderen historischen Moment der Aushandlung von Geschlechterrollen bzw. der weiblichen Beteiligung am patriotischen Kampf im öffentlichen Diskurs (Presse, Flugschriften etc.). Anhand von Chroniken, autobiographischen Texten und Gedenkschriften, die nach der österreichischen Rückeroberung erschienen, wird jedoch auch zu zeigen sein, wie diese weibliche Partizipation in der Retrospektive diskursiv überschrieben und die Verteidigung Venedigs als Referenz für männlichen Heroismus tradiert wurde. Zur Verortung des „Quarantotto veneziano“ in der patriotischen Erinnerungskultur des Risorgimento sollen schließlich auch fiktionale Werke Berücksichtigung finden, um herauszuarbeiten, wie der revolutionäre Geschlechterdiskurs Venedigs im Medium der Literatur reflektiert wurde.
Von Mai 2026 bis April 2027
Der Philosoph und sein Schatten: Friedrich Nietzsche in Venedig, 1880 - 1887
Von Oktober 2026 bis November 2026
Italienische Spiegelungen. Villa Ludwigshöhe als Resonanzraum zwischen Italien und der Pfalz
Februar 2027
Das Nordmediterrane als Vorbild? Die Geschichte des nachhaltigen Tourismus am Mittelmeer, 1970-2019
Von Januar 2027 bis Februar 2027
Buchprojekt mit Birkhäuser Verlag "Carlo Scarpa im Detail"
Von Februar 2027 bis März 2027
Social Turbulence and Rebellion in Venetian Crete in the 13th and 14th Centuries
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Pier Paolo Pasolini auf der Biennale von Venedig:
Historische Präsenz und Rezeption in der internationalen Gegenwartskunst
Buchprojekt
Januar 2027
Objekt- und Archivstudium für die Dissertation: Untersuchung der religiösen Malerei G. Piazzettas im Hinblick auf das Chiaroscuro, die Konzeption und Darstellung des Visionären und Himmlischen sowie im Vergleich zu S. Ricci und G. Tiepolo
Von Juni 2027 bis Juli 2027
Dezember 2026
Giovanni Agostino da Lodi – Ein mailändischer Maler in Venedig. Kultureller Austausch in Norditalien um 1500
Postdoc
Oktober 2026
Urban Feral Wetlands: Venezia
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Giovanni Antonio Pellegrinis Deckengemälde in der Galerie der Banque Royale in Paris: Versuch der Rekonstruktion eines verlorenen Meisterwerks
Von März 2027 bis Mai 2027
Paolo Orlandini und seine Schrift gegen die Astrologie: Studie zu einer Renaissance-Debatte über die Zukunft zwischen Florenz und Venedig
Dissertationsvorhaben
Von September 2027 bis Oktober 2027
Die Andere Biennale: Venedigs ,Biennali d'arte antica' und die Erfindung einer anhaltenden Tradition (1935-1950)
Postdoc
Von August 2026 bis September 2026
Archivarbeiten zum zweiten Kapitel meiner Habilitation: "Kosmopoliten auf der Bühne. Interkultureller Austausch, Kulturtransfer und transkulturelle Vermittlung in der französisch- und italienischsprachigen Theaterpraxis im 18. Jahrhundert"
Von August 2026 bis April 2027
Queer-feministische Raumpraxen und ihre Bedeutung in der gesellschaftlichen Transformation im Großraum
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Nachforschungen zu Zeitzeugenaussagen in Bezug auf Alethea Talbot
November 2026
NURIA – Erinnerungen (AT)
(Musikgeschichte / Exilforschung / Gender Studies / Medienpraxis)
Freies Projekt
Von Oktober 2027 bis Dezember 2027
April 2027
Scomparso? Spuren karmelitischer Predigttätigkeit in Venedig
Postdoc
Von Mai 2027 bis Juli 2027
Byzantinische Buchproduktion in Ost und West nach dem Fall Konstantinopels. Eine komparative Studie (1453– ca. 1500)
Postdoc-Projekt
Juni 2028
Leandro Bassano (1557-1622): Religiöse Bilder, Staatsaufträge, Porträts, Dokumente
Von April 2027 bis Mai 2027
Zwischen Annotation und Komposition. Die private Musikalienbibliothek Luigi Nonos
Vorbereitung zum Promotionsprojekt
November 2027
Fontenelle in Venedig - Tendenzen der italienischen Rezeption der Entretiens sur la pluralité des mondes
Dezember 2026
Die sephardische Diaspora in Venedig (1492-1541)
Dissertationsprojekt
März 2027
Venezia oltre Venezia. Das Bild Venedigs an der Adria zwischen Irredentismo und Globaltourismus
Postdoc
Januar 2027