Deutsches Studienzentrum in Venedig

Personen/Projekte aktuell

Mai 2026

  • Zwischen Nähe und Verlust: Woolson und James in Venedig
    Kunststipendium

    Literatur
    Während meines Aufenthalts in Venedig arbeite ich an einem Essay über Constance Fenimore Woolson, eine bedeutende amerikanische Autorin des 19. Jahrhunderts, die Romane, Kurzgeschichten und Gedichte verfasste. Im Zentrum meiner Untersuchung steht ihre enge Beziehung zu Henry James, die sowohl literarisch als auch biografisch von großer Bedeutung ist.

    Ein besonderer Fokus liegt auf Woolsons letztem Lebensjahr: 1893 bezog sie eine Wohnung im Palazzo Orio Semitecolo Benzon am Canal Grande. Gezeichnet von den Folgen einer Influenza sowie von Depressionen, kam sie im Januar 1894 unter tragischen Umständen ums Leben, nachdem sie aus dem Fenster ihrer Wohnung im vierten Stock stürzte. Ob unglücklicher Sturz oder bewusst gewählter Freitod, konnte nie geklärt werden.

    Der Tod Woolsons erschütterte Henry James zutiefst. In einem symbolischen Akt warf er ihre Kleidung in den Canal Grande – eine Geste, die als stiller Protest gegen gesellschaftliche Zwänge gelesen werden kann, die Frauen ein unabhängiges Leben und eine selbstbestimmte Sexualität erschwerten.

    Im Rahmen meines Projekts werde ich nicht nur die historischen und literarischen Zusammenhänge untersuchen, sondern mich auch vor Ort mit dem Schauplatz der Ereignisse auseinandersetzen. Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit sich heute noch Spuren dieses Vorfalls rekonstruieren lassen und welche Bedeutung er im kulturellen Gedächtnis Venedigs besitzt.
    Von April 2026 bis Juni 2026
  • Der intellektuelle Austausch des Mailänder Aristotelikers Ottaviano Ferrari (1518–1586) mit dem Humanisten Paolo Manuzio (1512–1574) in Venedig und dem Gelehrten Gian Vincenzo Pinelli (1535–1601) in Padua
    Postdoc

    Geschichte der Philosophie
    Ottaviano Ferrari ist ein mailändischer Aristoteliker, der in denselben Jahren wie Gerolamo Cardano an der Universität Pavia lehrte und später an den Scuole Canobbiane in Mailand wirkte. Er ist Verfasser zweier weithin bekannter, durch beträchtliche philologische Gelehrsamkeit ausgezeichneter Einführungswerke zum Corpus Aristotelicum, die in den Aldinen-Ausgaben in der Spätrenaissance in Venedig erschienen: De disciplina encyclio (1560) und De sermonibus exotericis (1575). Diese Traktate wurden von heterodoxen Aristotelikern an der Universität Padua und an der Academia Norica in Altdorf (Philipp Scherb, Ernst Soner, Michael Piccart und Melchior Goldast) rezipiert. Die Altdorfer Aristoteliker lehrten und publizierten beide Werke Ferraris 1606 in Frankfurt am Main unter dem Titel Clavis philosophiae peripateticae Aristotelicae neu. Sein Traktat wird rasch zu einem Referenzwerk des Renaissance-Aristotelismus und blieb mindestens bis zu Leibniz maßgeblich, der Ottaviano Ferrari in seiner Neuausgabe von Mario Nizolios De veris principiis ausdrücklich würdigt.

    Im Laufe der Zeit ist jedoch die Figur und das Werk dieses von Leibniz als „berühmten und gelehrten Peripatetikers“ bezeichneten Denkers zunehmend und zu Unrecht in Vergessenheit geraten, und von Ottaviano Ferrari sind heute sowohl in der Geschichte der Philosophie als auch in der klassischen Philologie nur noch wenige Spuren erhalten. Es existieren nämlich weder Monographien noch historisch fundierte wissenschaftliche Studien, die seine spezifische Bedeutung für das Spätrenaissance-Aristotelismus rekonstruieren. Abgesehen von einigen sorgfältigen Studien zur Geschichte der Universität Pavia erweist sich die bislang verfügbare Literatur zu Ferrari als veraltet, bisweilen lückenhaft, bisweilen gänzlich unbegründet. Als mangelhaft und sogar irreführend erweisen sich vor allem die dort gebotenen biographischen Angaben, die unkritisch aus veralteten und nicht überprüften Quellen übernommen wurden. Dazu gehört die wiederholt vorgebrachte, unbelegte Behauptung, Ferrari habe Philosophie an der Universität Padua gelehrt. Hinzu kommt die Auslassung der engen Freundschaft zwischen Ferrari und Paolo Manuzio, wie sie durch den intensiven Briefwechsel zwischen beiden sowie zwischen Paolo Manuzio und seinem Sohn Aldo Manuzio der Jüngere belegt ist.

    In meinem Projekt beabsichtige ich daher, die Biographie, die Ausbildung sowie die tatsächlichen Lehrstätten von Ferrari zu rekonstruieren, und zwar durch die Rekonstruktion des Kreises von Literaten und Gelehrten, den Ferrari zwischen Mailand, Padua und Venedig frequentierte. Zu diesem Zweck beabsichtige ich erstens, die Korrespondenzen zwischen Ferrari und Paolo Manuzio, zwischen Ferrari und Aldo Manuzio dem Jüngeren sowie etwaige Briefe von Gian Vincenzo Pinelli, die den mailändischen Peripatetiker betreffen, zu analysieren. Zweitens beabsichtige ich, die Abwesenheit Ferraris unter den Dozenten der Universität Padua zu überprüfen und Ferrari vor seiner Rückkehr nach Pavia im Jahr 1576 erneut in Mailand zu verorten. Schließlich beabsichtige ich, die Hypothese zu untersuchen, dass Ferrari zur Abfassung seiner beiden in den Aldinen Ausgaben veröffentlichten Einführungsabhandlungen zur Lektüre des Corpus Aristotelicum auf griechische Handschriften der Biblioteca Marciana in Venedig und der Privatbibliothek Pinellis in Padua zurückgegriffen hat.
    Von April 2026 bis Juni 2026
  • Heilige Reliquien im mittelalterlichen Venedig: künstlerische Zeugnisse, Frömmigkeitspraktiken und Topografie des Heiligen
    Postdoc

    Kunstgeschichte
    Die Geschichte der Stadt Venedig reicht bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. zurück, auch wenn eine tief verwurzelte Tradition ihre Gründung um etwa vierhundert Jahre vorverlegt. Gerade weil die Lagunenstadt jedoch nicht durch das Blut lokaler Märtyrer „geweiht“ wurde, hielt man es von Anfang an für notwendig, Reliquien, Symbole und heilige Gegenstände einzuführen.

    Ein weiterer besonderer Aspekt der venezianischen Kirche des Mittelalters ist ihre ausgeprägte „Produktivität“, sowohl im liturgischen als auch im hagiografischen Bereich: Der Erwerb einer beträchtlichen Menge an Reliquien und Heiligenkörpern führte nämlich zur Entstehung einer großen Zahl lokaler Kulte und eigens dafür geschaffener Erzählungen. Über die devotionalen Implikationen hinaus scheint das Phänomen mit politischen Interessen verbunden zu sein, die von bestimmten städtischen, weltlichen und religiösen Gemeinschaften verfolgt wurden, deren Rolle sich im Mittelalter offenbar weiterentwickelte und von Fall zu Fall neue Differenzierungen, neue Zusammenschlüsse und neue identitätsstiftende Kräfte hervorbrachte.

    Das Forschungsprojekt hat es sich daher zum Ziel gesetzt, zu untersuchen, welche Auswirkungen die Überführung von Heiligenresten in die Lagunenstadt im kunsthistorischen Bereich hatte und wie sich ihre Ankunft auf die liturgische Ausstattung der Kirchen auswirkte, in denen diese heiligen Überreste beigesetzt und aufbewahrt wurden, aber auch, welche Auftragswerke und welche gemeinschaftlichen Riten durch die Verehrung der importierten Heiligen angeregt wurden. Die Untersuchung umfasst folglich auch eine Analyse der Räume, die von den Ausdrucksformen der Verehrung dieser Auserwählten betroffen waren, sowie der Art und Weise, wie dies geschah. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der genannten Aspekte, die sozusagen durch die Anwesenheit insbesondere von Heiligenkörpern „aktiviert“ wurden, da diese eine spezifische und von Reliquien und körperlichen „Fragmenten“ unterschiedliche Körperlichkeit aufweisen, wobei jedoch eine Reihe weniger bekannter Fälle gegenüber dem berühmten Archetyp des Heiligen Markus bevorzugt wird, der in der wissenschaftlichen Literatur bereits ausführlich untersucht wurde.
    Von April 2026 bis März 2027
  • Ökosysteme der Erinnerung
    Kunststipendium

    Literatur
    In Venedig wird Katharina Mevissen an ihrem dritten Roman arbeiten. Vor Ort interessieren sie besonders die ökologischen und materiellen Bedingungen des Erinnerns und literarischen Erzählens, sowie die Geschichte der Seiden- und Textilherstellung der Stadt.
    Website lauter.jetzt
    Von April 2026 bis Juni 2026
  • Paolo Orlandini und seine Schrift gegen die Astrologie: Studie zu einer Renaissance-Debatte über die Zukunft zwischen Florenz und Venedig
    Dissertationsvorhaben

    Geschichte der frühen Neuzeit, IUE Firenze - Prof. Dr. Lauren Kassell
    In meiner Forschung befasse ich mich mit dem venezianischen Patrizier Domenico Morosini und seinem Interesse an Zukunftsprognosen als deren Grundlage er die Tugend der Klugheit (prudentia) versteht. Nachdem ich eine Reihe unveröffentlichter Briefe gefunden habe, die Morosinis Interesse an Prophezeiungen des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts aus dem florentinischen Milieu belegen, untersuche ich, inwiefern dieses Interesse für ihn und seine Zeitgenossen von zentraler Bedeutung ist. Daher habe ich mich mit dem ihm gewidmeten Buch Liber satyricus de notitia futurorum contra astrologos beschäftigt. Die Schrift des Kamaldulensermönchs Paolo Orlandini da Firenze wurde kurz vor Morosinis Tod und der Niederlage der Venezianer bei Agnadello (1509) fertiggestellt. Anhand dieser Schrift untersuche ich auch den Einfluss auf den Traktat Libellus ad Leonem X  (1513) der Patrizier Paolo Giustinian und Pietro Querini, die bereits einige Jahre zuvor Schüler Orlandinis gewesen waren. Dabei geht es um den Kampf gegen den Aberglauben in Europa sowie die darin enthaltenen Ansätze des wissenschaftlichen Rationalismus. Diese Untersuchung eröffnet neue Perspektiven auf eine entscheidende Entwicklung im christlichen Europa am Vorabend der Reformation, indem sie die Verflechtung von Humanismus, Theologie und Rationalismus sichtbar macht. Das Hauptziel dieses Projekts besteht darin aus historischer und philologischer Perspektive einen vertiefenden Beitrag zur Erforschung der kulturellen Verbindungen zwischen Florenz und Venedig in der frühen Neuzeit zu leisten.
    Mai 2026
  • Die Aufenthalte von Marquard Gude (1635-1689) in Venetien:
    Bibliotheken, Handschriften und Gelehrten-Netzwerke
    Postdoc

    Mittelalterliche Geschichte, Paläographie/Kodikologie
    Im Verlaufe seines Lebens hat der Philologe und Gelehrte Marquard Gude mit großem Eifer, intensiver Reisetätigkeit und erheblichem finanziellen Aufwand eine monumentale Sammlung lateinischer und griechischer Codices des Mittelalters und der Renaissance erworben. Besonders wichtig für die Rekonstruktion der frühen Konstituierung der Bibliothek Marquard Gudes sind seine Reisen nach Brabant, Flandern, Frankreich und Italien, später auch durch Deutschland. Während der Zeit in Italien erwarb Gude Handschriften und Inkunabeln, u. a. in Padua und Venedig. Aus Venedig stammen auch einige Inkunabeln, die später von der herzoglichen Bibliothek in Weimar gekauft wurden. In Italien hatte Gude sonst kirchliche und öffentliche Bibliotheken besucht, Handschriften kollationiert und Kontakte mit lokalen Wissenschaftlern gepflegt. Der Forschungsaufenthalt am Deutschen Studienzentrum in Venedig hat das das Ziel, zum einen den historischen Rahmen und das Netzwerk der Beziehungen Gudes in Venetien zu rekonstruieren, zum anderen die Bestände, die Gude eingesehen bzw. kollationiert hat, besonders in der Biblioteca Marciana, zu identifizieren und genauer zu analysieren.
    Von April 2026 bis Mai 2026
  • Byzantinische Buchproduktion in Ost und West nach dem Fall Konstantinopels. Eine komparative Studie (1453– ca. 1500)
    Postdoc-Projekt

    Byzantinistik, Universität Fribourg (CH)
    Welche Konsequenzen hatte die osmanische Eroberung Konstantinopels 1453, die in der Geschichtsschreibung das Ende des Byzantinischen Reiches besiegelt, für die Produktion byzantinischer Handschriften? Die mit dieser Zäsur einhergehenden vielschichtigen Transformationen beeinträchtigten die Voraussetzungen für die Herstellung byzantinischer Handschriften drastisch. Etwa ein halbes Jahrhundert später, gegen 1500, gewann zudem der Buchdruck spürbar an Bedeutung auch für griechische Schriftwerke und veränderte den Markt für byzantinische Handschriften nachhaltig, vor allem im westlichen Europa. Dieses Forschungsprojekt nimmt die Rolle byzantinischer Kopisten und ihrer Milieus in diesem Zeitraum der Umwälzungen und der dadurch hervorgerufenen Konfrontation mit Fremdem und Neuem in den Blick.
    Das Projekt ist als Vergleichsstudie angelegt: Der Fokus liegt einerseits auf einer Auswahl byzantinischer Kopisten, die nach dem Fall Konstantinopels nach Westen (hauptsächlich Italien) oder in vom Westen dominierte Gebiete (insbesondere Kreta unter venezianischer Herrschaft) migrierten. Andererseits wird eine Gruppe byzantinischer Kopisten analysiert, die unter neuen Herrschern in der gefallenen Hauptstadt weiterlebten und wirkten.
    Hauptgegenstand der Untersuchung sind griechische Handschriften als Objekte materieller Kultur, als multifunktionale Medien sowie als Textträger, die zu einem großen Teil Quellen griechischer Paideia (Bildung) und des Christentums enthalten, transportieren und bewahren. Während meines Forschungsaufenthalts am dszv werde ich mich vor allem mit den über dreißig Handschriften der Biblioteca Nazionale Marciana auseinandersetzen, die von Schreibern kopiert wurden, deren Handschriftenproduktion im Mittelpunkt meines Projekts steht.
    Ziel dieser Studie ist es, eine bisher wenig erforschte Periode der byzantinischen Handschriftengeschichte komparatistisch und interdisziplinär auszuleuchten und die Ergebnisse historisch und soziokulturell zu kontextualisieren. Gleichzeitig soll die Brückenfunktion der Produktion byzantinischer Handschriften für die ost- und westeuropäische Zivilisations- und Wissensgeschichte vor dem Hintergrund historisch und religiös begründeter Animositäten und Abgrenzungen dokumentiert werden.
    Von Februar 2026 bis Juli 2026
  • Kaiserreisen in Habsburg-Venetien: Oper, Kantate und imperiale Repräsentation (1825-1857)
    Promotionsprojekt

    Musikwissenschaft, Geschichte - Universität Leipzig, Prof. Dr. Axel Körner
    Das Projekt, das den Hauptteil meines Promotionsprojekts bildet, untersucht kaiserliche Reisen nach Venedig und Venetien zwischen 1825 und 1857 als zentrale Momente dynastischer Repräsentation im Königreich Lombardo-Venetien. Anhand von drei Fallstudien – der Reise Kaiser Franz I. im Jahr 1825, der Krönungsreise Ferdinands I. 1838 sowie des längeren Aufenthalts Franz Josephs in den Jahren 1856-1857 – analysiert die Studie die Rolle von Opernaufführungen und säkularen Kantaten innerhalb der zeremoniellen Strategien habsburgischer Herrschaft. Über nationale Deutungsmuster der italienischen Oper des 19. Jahrhunderts hinausgehend verfolgt das Projekt einen transnationalen und imperialen Ansatz, der den Theaterraum als Bestandteil politischer Kommunikation und symbolischer Machtausübung versteht.
    Die Untersuchung stützt sich auf Archivrecherchen in staatlichen und kommunalen Archiven in Venedig und weiteren Städten Venetiens sowie auf musikalische Quellen wie Partituren und Libretti. Im Mittelpunkt stehen Planung, Finanzierung und Rezeption der kaiserlichen Feierlichkeiten sowie die Nutzung des Theater- und des urbanen Raums. Besonderes Augenmerk gilt der Doppelrolle Venedigs als symbolischem Zentrum imperialer Repräsentation und als peripherem Integrationsraum im Vergleich zu Städten wie Verona, Padua und Vicenza. Durch den Vergleich kaiserlicher Besuche vor und nach 1848 leistet das Projekt einen Beitrag zur Neubewertung habsburgischer Kulturpolitik und der politischen Funktion der Oper im Italien des 19. Jahrhunderts.
    Mein Promotionsprojekt „Staging the Empire. Opera, Monarchy and Society in the Austrian Kingdom of Lombardy–Venetia“ wird im Rahmen des ERC-Projekts „Opera and the Politics of Empire in Habsburg Europe, 1815-1914“ an der Universität Leipzig durchgeführt (https://www.gkr.uni-leipzig.de/historisches-seminar/institut/professuren/neuere-kultur-und-ideengeschichte/erc-projekt
    Von Februar 2026 bis Juni 2026
  • Revolution und Geschlecht im „Quarantotto veneziano“: weibliche Emanzipation, männlicher Heldenkult, literarische Erinnerung
    Fritz Thyssen Stiftung

    Romanistik
    Unter den im März 1848 in Europa einsetzenden revolutionären Entwicklungen muss der Venezianischen Revolution ein besonderer historischer Stellenwert eingeräumt werden. Das „Quarantotto veneziano“ ist nicht nur vor dem Hintergrund des ersten italienischen Unabhängigkeitskriegs als ein nationales Schlüsselereignis des Risorgimento zu erachten. Gerade aus internationaler Perspektive gilt es nämlich zu berücksichtigen, dass Venedig mit seiner 17 Monate andauernden Loslösung vom Kaisertum Österreich jene europäische Stadt darstellte, die am längsten die politischen Umwälzungen aus dem „Frühling der Revolutionen“ aufrechterhalten konnte. Obwohl speziell den venezianischen Männern des Jahres 1848/49 angesichts ihres tapferen Kampfs gegen die österreichischen Truppen ein viriles Heldentum zugeschrieben wurde und die Erinnerung an das „Quarantotto veneziano“ insbesondere vom Verdienst der „uomini della rivoluzione“ bestimmt ist, lassen sich trotzdem verschiedene schriftliche Zeugnisse für das Bestreben venezianischer Frauen nach einer Beteiligung an der aktiven Verteidigung der Republik anführen: Neben dem offenen Brief von vier Venezianerinnen, die im April 1848 die Bildung eines Frauen-Bataillons für die republikanische Guardia civica forderten finden sich in der venezianischen und venetischen Presse des Jahres 1848 zahlreiche Veröffentlichungen, auf deren Grundlage sich das „Quarantotto veneziano“ nicht bloß als patriotische Auflehnung gegenüber der österreichischen Fremdherrschaft, sondern auch als Moment eines weiblichen Strebens nach Mitwirkung am Einsatz für das Vaterland sowie einer öffentlichen Auseinandersetzung über Geschlechterrollen betrachten lässt.

    Das Forschungsprojekt untersucht die venezianische Revolutionsphase von 1848/49 als besonderen historischen Moment der Aushandlung von Geschlechterrollen bzw. der weiblichen Beteiligung am patriotischen Kampf im öffentlichen Diskurs (Presse, Flugschriften etc.). Anhand von Chroniken, autobiographischen Texten und Gedenkschriften, die nach der österreichischen Rückeroberung erschienen, wird jedoch auch zu zeigen sein, wie diese weibliche Partizipation in der Retrospektive diskursiv überschrieben und die Verteidigung Venedigs als Referenz für männlichen Heroismus tradiert wurde. Zur Verortung des „Quarantotto veneziano“ in der patriotischen Erinnerungskultur des Risorgimento sollen schließlich auch fiktionale Werke Berücksichtigung finden, um herauszuarbeiten, wie der revolutionäre Geschlechterdiskurs Venedigs im Medium der Literatur reflektiert wurde.
    Von Mai 2026 bis April 2027

Personen/zukünftige Projekte

  • "Zwei Schriften Kardinal Bessarions über den Kreuzzug gegen die Türken: Textgeschichte, Ausgabe und Stellung innerhalb seines Werkes"
    Von Juli 2026 bis September 2026
  • Der Philosoph und sein Schatten: Friedrich Nietzsche in Venedig, 1880 - 1887
    Von Oktober 2026 bis November 2026
  • Februar 2027
  • Das Nordmediterrane als Vorbild? Die Geschichte des nachhaltigen Tourismus am Mittelmeer, 1970-2019
    Von Januar 2027 bis Februar 2027
  • Buchprojekt mit Birkhäuser Verlag "Carlo Scarpa im Detail"
    Von Februar 2027 bis März 2027
  • Giovanni Bellini und die Devotio Moderna: religiöser Austausch und die italienische Kunsttheorie des Quattrocento
    Buchprojekt
    Juni 2026
  • Social Turbulence and Rebellion in Venetian Crete in the 13th and 14th Centuries
    Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
  • Pier Paolo Pasolini auf der Biennale von Venedig und in der internationalen Gegenwartskunst
    Juni 2026
  • Objekt- und Archivstudium für die Dissertation: Untersuchung der religiösen Malerei G. Piazzettas im Hinblick auf das Chiaroscuro, die Konzeption und Darstellung des Visionären und Himmlischen sowie im Vergleich zu S. Ricci und G. Tiepolo
    Von Juni 2027 bis Juli 2027
  • Giovanni Agostino da Lodi – Ein mailändischer Maler in Venedig. Kultureller Austausch in Norditalien um 1500
    Postdoc
    Oktober 2026
  • Kunststipendium
    Von Juli 2026 bis September 2026
  • Giovanni Antonio Pellegrinis Deckengemälde in der Galerie der Banque Royale in Paris: Versuch der Rekonstruktion eines verlorenen Meisterwerks
    Von März 2027 bis Mai 2027
  • Die Andere Biennale: Venedigs ,Biennali d'arte antica' und die Erfindung einer anhaltenden Tradition (1935-1950)
    Postdoc
    Von August 2026 bis September 2026
  • Archivarbeiten zum zweiten Kapitel meiner Habilitation: "Kosmopoliten auf der Bühne. Interkultureller Austausch, Kulturtransfer und transkulturelle Vermittlung in der französisch- und italienischsprachigen Theaterpraxis im 18. Jahrhundert"
    Von August 2026 bis April 2027
  • Queer-feministische Raumpraxen und ihre Bedeutung in der gesellschaftlichen Transformation im Großraum
    Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
  • Nachforschungen zu Zeitzeugenaussagen in Bezug auf Alethea Talbot
    November 2026
  • Von Oktober 2027 bis Dezember 2027
  • April 2027
  • Scomparso? Spuren karmelitischer Predigttätigkeit in Venedig
    Postdoc
    Von Mai 2027 bis Juli 2027
  • Leandro Bassano (1557-1622): Religiöse Bilder, Staatsaufträge, Porträts, Dokumente
    Von März 2027 bis Mai 2027
  • Familienliteratur der Einwanderung aus dem Nordosten Italien nach den deutschsprachigen Ländern
    Von Juli 2026 bis September 2026
  • Studium Gioseffo Zarlino "Istitutioni harmoniche" und Werke von Luigi Nono, und auf dieser Basis eine neue Musikkomposition
    Von Juli 2026 bis September 2026
  • Fontenelle in Venedig - Tendenzen der italienischen Rezeption der Entretiens sur la pluralité des mondes
    Dezember 2026
  • Der Kiosk
    Juli 2026
  • Venezia oltre Venezia. Das Bild Venedigs an der Adria zwischen Irredentismo und Globaltourismus
    Postdoc
    Januar 2027

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