Giovanni Bellini und die Devotio Moderna: religiöser Austausch und die italienische Kunsttheorie des Quattrocento
Buchprojekt
Kunstgeschichte
Das Projekt erforscht die Entwicklung affektiver Ansätze in der bildenden Kunst im späten Quattrocento in Venedig, indem es die Rezeption der Devotio Moderna-Bewegung in Italien und ihren möglichen Einfluss auf Giovanni Bellinis Werk untersucht. Wie hat der kulturelle, künstlerische und religiöse Austausch mit Nordeuropa während des Quattrocento zur Entwicklung des zentralen Konzepts der emotionalen Reaktion des Betrachters geführt? Diese Frage hat weiterreichende Implikationen, da der devotionale Gebrauch von Bildern gerade in der sich entwickelnden italienischen Kunsttheorie der Renaissance und des Barock eine zentrale Rolle spielte, welche meistens mit Hinweis auf die klassische Rhetorik erklärt wird. Dieses Thema soll konkret untersucht werden am Beispiel des Benediktinerklosters Santa Giustina in Padua als Hauptschauplatz des religiösen Austauschs, und Giovanni Bellinis umfangreicher Produktion religiöser Gemälde.
Januar 2026
Bildende Kunst
Die Druck- und Buchkunststadt Venedig ist für mich Ausgangspunkt meiner Recherche nach neuen Bildmotiven, technischen Umsetzungen und nach der Geschichte des Buchdrucks. Zugleich eröffnet sie mir die besondere Gelegenheit, mich intensiv mit der Lagune, dem Wasser und seinen wechselnden Zuständen – als einer „Sprache des Wassers“ – auseinanderzusetzen und bildnerisch umzusetzen.
Am DSZV möchte ich Berührungspunkte zwischen Kunst und Wissenschaft aufnehmen und in meine eigene Arbeit einfließen lassen – ebenso wie Impulse, die in kollaborativen Zusammenhängen entstehen und auch in die Arbeiten anderer wirken können.
www.christinawildgrube.de
Von Januar 2026 bis März 2026
DIE WELT UNTER DEN FINGERSPITZEN - Eine Sinnesuntersuchung des Babylonischen Talmuds von Daniel Bomberg
Jüdische Studien/Performance
Das Projekt Die Welt unter den Fingerspitzen untersucht die erste vollständige Drucklegung des Babylonischen Talmuds durch Daniel Bomberg im Venedig des 16. Jahrhunderts aus der Perspektive der Sensory Studies und verbindet jüdische Gelehrsamkeit, Buchgeschichte und Religionsgeschichte mit einer Analyse verkörperter, sinnlicher Erfahrung. Ziel ist es, den Talmuddruck nicht nur als intellektuelles und technisches, sondern als zutiefst körperliches und sinnliches Kooperationsprojekt zwischen dem christlichen Drucker Daniel Bomberg und jüdischen Gelehrten zu verstehen: Wie klangen, rochen, fühlten und sahen die Prozesse des Setzens, Druckens und Studierens aus, und wie veränderte der gedruckte Talmud die religiöse Praxis, Lernkultur und Zugehörigkeitserfahrung seiner Nutzer:innen? Durch eine Kombination aus historischer Forschung, materieller Bibliographie, kreativer Rekonstruktion, praktischer Druckarbeit, kollektivem Talmudstudium und räumlich-sensorischer Erkundung Venedigs rekonstruiert das Projekt die verlorenen Sinneswelten frühneuzeitlicher jüdischer Textkultur. Die Ergebnisse sollen sowohl wissenschaftlich als auch öffentlich vermittelt werden, unter anderem in Form eines Textes, eines Buchdrucks und eines performativen, sinnlich erfahrbaren Spaziergangs durch die Stadt, der die Geschichte und den Kontext des Drucks als körperlich erfahrbaren Prozess neu zugänglich macht.
Von November 2025 bis Januar 2026
Vermietung der Logen und Bezahlung der Theaterarbeiter aus dem Archivbestand Giustinian Recanati Taccoli
Postdoc - Musikwissenschaft
Musikwissenschaft
Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf den Archivbestand Giustinian Recanati Taccoli, der im gleichnamigen Palast in Venedig in Privatbesitz aufbewahrt wird, der das wirtschaftliche und kulturelle Netzwerk einer der Patrizierfamilien der Serenissima widerspiegelt. Forschungsziel ist es, zwei sich ergänzende Aspekte des venezianischen Theaterlebens zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert zu untersuchen: die Modalitäten der Vermietung von Logen in den wichtigsten Theatern der Stadt und die wirtschaftlichen Praktiken im Zusammenhang mit der Vergütung des Theaterpersonals (Musiker, Sänger, Handwerker und Schneider).
Anhand von Verträgen, Zahlungsregistern und Korrespondenz soll die bereits in der vorherigen Studie über die Mieter der Grimani-Theater skizzierte Darstellung erweitert und die sozialen und wirtschaftlichen Dynamiken, die die Nutzung des Theaters als Ort der adeligen Repräsentation und der wirtschaftlichen Investition regelten, vertieft werden. Die quantitative und qualitative Analyse der Dokumente wird es ermöglichen, die Mieterfamilien zu erfassen, die Finanzströme zu rekonstruieren und die internen Lohnhierarchien zu skizzieren, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den Theatern San Cassiano, Sant'Angelo und San Moisè liegt.
Das Projekt zielt darauf ab, eine Lücke in den Studien zur wirtschaftlichen Verwaltung des venezianischen Theaters zu schließen und eine neue Perspektive auf den Zusammenhang zwischen Theaterbetrieb, sozialem Status und Kulturpolitik der Serenissima zu bieten. Die Ergebnisse werden in einer konsultierbaren Datenbank, einem wissenschaftlichen Artikel und einer zukünftigen Monografie veröffentlicht.
Von November 2025 bis Januar 2026
Fluvio-Graphie. Von der Quelle bis zum Delta: Flüssen eine Stimme geben -ihre Zukunft neu gestalten
Habilitationsprojekt | Fritz Thyssen Stiftung
Romanische Literaturwissenschaft (Französisch/Italienisch)
Texte des letzten Jahrhunderts verdeutlichen eindrucksvoll wie der Po und die Durance, zwei alpin-mediterrane Flüsse, nicht nur unsere Repräsentationen und Erzählungen inspirieren, sondern auch unsere Wasserkulturen und das kollektive Gedächtnis tiefgreifend geprägt haben. Diese Flüsse verkörpern ein bedeutendes geografisches, ökologisches und emotionales Erbe und machen die Herausforderungen, denen Flusssysteme im Anthropozän gegenüberstehen, deutlich sichtbar.
Der Po und die Durance haben die Geschichte Südfrankreichs und Norditaliens nachhaltig beeinflusst, Land bewässert, Bevölkerungen ernährt und Städten Wohlstand ermöglicht – wie Sisteron, Marseille, Turin oder Venedig. Oft mit Lebensbäumen verglichen – der eine in der Provence, der andere in Norditalien – sind diese Flüsse, die ihren Ursprung in den Französischen Alpen haben (die Durance und die Dora, ein Nebenfluss des Po, entstehen sogar aus der gleichen Quelle), ein Spiegelbild der Flussausbaupolitiken in Frankreich und Italien. Literarische und sachliche Texte bezeugen die ursprünglichen, geflochtenen Flussmuster, die einzigartigen Ökosysteme, Feuchtgebiete und Deltas und erinnern an dieses nahezu verlorene Erbe.
Der Po und die Durance sind heute tatsächlich zunehmend extremen Bedingungen wie wiederkehrenden Dürren oder Hochwasserereignissen ausgesetzt, die durch den Klimawandel, das Schmelzen der Gletscher oder durch verschiedene Flussbewirtschaftungspraktiken (Hochwasserschutz, Staudammbau, Kanalisierung, Landentwicklung und Atomkraftwerke u.a.) verursacht werden. Die Texte und Studien dokumentieren diese tiefgreifenden Veränderungen der Flüsse unter menschlichem Druck und skizzieren manchmal dystopische Perspektiven für deren und somit unsere Zukunft. Darüber hinaus bieten sie gelegentlich auch innovative Ansätze zur „Reparatur des Wassers“ (Rey, 2021).
Diese ökokritische Analyse der Fluvio-Graphie des Po, der Durance und ihrer Nebenflüsse untersucht den Wandel unserer Wasserkulturen und legt dar, dass literarische Darstellungen dieser Wasserwege nicht nur das Bewusstsein für bedrohte Flüsse schärfen, sondern auch Lösungsansätze bieten können. Diese Werke verdeutlichen, dass die Fluidität der Flüsse weit über ökologische Aspekte hinausgeht und tief mit dem Fluss des Lebens, der Sprache, den Emotionen und der Vorstellungskraft verknüpft ist. „When the rivers run dry“ (Pearce, 2019) belegt nicht nur den Prozess des Verschwindens der Flüsse, sondern auch das Fehlen der entsprechenden Worte. Die Darstellung von Freiheit wird erschwert und das Gefühl des Erhabenen wird zunehmend von Melancholie und Trauer verdrängt.
Schlüsselwörter:
Fluvio-Graphie; Wasserkulturen; (verflochtene) Flüsse; Flusswirtschaft; Wassergeschichte; Wasserphilosophie.
Von Februar 2025 bis Januar 2026
Geschichte der frühen Neuzeit - Prof. Dr. Lauren Kassell
Von Januar 2026 bis Februar 2026
Musik
Von Januar 2026 bis März 2026
Zwischen Annotation und Komposition. Die private Musikalienbibliothek Luigi Nonos
Promotionsprojekt
Universität Hamburg Musikwissenschaft, MusiktheorieDer venezianische Komponist Luigi Nono (1924–1990) zählt zu den bedeutendsten Protagonisten der Musik der Nachkriegszeit. Er nahm Zeit seines Lebens eine zentrale Brückenfunktion zwischen der deutschen und der italienischen Musikkultur ein, prägte die Musik seiner eigenen Generation und übte zugleich einen nachhaltigen Einfluss auf nachfolgende Komponist:innen aus. Die anhaltende Präsenz seiner Werke im heutigen Konzertleben verdeutlicht die ungebrochene Aktualität und Relevanz Nonos und macht eine vertiefte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Werk und Nachlass umso notwendiger.
Seine nachgelassene Bibliothek, die heute im privat geführten Archivio Luigi Nono auf der Giudecca in Venedig aufbewahrt wird, zeugt von einem beeindruckend breiten musikgeschichtlichen und intellektuellen Horizont, aus dem Nono schöpfte. Nonos Bewegung durch den kulturgeschichtlichen Raum lässt sich in seiner Bibliothek in zwei Medientypen fassen: Bücher und Musikalien. Diese Trennung ist selbstverständlich eine methodische, die Nonos eigener Umgang mit seiner Sammlung vermutlich kaum kannte.
In diesem Projekt wird zum einen die in einer ersten Phase (2021–2022) von Kira Henkel begonnene systematisch-katalogische Erschließung der handschriftlichen Annotationen in den Büchern von Luigi Nonos Bibliothek durch Sebastian Genzink fortgeführt und abgeschlossen. Darüber hinaus wird die Untersuchung um die Erfassung der Annotationen in den Musikalien aus Nonos Privatbibliothek erweitert. Dieses neue Korpus umfasst rund 1000 Partituren, die Nono über den gesamten Verlauf seines Lebens hinweg akribisch studierte, analysierte und annotierte. Über die reine Erfassung hinaus entwickelt das Projekt einen digitalen visuellen Index der annotierten Seiten. Dieses Instrument soll es ermöglichen, die großen Datenmengen systematisch zu visualisieren, ihre Strukturen und Zusammenhänge sichtbar zu machen und sie im Sinne der Digital Humanities für weiterführende Forschungsvorhaben methodisch nutzbar zu machen.
Erst durch diese systematische Erfassung der Annotationen wird eine Forschung möglich, die die zahlreichen interdisziplinären Bezüge und intermedialen Verflechtungen in Nonos Werk nachzeichnen kann. Das Projekt schafft damit eine wesentliche Grundlage für zukünftige Studien, die Nonos Lektüren und deren Einfluss auf sein kompositorisches Schaffen beleuchten. Die Erschließung und Erforschung von Nonos Bibliothek inklusive seiner Musikalienbibliothek ist somit nicht nur für die Musikwissenschaft von großer Bedeutung, sondern eröffnet darüber hinaus Perspektiven für weitreichende kulturhistorische Erkenntnisse.
Von Oktober 2025 bis Februar 2026
Szenische Konzepte im Primo Novecento: Gian Francesco Malipieros Musiktheater
Habilitationsprojekt
(Musikwissenschaft, HfMT Köln)
In diesem Postoc-Forschungsprojekt untersuche ich szenische Konzepte im Musiktheater Gian Francesco Malipieros (1882–1973). Er war eine zentrale Kraft in der Reform der italienischen Oper während des aufkommenden Faschismus in Italien. Dahingehend werde ich ein breites Bild theatraler Praktiken zeichnen mit einem dezidiert kritischen Fokus auf den politischen und soziokulturellen Kontext des Primo Novecento. Als Teil der generazione dell’ottanta engagierte sich Malipiero in einem nationalistischen Diskurs, um eine italienische musica nazionale zu schaffen. Auf dieser Basis distanzierte er sein Musiktheater von der Ottocento-Tradition des melodramma und bezog sich indes auf die musica antica, die commedia dell’arte, Futurismus, Ballets Russes, Pantomime und das Groteske Theater. Er publizierte über 30 Bühnenwerke, die in Italien und Deutschland aufgeführt worden sind und als „synthetisches Musiktheater“ bezeichnet wurden. Während ästhetische und kontextuelle Aspekte bereits gut untersucht sind, fehlen Untersuchungen zur szenischen Dimension dieses Musiktheaters, wie sie bspw. bereits vorliegen für Werke von Richard Wagner und Giacomo Puccini. Mein Projekt knüpft an diesen methodischen Strang interdisziplinärer Opernforschung an. Die Schwerpunktsetzung auf das Zusammenspiel von Musik, Dramaturgie und Bühne zielt darauf, die Multimedialität von Oper im Kontext politischer Umbrüche kritisch zu erschließen.
Von Oktober 2025 bis Januar 2026
"Zwei Schriften Kardinal Bessarions über den Kreuzzug gegen die Türken: Textgeschichte, Ausgabe und Stellung innerhalb seines Werkes"
Von Juli 2026 bis September 2026
Der Philosoph und sein Schatten: Friedrich Nietzsche in Venedig, 1880 - 1887
Von Oktober 2026 bis November 2026
Von April 2026 bis Juni 2026
Giovanni Bellini und die Devotio Moderna: religiöser Austausch und die italienische Kunsttheorie des Quattrocento
Buchprojekt
Juni 2026
Social Turbulence and Rebellion in Venetian Crete in the 13th and 14th Centuries
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Von April 2026 bis März 2027
Von Amalthea bis Zenobia: Die Rezeption antiker Frauenfiguren in der italienischen Querelle des Sexesdes 16. und 17. Jahrhunderts
Promotionsprojekt
2026
Von April 2026 bis Juni 2026
Giovanni Agostino da Lodi – Ein mailändischer Maler in Venedig. Kultureller Austausch in Norditalien um 1500
Postdoc
2026
Von Juli 2026 bis September 2026
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Von Januar 2026 bis Februar 2026
Die Andere Biennale: Venedigs ,Biennali d'arte antica' und die Erfindung einer anhaltenden Tradition (1935-1950)
Postdoc
März 2026
Archivarbeiten zum zweiten Kapitel meiner Habilitation: "Kosmopoliten auf der Bühne. Interkultureller Austausch, Kulturtransfer und transkulturelle Vermittlung in der französisch- und italienischsprachigen Theaterpraxis im 18. Jahrhundert"
Von August 2026 bis April 2027
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Nachforschungen zu Zeitzeugenaussagen in Bezug auf Alethea Talbot
November 2026
Die Aufenthalte von Marquard Gude (1635-1689) in Venetien:
Bibliotheken, Handschriften und Gelehrten-Netzwerke
Postdoc
Von April 2026 bis Mai 2026
Byzantinische Buchproduktion in Ost und West nach dem Fall Konstantinopels. Eine komparative Studie (1453- ca. 1500)
Von Februar 2026 bis Juli 2026
Kaiserreisen in Habsburg-Venetien: Oper, Kantate und imperiale Repräsentation (1825-1857)
Von Februar 2026 bis Juni 2026
Von Juli 2026 bis September 2026
Von Juli 2026 bis September 2026
Die sephardische Diaspora in Venedig (1492-1541)
Dissertationsprojekt
Von März 2026 bis April 2026
Der Kiosk
Juli 2026
Venezia oltre Venezia. Das Bild Venedigs an der Adria zwischen Irredentismo und Globaltourismus
Postdoc
Von Dezember 2026 bis Januar 2027