Bildende Kunst
Die Druck- und Buchkunststadt Venedig ist für mich Ausgangspunkt meiner Recherche nach neuen Bildmotiven, technischen Umsetzungen und nach der Geschichte des Buchdrucks. Zugleich eröffnet sie mir die besondere Gelegenheit, mich intensiv mit der Lagune, dem Wasser und seinen wechselnden Zuständen – als einer „Sprache des Wassers“ – auseinanderzusetzen und bildnerisch umzusetzen.
Am DSZV möchte ich Berührungspunkte zwischen Kunst und Wissenschaft aufnehmen und in meine eigene Arbeit einfließen lassen – ebenso wie Impulse, die in kollaborativen Zusammenhängen entstehen und auch in die Arbeiten anderer wirken können.
www.christinawildgrube.de
Von Januar 2026 bis März 2026
Giovanni Agostino da Lodi – Ein mailändischer Maler in Venedig. Kultureller Austausch in Norditalien um 1500
Postdoc
Kunstgeschichte
Das plötzliche Auftauchen des Malers Giovanni Agostino da Lodi in der Kunstgeschichtsschreibung geht auf Wilhelm Bode (1845–1929), den einflussreichen Direktor der Berliner Museen, zurück. Durch seine intensive Beschäftigung mit der lombardischen Malerei – insbesondere mit der Schule Leonardos in Mailand – stieß Bode auf eine bis dahin unbekannte Künstlerpersönlichkeit. Anhand einer Reihe stilistisch verwandter Werke konnte er die Existenz dieser Figur erstmals aufspüren und begründen. Da viele dieser Werke zuvor dem Maler Boccaccio Boccaccino zugeschrieben worden waren, gab Bode ihm, wie damals üblich, einen Notnamen und taufte ihn „Pseudo-Boccaccino“. Der anonyme Maler war, laut Bode, im Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert in Mailand tätig, zur Zeit Leonardos, versuchte aber auch sein Glück in Venedig.
Eine kleine Tafel in der Mailänder Pinacoteca di Brera, die die Darstellung eines Greises neben einem jungen Mann zeigt und die Signatur „IOHES AVGVSTINVS LAVDESIS“ trägt (Inv. 789.), bildete – aufgrund ihrer stilistischen Nähe zu den von Bode zusammengestellten Werkverzeichnissen – die Grundlage für die Identifizierung des anonymen Malers mit Giovanni Agostino da Lodi (aktiv ca. 1490–1520), einem damals noch unbekannten und durch Quellen nicht belegten Maler aus der Lombardei.
Nur wenige archivalische Zeugnisse, die erst in jüngerer Zeit aufgetaucht sind, belegen seine Präsenz in Mailand und Venedig während der ersten beiden Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts. Sein Werkkatalog, der Gemälde und Zeichnungen umfasst, hat sich seither erheblich erweitert. In der Forschung gilt Giovanni Agostino häufig als stilistisches Bindeglied zwischen Leonardo und Giorgione – eine Vorstellung, die auf Vasaris florenzzentriertem Konzept der maniera moderna basiert, bislang jedoch selten kritisch hinterfragt wurde.
In meinem Forschungsprojekt untersuche ich Giovanni Agostinos Werk und Wirken aus einer neuen Perspektive. Ziel ist es, seine künstlerische Praxis sowie seine soziale und kulturelle Einbindung in das norditalienische Kunstnetzwerk differenziert herauszuarbeiten. Dabei werden teleologische Narrative à la Vasari bewusst vermieden und stattdessen soziale, technische sowie auftraggeberbezogene Kontexte aus Mailand und Venedig einbezogen. Im Zentrum der Arbeit steht die Analyse überlieferter Dokumente im Zusammenhang mit dem erhaltenen Werk. Auf dieser Grundlage konnte ein plausibles Netzwerk von Auftraggebern und künstlerischen Beziehungen rekonstruiert werden. Darüber hinaus enthält die Studie eine systematische Darstellung der stilistischen und technischen Entwicklung Giovanni Agostinos.
Der abschließende Schritt meines Forschungsvorhabens besteht in der vertieften, werkbezogenen Analyse vor Ort in Venedig. Diese umfasst die direkte Betrachtung der Originale in Museen und Kirchen sowie weiterführende Archivstudien. Diese Recherchen bilden die Grundlage für die Druckvorbereitung des ersten umfassenden Catalogue Raisonné, der sämtliche Giovanni Agostino da Lodi zugeschriebenen Gemälde und Zeichnungen erstmals im größeren Zusammenhang dokumentiert und kontextualisiert.
Das Projekt versteht sich als Beitrag zur kunsthistorischen Erschließung eines bislang randständigen Akteurs, der jedoch für den künstlerischen Austausch zwischen Mailand und Venedig von großer Bedeutung war. Es verbindet stilkritische Analysen mit technikgeschichtlichen Perspektiven und archivalischer Forschung und trägt so zu einem besseren Verständnis der künstlerischen Dynamiken Norditaliens um 1500 bei. Gleichzeitig reflektiert es kritisch etablierte kunsthistorische Erzählmuster und beleuchtet deren ideologische Grundlagen.
Schlagwörter
Lombardische Malerei, venezianische Malerei, Wilhelm Bode, Leonardo, Giorgione, norditalienische Kulturaustausch, maniera moderna, stilistische Analyse, Neuzeit, Künstlerbiografie, kunsthistorische Narrative
2026
Geschichte der frühen Neuzeit - Prof. Dr. Lauren Kassell
Von Januar 2026 bis Februar 2026
Ausarbeitung Dissertationskapitel
Germanistische Mediävistik, Uni-Bayreuth, Prof. Dr. Cordula Kropik
Von Februar 2026 bis April 2026
Byzantinische Buchproduktion in Ost und West nach dem Fall Konstantinopels. Eine komparative Studie (1453- ca. 1500)
Byzantinistik
Von Februar 2026 bis Juli 2026
Kaiserreisen in Habsburg-Venetien: Oper, Kantate und imperiale Repräsentation (1825-1857)
Musikwissenschaft, Geschichte - Universität Leipzig, Prof. Dr. Axel Körner
Von Februar 2026 bis Juni 2026
Eine Untersuchung, die sich auf den Klang der Räume und die Architektur Venedigs konzentriert
Musik/Komposition
Von Januar 2026 bis März 2026
Zwischen Annotation und Komposition. Die private Musikalienbibliothek Luigi Nonos
Promotionsprojekt
Universität Hamburg Musikwissenschaft, MusiktheorieDer venezianische Komponist Luigi Nono (1924–1990) zählt zu den bedeutendsten Protagonisten der Musik der Nachkriegszeit. Er nahm Zeit seines Lebens eine zentrale Brückenfunktion zwischen der deutschen und der italienischen Musikkultur ein, prägte die Musik seiner eigenen Generation und übte zugleich einen nachhaltigen Einfluss auf nachfolgende Komponist:innen aus. Die anhaltende Präsenz seiner Werke im heutigen Konzertleben verdeutlicht die ungebrochene Aktualität und Relevanz Nonos und macht eine vertiefte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Werk und Nachlass umso notwendiger.
Seine nachgelassene Bibliothek, die heute im privat geführten Archivio Luigi Nono auf der Giudecca in Venedig aufbewahrt wird, zeugt von einem beeindruckend breiten musikgeschichtlichen und intellektuellen Horizont, aus dem Nono schöpfte. Nonos Bewegung durch den kulturgeschichtlichen Raum lässt sich in seiner Bibliothek in zwei Medientypen fassen: Bücher und Musikalien. Diese Trennung ist selbstverständlich eine methodische, die Nonos eigener Umgang mit seiner Sammlung vermutlich kaum kannte.
In diesem Projekt wird zum einen die in einer ersten Phase (2021–2022) von Kira Henkel begonnene systematisch-katalogische Erschließung der handschriftlichen Annotationen in den Büchern von Luigi Nonos Bibliothek durch Sebastian Genzink fortgeführt und abgeschlossen. Darüber hinaus wird die Untersuchung um die Erfassung der Annotationen in den Musikalien aus Nonos Privatbibliothek erweitert. Dieses neue Korpus umfasst rund 1000 Partituren, die Nono über den gesamten Verlauf seines Lebens hinweg akribisch studierte, analysierte und annotierte. Über die reine Erfassung hinaus entwickelt das Projekt einen digitalen visuellen Index der annotierten Seiten. Dieses Instrument soll es ermöglichen, die großen Datenmengen systematisch zu visualisieren, ihre Strukturen und Zusammenhänge sichtbar zu machen und sie im Sinne der Digital Humanities für weiterführende Forschungsvorhaben methodisch nutzbar zu machen.
Erst durch diese systematische Erfassung der Annotationen wird eine Forschung möglich, die die zahlreichen interdisziplinären Bezüge und intermedialen Verflechtungen in Nonos Werk nachzeichnen kann. Das Projekt schafft damit eine wesentliche Grundlage für zukünftige Studien, die Nonos Lektüren und deren Einfluss auf sein kompositorisches Schaffen beleuchten. Die Erschließung und Erforschung von Nonos Bibliothek inklusive seiner Musikalienbibliothek ist somit nicht nur für die Musikwissenschaft von großer Bedeutung, sondern eröffnet darüber hinaus Perspektiven für weitreichende kulturhistorische Erkenntnisse.
Von Oktober 2025 bis Februar 2026
"Zwei Schriften Kardinal Bessarions über den Kreuzzug gegen die Türken: Textgeschichte, Ausgabe und Stellung innerhalb seines Werkes"
Von Juli 2026 bis September 2026
Der Philosoph und sein Schatten: Friedrich Nietzsche in Venedig, 1880 - 1887
Von Oktober 2026 bis November 2026
Februar 2027
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Auseinandersetzung mit dem Selbstmord Constance Fenimore Woolsons am 24.1.1898 in Venedig. Sowie die Reaktion ihres Freundes Henry James auf ihren Tod und mögliche Auswirkungen auf sein weiteres Schaffen.
Von April 2026 bis Juni 2026
Giovanni Bellini und die Devotio Moderna: religiöser Austausch und die italienische Kunsttheorie des Quattrocento
Buchprojekt
Juni 2026
Social Turbulence and Rebellion in Venetian Crete in the 13th and 14th Centuries
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Pier Paolo Pasolini auf der Biennale von Venedig und in der internationalen Gegenwartskunst
Juni 2026
Von April 2026 bis März 2027
Von Amalthea bis Zenobia: Die Rezeption antiker Frauenfiguren in der italienischen Querelle des Sexesdes 16. und 17. Jahrhunderts
Promotionsprojekt
2026
Romanprojekt 'Gianzstoff' über die ökologische Bedingungen des Erinnerns und Erzählens, Kunstseide-Produktion und Braunkohleabbau im Rheinland im 20. Jahrhundert
Von April 2026 bis Juni 2026
Giovanni Agostino da Lodi – Ein mailändischer Maler in Venedig. Kultureller Austausch in Norditalien um 1500
Postdoc
Oktober 2026
Am Deutschen Studienzentrum in Venedig möchte ich
Carlo Scarpas Auseinandersetzung mit der traditionellen
japanischen Architektur und deren Einfluss auf Bauhaus-
Architekten erforschen. Scarpa ließ sich schon vor
seinem Japanbesuch 1969 von der Ästhetik Japans
inspirieren, durch Japonisme und das 1925 eröffnete
Museum für Orientalische Kunst in Venedig. Diese
Einflüsse in Venedig zu erforschen, würde mein
Verständnis des Erbes der modernen Architektur vertiefen
und die Grundlage für einen Vortrag und eine neue
Werkreihe zu diesem Thema schaffen.
Von Juli 2026 bis September 2026
Urban Feral Wetlands: Venezia
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Giovanni Antonio Pellegrinis Deckengemälde in der Galerie der Banque Royale in Paris: Versuch der Rekonstruktion eines verlorenen Meisterwerks
Von März 2027 bis Mai 2027
Mai 2026
Die Andere Biennale: Venedigs ,Biennali d'arte antica' und die Erfindung einer anhaltenden Tradition (1935-1950)
Postdoc
März 2026
Archivarbeiten zum zweiten Kapitel meiner Habilitation: "Kosmopoliten auf der Bühne. Interkultureller Austausch, Kulturtransfer und transkulturelle Vermittlung in der französisch- und italienischsprachigen Theaterpraxis im 18. Jahrhundert"
Von August 2026 bis April 2027
Queer-feministische Raumpraxen und ihre Bedeutung in der gesellschaftlichen Transformation im Großraum
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Nachforschungen zu Zeitzeugenaussagen in Bezug auf Alethea Talbot
November 2026
Die Aufenthalte von Marquard Gude (1635-1689) in Venetien:
Bibliotheken, Handschriften und Gelehrten-Netzwerke
Postdoc
Von April 2026 bis Mai 2026
Scomparso? Spuren karmelitischer Predigttätigkeit in Venedig
Postdoc
Von Mai 2027 bis Juli 2027
Leandro Bassano - „La Maraviglia del Mondo“. Forschungen zu den Dogenporträts, zur Sammlungsgeschichte und Auftraggeberschaft eines Malers am Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert
Von März 2027 bis Mai 2027
Familienliteratur der Einwanderung aus dem Nordosten Italien nach den deutschsprachigen Ländern
Von Juli 2026 bis September 2026
Studium Gioseffo Zarlino "Istitutioni harmoniche" und Werke von Luigi Nono, und auf dieser Basis eine neue Musikkomposition
Von Juli 2026 bis September 2026
Die sephardische Diaspora in Venedig (1492-1541)
Dissertationsprojekt
Von März 2026 bis April 2026
Der Kiosk
Juli 2026
Venezia oltre Venezia. Das Bild Venedigs an der Adria zwischen Irredentismo und Globaltourismus
Postdoc
Von Dezember 2026 bis Januar 2027
Revolution und Geschlecht im "Quarantotto veneziano" - Fritz Thyssen Stiftung
Von Mai 2026 bis April 2027