Juli 2026
- Zwei Schriften Kardinal Bessarions über den Kreuzzug gegen die Türken: Textgeschichte, Ausgabe und Stellung innerhalb seines Werkes
Postdoc-Projekt
Byzantinistik, Philologie - LMU München, Dr. Sergei Mariev
Der Platz, den Kardinal Bessarion im intellektuellen und politischen Feld des Quattrocento einnahm, ist offensichtlich. Die Verschmelzung der hellenischen und lateinischen Traditionen gestaltete eine sehr charakteristische Art der Beantwortung der Fragen zur byzantinischen Identität nach Byzanz, seiner Beziehung zu Westeuropa und der Darstellungen und Haltungen gegenüber den Osmanen, all dies sollte die Autoren der humanistischen Bewegung tiefgreifend beeinflussen. Obwohl das Werk des Kardinals in den letzten Jahrzehnten beträchtliche Aufmerksamkeit erhalten hat, wurden viele Teile und Aspekte davon noch nicht mit der gebotenen Tiefe untersucht. Dieses Projekt besteht aus zwei spezifischen Werken: erstens werde ich mich auf die griechische Version der Rede De periculis imminentibus konzentrieren, die ich in der Biblioteca Ambrosiana gefunden habe, und insbesondere auf alles, was den Vergleich mit Bessarions working-copies anderer Werke, die in der Marciana aufbewahrt werden, betrifft; und zweitens hoffe ich, an einer neuen kritischen Ausgabe, Übersetzung und Studie von Bessarions Instructio ad praedicandum crucem in civitate et dominio Venetorum zu arbeiten, die er während seiner Legation in der Republik 1463 geschrieben hat, und weitere Texte, die damit in Zusammenhang stehen, zu untersuchen.Von Juli 2026 bis September 2026 - Heilige Reliquien im mittelalterlichen Venedig: künstlerische Zeugnisse, Frömmigkeitspraktiken und Topografie des Heiligen
Postdoc
Kunstgeschichte
Die Geschichte der Stadt Venedig reicht bis ins 9. Jahrhundert n. Chr. zurück, auch wenn eine tief verwurzelte Tradition ihre Gründung um etwa vierhundert Jahre vorverlegt. Gerade weil die Lagunenstadt jedoch nicht durch das Blut lokaler Märtyrer „geweiht“ wurde, hielt man es von Anfang an für notwendig, Reliquien, Symbole und heilige Gegenstände einzuführen.
Ein weiterer besonderer Aspekt der venezianischen Kirche des Mittelalters ist ihre ausgeprägte „Produktivität“, sowohl im liturgischen als auch im hagiografischen Bereich: Der Erwerb einer beträchtlichen Menge an Reliquien und Heiligenkörpern führte nämlich zur Entstehung einer großen Zahl lokaler Kulte und eigens dafür geschaffener Erzählungen. Über die devotionalen Implikationen hinaus scheint das Phänomen mit politischen Interessen verbunden zu sein, die von bestimmten städtischen, weltlichen und religiösen Gemeinschaften verfolgt wurden, deren Rolle sich im Mittelalter offenbar weiterentwickelte und von Fall zu Fall neue Differenzierungen, neue Zusammenschlüsse und neue identitätsstiftende Kräfte hervorbrachte.
Das Forschungsprojekt hat es sich daher zum Ziel gesetzt, zu untersuchen, welche Auswirkungen die Überführung von Heiligenresten in die Lagunenstadt im kunsthistorischen Bereich hatte und wie sich ihre Ankunft auf die liturgische Ausstattung der Kirchen auswirkte, in denen diese heiligen Überreste beigesetzt und aufbewahrt wurden, aber auch, welche Auftragswerke und welche gemeinschaftlichen Riten durch die Verehrung der importierten Heiligen angeregt wurden. Die Untersuchung umfasst folglich auch eine Analyse der Räume, die von den Ausdrucksformen der Verehrung dieser Auserwählten betroffen waren, sowie der Art und Weise, wie dies geschah. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der genannten Aspekte, die sozusagen durch die Anwesenheit insbesondere von Heiligenkörpern „aktiviert“ wurden, da diese eine spezifische und von Reliquien und körperlichen „Fragmenten“ unterschiedliche Körperlichkeit aufweisen, wobei jedoch eine Reihe weniger bekannter Fälle gegenüber dem berühmten Archetyp des Heiligen Markus bevorzugt wird, der in der wissenschaftlichen Literatur bereits ausführlich untersucht wurde.Von April 2026 bis März 2027 - Kunststipendium
Bildende Kunst
Am Deutschen Studienzentrum in Venedig möchte ich Carlo Scarpas Auseinandersetzung mit der traditionellen japanischen Architektur und deren Einfluss auf Bauhaus-Architekten erforschen. Scarpa ließ sich schon vor seinem Japanbesuch 1969 von der Ästhetik Japans inspirieren, durch Japonisme und das 1925 eröffnete Museum für Orientalische Kunst in Venedig. Diese Einflüsse in Venedig zu erforschen, würde mein Verständnis des Erbes der modernen Architektur vertiefen und die Grundlage für einen Vortrag und eine neue Werkreihe zu diesem Thema schaffen.
Website: Lucas OdaharaVon Juli 2026 bis September 2026 - Paolo Orlandini und seine Schrift gegen die Astrologie: Studie zu einer Renaissance-Debatte über die Zukunft zwischen Florenz und Venedig
Dissertationsvorhaben
Geschichte der frühen Neuzeit, IUE Firenze - Prof. Dr. Lauren Kassell
In meiner Forschung befasse ich mich mit dem venezianischen Patrizier Domenico Morosini und seinem Interesse an Zukunftsprognosen als deren Grundlage er die Tugend der Klugheit (prudentia) versteht. Nachdem ich eine Reihe unveröffentlichter Briefe gefunden habe, die Morosinis Interesse an Prophezeiungen des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts aus dem florentinischen Milieu belegen, untersuche ich, inwiefern dieses Interesse für ihn und seine Zeitgenossen von zentraler Bedeutung ist. Daher habe ich mich mit dem ihm gewidmeten Buch Liber satyricus de notitia futurorum contra astrologos beschäftigt. Die Schrift des Kamaldulensermönchs Paolo Orlandini da Firenze wurde kurz vor Morosinis Tod und der Niederlage der Venezianer bei Agnadello (1509) fertiggestellt. Anhand dieser Schrift untersuche ich auch den Einfluss auf den Traktat Libellus ad Leonem X (1513) der Patrizier Paolo Giustinian und Pietro Querini, die bereits einige Jahre zuvor Schüler Orlandinis gewesen waren. Dabei geht es um den Kampf gegen den Aberglauben in Europa sowie die darin enthaltenen Ansätze des wissenschaftlichen Rationalismus. Diese Untersuchung eröffnet neue Perspektiven auf eine entscheidende Entwicklung im christlichen Europa am Vorabend der Reformation, indem sie die Verflechtung von Humanismus, Theologie und Rationalismus sichtbar macht. Das Hauptziel dieses Projekts besteht darin aus historischer und philologischer Perspektive einen vertiefenden Beitrag zur Erforschung der kulturellen Verbindungen zwischen Florenz und Venedig in der frühen Neuzeit zu leisten.Juli 2026 - Familienliteratur der Einwanderung aus dem Nordosten Italiens in deutschsprachige Länder
Postdoc-Projekt
Literaturwissenschaft
Die Geschichte der Massenauswanderung aus Venetien in die deutschsprachigen Länder begann im 19. Jahrhundert und betraf vor allem Bauern, Landarbeiter, Holzfäller, Brillenverkäufer und Eisverkäufer; es handelte sich um eine Art saisonaler Auswanderung, die zwar nur vorübergehender Natur war, jedoch Familien trennte und Millionen von Menschen dazu zwang, zwischen zwei Welten zu leben. Die Migrationsbewegung setzte sich dann im 20. Jahrhundert fort, wobei die Zahl der sogenannten Gastarbeiter aus der gesamten Halbinsel in der Nachkriegszeit bis in die 1970er und 1980er Jahre ihren Höhepunkt erreichte und sich zunehmend zu einem Phänomen entwickelte, das die gesamte Familie betraf. Auch nach mehreren Generationen, unabhängig davon, ob man nach Italien zurückgekehrt ist oder sich endgültig in der zweiten Heimat niedergelassen hat, bleibt die Migrationserfahrung im Gedächtnis des Einzelnen und der Familie präsent und trägt dazu bei, deren vielschichtige Identität zu prägen.
Das Ziel dieses Projekts ist in erster Linie, die historischen Elemente, auf denen das Migrationsphänomen beruht, durch archivarische Recherche in Dokumenten und der historisch-anthropologischen Literatur zu diesem Thema zu rekonstruieren; anschließend soll untersucht werden, warum das reichhaltige familiäre Gedächtnis zu diesem Thema im Falle der Nachkommen von Familien aus Nordostitalien in erster Linie durch mündliche und private Erzählungen weitergegeben wurde – im Gegensatz, wie sich zeigen wird, zu anderen Regionen – insbesondere denen im Süden –, wo familiäre Erzählungen über die Auswanderung häufig die literarische Form des Romans annehmen.Von Juli 2026 bis September 2026 - Befassung mit Gioseffo Zarlinos "Istitutioni harmoniche" und den Werken von Luigi Nono, mit dem Ziel einer neuen Musikkomposition
Kunststipendium
Musik/Komposition
Website: Simon RummelVon Juli 2026 bis September 2026 - Der Kiosk als kulturelles Erbe: Eine Untersuchung am Beispiel Venedigs
Postdoc-Projekt
DenkmalpflegeKioske sind seit dem 19. Jahrhundert in europäischen Städten verbreitete Kleinarchitekturen, die als soziale Treffpunkte die Alltagskultur prägen. Sie gelten als urbane Refugien, die einen Beitrag gegen die zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft leisten. Jedoch verschwinden Kioske sukzessive aus dem öffentlichen Raum und werden in der Folge als gefährdetes kulturelles Erbe definiert, das einen Verlust des sozialen Zusammenhalts versinnbildlicht. Aufbauend auf dieser Beobachtung untersucht das Forschungsprojekt, wie Kioske als kulturelles Erbe gesellschaftlich angeeignet werden und welche Folgen diese Transformation sowohl für die soziale Wahrnehmung der Kioske als auch für deren materielle Gestaltung hat.
Am Beispiel Venedigs soll das skizzierte Forschungsprojekt vertieft werden. Untersucht werden dabei sowohl die sogenannten edicole in ihrem alltäglichen Gebrauch als auch ihre Einbettung in den venezianischen Stadtraum. Zudem werden das Warenangebot der Kioske dokumentiert und punktuell Interviews mit den Betreiber*innen geführt. Eine Recherche zur Entwicklung des öffentlichen Raums und seiner Möblierung ordnet die Kioske historisch ein. Zugleich wurden Kioske in Venedig wiederholt in Kunstprojekte eingebunden, die unter anderem im Kontext der Biennale stattfanden. Diese künstlerischen Aneignungen des Kiosks sollen ebenfalls in die Untersuchung einbezogen werden, um zu analysieren, inwiefern sie Bedeutungszuschreibungen an das Erbe „Kiosk“ verdichten oder selbst neue Zuschreibungen hervorbringen.Juli 2026 - Revolution und Geschlecht im „Quarantotto veneziano“: weibliche Emanzipation, männlicher Heldenkult, literarische Erinnerung
Fritz Thyssen Stiftung
Romanistik
Unter den im März 1848 in Europa einsetzenden revolutionären Entwicklungen muss der Venezianischen Revolution ein besonderer historischer Stellenwert eingeräumt werden. Das „Quarantotto veneziano“ ist nicht nur vor dem Hintergrund des ersten italienischen Unabhängigkeitskriegs als ein nationales Schlüsselereignis des Risorgimento zu erachten. Gerade aus internationaler Perspektive gilt es nämlich zu berücksichtigen, dass Venedig mit seiner 17 Monate andauernden Loslösung vom Kaisertum Österreich jene europäische Stadt darstellte, die am längsten die politischen Umwälzungen aus dem „Frühling der Revolutionen“ aufrechterhalten konnte. Obwohl speziell den venezianischen Männern des Jahres 1848/49 angesichts ihres tapferen Kampfs gegen die österreichischen Truppen ein viriles Heldentum zugeschrieben wurde und die Erinnerung an das „Quarantotto veneziano“ insbesondere vom Verdienst der „uomini della rivoluzione“ bestimmt ist, lassen sich trotzdem verschiedene schriftliche Zeugnisse für das Bestreben venezianischer Frauen nach einer Beteiligung an der aktiven Verteidigung der Republik anführen: Neben dem offenen Brief von vier Venezianerinnen, die im April 1848 die Bildung eines Frauen-Bataillons für die republikanische Guardia civica forderten finden sich in der venezianischen und venetischen Presse des Jahres 1848 zahlreiche Veröffentlichungen, auf deren Grundlage sich das „Quarantotto veneziano“ nicht bloß als patriotische Auflehnung gegenüber der österreichischen Fremdherrschaft, sondern auch als Moment eines weiblichen Strebens nach Mitwirkung am Einsatz für das Vaterland sowie einer öffentlichen Auseinandersetzung über Geschlechterrollen betrachten lässt.
Das Forschungsprojekt untersucht die venezianische Revolutionsphase von 1848/49 als besonderen historischen Moment der Aushandlung von Geschlechterrollen bzw. der weiblichen Beteiligung am patriotischen Kampf im öffentlichen Diskurs (Presse, Flugschriften etc.). Anhand von Chroniken, autobiographischen Texten und Gedenkschriften, die nach der österreichischen Rückeroberung erschienen, wird jedoch auch zu zeigen sein, wie diese weibliche Partizipation in der Retrospektive diskursiv überschrieben und die Verteidigung Venedigs als Referenz für männlichen Heroismus tradiert wurde. Zur Verortung des „Quarantotto veneziano“ in der patriotischen Erinnerungskultur des Risorgimento sollen schließlich auch fiktionale Werke Berücksichtigung finden, um herauszuarbeiten, wie der revolutionäre Geschlechterdiskurs Venedigs im Medium der Literatur reflektiert wurde.Von Mai 2026 bis April 2027
Personen/zukünftige Projekte
- Der Philosoph und sein Schatten: Friedrich Nietzsche in Venedig, 1880 - 1887Von Oktober 2026 bis November 2026
- Italienische Spiegelungen. Villa Ludwigshöhe als Resonanzraum zwischen Italien und der PfalzFebruar 2027
- Das Nordmediterrane als Vorbild? Die Geschichte des nachhaltigen Tourismus am Mittelmeer, 1970-2019Von Januar 2027 bis Februar 2027
- Buchprojekt mit Birkhäuser Verlag "Carlo Scarpa im Detail"Von Februar 2027 bis März 2027
- Social Turbulence and Rebellion in Venetian Crete in the 13th and 14th CenturiesVon Oktober 2026 bis Dezember 2026
- Pier Paolo Pasolini auf der Biennale von Venedig:
Historische Präsenz und Rezeption in der internationalen Gegenwartskunst
BuchprojektJanuar 2027 - Objekt- und Archivstudium für die Dissertation: Untersuchung der religiösen Malerei G. Piazzettas im Hinblick auf das Chiaroscuro, die Konzeption und Darstellung des Visionären und Himmlischen sowie im Vergleich zu S. Ricci und G. TiepoloVon Juni 2027 bis Juli 2027
- Dezember 2026
- Giovanni Agostino da Lodi – Ein mailändischer Maler in Venedig. Kultureller Austausch in Norditalien um 1500
PostdocOktober 2026 - Urban Feral Wetlands: VeneziaVon Oktober 2026 bis Dezember 2026
- Giovanni Antonio Pellegrinis Deckengemälde in der Galerie der Banque Royale in Paris: Versuch der Rekonstruktion eines verlorenen MeisterwerksVon März 2027 bis Mai 2027
- Paolo Orlandini und seine Schrift gegen die Astrologie: Studie zu einer Renaissance-Debatte über die Zukunft zwischen Florenz und Venedig
DissertationsvorhabenVon September 2027 bis Oktober 2027 - Die Andere Biennale: Venedigs ,Biennali d'arte antica' und die Erfindung einer anhaltenden Tradition (1935-1950)
PostdocVon August 2026 bis September 2026 - Archivarbeiten zum zweiten Kapitel meiner Habilitation: "Kosmopoliten auf der Bühne. Interkultureller Austausch, Kulturtransfer und transkulturelle Vermittlung in der französisch- und italienischsprachigen Theaterpraxis im 18. Jahrhundert"Von August 2026 bis April 2027
- Queer-feministische Raumpraxen und ihre Bedeutung in der gesellschaftlichen Transformation im GroßraumVon Oktober 2026 bis Dezember 2026
- Nachforschungen zu Zeitzeugenaussagen in Bezug auf Alethea TalbotNovember 2026
- NURIA – Erinnerungen (AT)
(Musikgeschichte / Exilforschung / Gender Studies / Medienpraxis)
Freies ProjektVon Oktober 2027 bis Dezember 2027 - April 2027
- Scomparso? Spuren karmelitischer Predigttätigkeit in Venedig
PostdocVon Mai 2027 bis Juli 2027 - Byzantinische Buchproduktion in Ost und West nach dem Fall Konstantinopels. Eine komparative Studie (1453– ca. 1500)
Postdoc-ProjektJuni 2028 - Leandro Bassano (1557-1622): Religiöse Bilder, Staatsaufträge, Porträts, DokumenteVon April 2027 bis Mai 2027
- Zwischen Annotation und Komposition. Die private Musikalienbibliothek Luigi Nonos
Vorbereitung zum PromotionsprojektNovember 2027 - Fontenelle in Venedig - Tendenzen der italienischen Rezeption der Entretiens sur la pluralité des mondesDezember 2026
- Die sephardische Diaspora in Venedig (1492-1541)
DissertationsprojektMärz 2027 - Venezia oltre Venezia. Das Bild Venedigs an der Adria zwischen Irredentismo und Globaltourismus
PostdocJanuar 2027