Zwischen Nähe und Verlust: Woolson und James in Venedig
Kunststipendium
Literatur
Während meines Aufenthalts in Venedig arbeite ich an einem Essay über Constance Fenimore Woolson, eine bedeutende amerikanische Autorin des 19. Jahrhunderts, die Romane, Kurzgeschichten und Gedichte verfasste. Im Zentrum meiner Untersuchung steht ihre enge Beziehung zu Henry James, die sowohl literarisch als auch biografisch von großer Bedeutung ist.
Ein besonderer Fokus liegt auf Woolsons letztem Lebensjahr: 1893 bezog sie eine Wohnung im Palazzo Orio Semitecolo Benzon am Canal Grande. Gezeichnet von den Folgen einer Influenza sowie von Depressionen, kam sie im Januar 1894 unter tragischen Umständen ums Leben, nachdem sie aus dem Fenster ihrer Wohnung im vierten Stock stürzte. Ob unglücklicher Sturz oder bewusst gewählter Freitod, konnte nie geklärt werden.
Der Tod Woolsons erschütterte Henry James zutiefst. In einem symbolischen Akt warf er ihre Kleidung in den Canal Grande – eine Geste, die als stiller Protest gegen gesellschaftliche Zwänge gelesen werden kann, die Frauen ein unabhängiges Leben und eine selbstbestimmte Sexualität erschwerten.
Im Rahmen meines Projekts werde ich nicht nur die historischen und literarischen Zusammenhänge untersuchen, sondern mich auch vor Ort mit dem Schauplatz der Ereignisse auseinandersetzen. Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit sich heute noch Spuren dieses Vorfalls rekonstruieren lassen und welche Bedeutung er im kulturellen Gedächtnis Venedigs besitzt.
Von April 2026 bis Juni 2026
Der intellektuelle Austausch des Mailänder Aristotelikers Ottaviano Ferrari (1518–1586) mit dem Humanisten Paolo Manuzio (1512–1574) in Venedig und dem Gelehrten Gian Vincenzo Pinelli (1535–1601) in Padua.
Geschichte der Philosophie
Von April 2026 bis Juni 2026
Kunstgeschichte
Von April 2026 bis März 2027
Romanprojekt 'Glanzstoff' über die ökologischen Bedingungen des Erinnerns und Erzählens, Kunstseide-Produktion und Braunkohleabbau im Rheinland im 20. Jahrhundert
Kunststipendium
Literatur
Von April 2026 bis Juni 2026
Die Aufenthalte von Marquard Gude (1635-1689) in Venetien:
Bibliotheken, Handschriften und Gelehrten-Netzwerke
Postdoc
Mittelalterliche Geschichte, Paläographie/Kodikologie
Im Verlaufe seines Lebens hat der Philologe und Gelehrte Marquard Gude mit großem Eifer, intensiver Reisetätigkeit und erheblichem finanziellen Aufwand eine monumentale Sammlung lateinischer und griechischer Codices des Mittelalters und der Renaissance erworben. Besonders wichtig für die Rekonstruktion der frühen Konstituierung der Bibliothek Marquard Gudes sind seine Reisen nach Brabant, Flandern, Frankreich und Italien, später auch durch Deutschland. Während der Zeit in Italien erwarb Gude Handschriften und Inkunabeln, u. a. in Padua und Venedig. Aus Venedig stammen auch einige Inkunabeln, die später von der herzoglichen Bibliothek in Weimar gekauft wurden. In Italien hatte Gude sonst kirchliche und öffentliche Bibliotheken besucht, Handschriften kollationiert und Kontakte mit lokalen Wissenschaftlern gepflegt. Der Forschungsaufenthalt am Deutschen Studienzentrum in Venedig hat das das Ziel, zum einen den historischen Rahmen und das Netzwerk der Beziehungen Gudes in Venetien zu rekonstruieren, zum anderen die Bestände, die Gude eingesehen bzw. kollationiert hat, besonders in der Biblioteca Marciana, zu identifizieren und genauer zu analysieren.
Von April 2026 bis Mai 2026
Dynamische Identitäten: Die literarische Stadt in der mittelhochdeutschen Literatur als transformativer Raum
Promotionsprojekt
Germanistische Mediävistik, Uni-Bayreuth, Prof. Dr. Cordula Kropik
Das Ziel der Promotionsarbeit ist die Auseinandersetzung mit der Fragestellung, inwiefern die literarische Stadt als Raumkonzept in mittelalterlichen Texten fluide Figurenidentitäten ermöglicht und mit diesen interagiert. In dem Projekt soll dabei konkret mithilfe eines dynamischen Identitätskonzeptes untersucht werden, wie sich der erzählte und narrativ ausgestaltete urbane Raum mittelhochdeutscher Texte auf die Identität der darin agierenden Figuren auswirkt und sie transformiert.
Durch ein gattungsüberspannendes Korpus, das unter anderem epische Prosaerzählung, Artusdichtung und spätmittelalterliche Pilgertexte umfasst, entsteht eine breit angelegte Studie zu dieser Frage. Untersuchungsgegenstand dieses Forschungsaufenthaltes ist der Stadt-Raum in Fabris spätmittelalterlicher geistiger Pilgeranleitung Sionpilger, wobei Venedig neben Ulm und Jerusalem eine zentrale Rolle in meiner Forschung einnimmt.
Von Februar 2026 bis April 2026
Byzantinische Buchproduktion in Ost und West nach dem Fall Konstantinopels. Eine komparative Studie (1453– ca. 1500)
Postdoc-Projekt
Byzantinistik, Universität Fribourg (CH)
Welche Konsequenzen hatte die osmanische Eroberung Konstantinopels 1453, die in der Geschichtsschreibung das Ende des Byzantinischen Reiches besiegelt, für die Produktion byzantinischer Handschriften? Die mit dieser Zäsur einhergehenden vielschichtigen Transformationen beeinträchtigten die Voraussetzungen für die Herstellung byzantinischer Handschriften drastisch. Etwa ein halbes Jahrhundert später, gegen 1500, gewann zudem der Buchdruck spürbar an Bedeutung auch für griechische Schriftwerke und veränderte den Markt für byzantinische Handschriften nachhaltig, vor allem im westlichen Europa. Dieses Forschungsprojekt nimmt die Rolle byzantinischer Kopisten und ihrer Milieus in diesem Zeitraum der Umwälzungen und der dadurch hervorgerufenen Konfrontation mit Fremdem und Neuem in den Blick.
Das Projekt ist als Vergleichsstudie angelegt: Der Fokus liegt einerseits auf einer Auswahl byzantinischer Kopisten, die nach dem Fall Konstantinopels nach Westen (hauptsächlich Italien) oder in vom Westen dominierte Gebiete (insbesondere Kreta unter venezianischer Herrschaft) migrierten. Andererseits wird eine Gruppe byzantinischer Kopisten analysiert, die unter neuen Herrschern in der gefallenen Hauptstadt weiterlebten und wirkten.
Hauptgegenstand der Untersuchung sind griechische Handschriften als Objekte materieller Kultur, als multifunktionale Medien sowie als Textträger, die zu einem großen Teil Quellen griechischer Paideia (Bildung) und des Christentums enthalten, transportieren und bewahren. Während meines Forschungsaufenthalts am dszv werde ich mich vor allem mit den über dreißig Handschriften der Biblioteca Nazionale Marciana auseinandersetzen, die von Schreibern kopiert wurden, deren Handschriftenproduktion im Mittelpunkt meines Projekts steht.
Ziel dieser Studie ist es, eine bisher wenig erforschte Periode der byzantinischen Handschriftengeschichte komparatistisch und interdisziplinär auszuleuchten und die Ergebnisse historisch und soziokulturell zu kontextualisieren. Gleichzeitig soll die Brückenfunktion der Produktion byzantinischer Handschriften für die ost- und westeuropäische Zivilisations- und Wissensgeschichte vor dem Hintergrund historisch und religiös begründeter Animositäten und Abgrenzungen dokumentiert werden.
Von Februar 2026 bis Juli 2026
Kaiserreisen in Habsburg-Venetien: Oper, Kantate und imperiale Repräsentation (1825-1857)
Promotionsprojekt Musikwissenschaft, Geschichte - Universität Leipzig, Prof. Dr. Axel KörnerDas Projekt, das den Hauptteil meines Promotionsprojekts bildet, untersucht kaiserliche Reisen nach Venedig und Venetien zwischen 1825 und 1857 als zentrale Momente dynastischer Repräsentation im Königreich Lombardo-Venetien. Anhand von drei Fallstudien – der Reise Kaiser Franz I. im Jahr 1825, der Krönungsreise Ferdinands I. 1838 sowie des längeren Aufenthalts Franz Josephs in den Jahren 1856-1857 – analysiert die Studie die Rolle von Opernaufführungen und säkularen Kantaten innerhalb der zeremoniellen Strategien habsburgischer Herrschaft. Über nationale Deutungsmuster der italienischen Oper des 19. Jahrhunderts hinausgehend verfolgt das Projekt einen transnationalen und imperialen Ansatz, der den Theaterraum als Bestandteil politischer Kommunikation und symbolischer Machtausübung versteht.
Die Untersuchung stützt sich auf Archivrecherchen in staatlichen und kommunalen Archiven in Venedig und weiteren Städten Venetiens sowie auf musikalische Quellen wie Partituren und Libretti. Im Mittelpunkt stehen Planung, Finanzierung und Rezeption der kaiserlichen Feierlichkeiten sowie die Nutzung des Theater- und des urbanen Raums. Besonderes Augenmerk gilt der Doppelrolle Venedigs als symbolischem Zentrum imperialer Repräsentation und als peripherem Integrationsraum im Vergleich zu Städten wie Verona, Padua und Vicenza. Durch den Vergleich kaiserlicher Besuche vor und nach 1848 leistet das Projekt einen Beitrag zur Neubewertung habsburgischer Kulturpolitik und der politischen Funktion der Oper im Italien des 19. Jahrhunderts.
Mein Promotionsprojekt „Staging the Empire. Opera, Monarchy and Society in the Austrian Kingdom of Lombardy–Venetia“ wird im Rahmen des ERC-Projekts „Opera and the Politics of Empire in Habsburg Europe, 1815-1914“ an der Universität Leipzig durchgeführt (
https://www.gkr.uni-leipzig.de/historisches-seminar/institut/professuren/neuere-kultur-und-ideengeschichte/erc-projekt Von Februar 2026 bis Juni 2026
Die sephardische Diaspora in Venedig (1492-1541)
Dissertationsprojekt
Geschichte - Universität Trier, Prof. Dr. Lukas Clemens u. JProf. Dr. Andreas Lehnertz
Mein Dissertationsprojekt untersucht die frühe Migrationsbewegung der Sephardim – einschließlich der sogenannten marrani, der konvertierten Jüdinnen und Juden – nach ihrer Vertreibung von der Iberischen Halbinsel 1492 bzw. 1497 und ihre Reorganisation in der Lagunenstadt.
Bislang richtete sich das Augenmerk der Forschung auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, ab der sich eine große sephardische Gemeinschaft in Venedig bildete, die sogar Ausstrahlungskraft auf die spätere Gemeindebildung in Amsterdam hatte. Dass sich schon Ende des 15. Jahrhunderts Sephardim in der Lagune aufhielten und 1497 einer Ausweisung trotzen konnten, findet hingegen kaum Berücksichtigung. Dabei ist gerade die Reorganisation in der frühen Phase der Migration interessant, da sich in dieser Zeit die Grundlagen und Voraussetzungen für die weitere Ansiedlung und die Etablierung größerer Gemeinden bilden konnten.
Mit meinem Projekt sollen Erkenntnisse über Verbindungen der Sephardim zur christlichen und jüdischen Gesellschaft innerhalb und außerhalb der Lagunenstadt sowie über ihre Tätigkeiten erlangt werden. Diese Erkenntnisse sollen vor dem Hintergrund des politischen Rahmens, den die Serenissima vorgab, betrachtet werden, um wiederum Rückschlüsse auf den Handlungsspielraum der Sephardim bei ihrer Reorganisation in Venedig ziehen zu können. Somit möchte ich die frühen sephardischen Migrationsbewegungen neu beleuchten und zu einer deutlich differenzierteren Sichtweise auf die sephardische Diaspora beitragen.
Von März 2026 bis April 2026
"Zwei Schriften Kardinal Bessarions über den Kreuzzug gegen die Türken: Textgeschichte, Ausgabe und Stellung innerhalb seines Werkes"
Von Juli 2026 bis September 2026
Der Philosoph und sein Schatten: Friedrich Nietzsche in Venedig, 1880 - 1887
Von Oktober 2026 bis November 2026
Februar 2027
Das Nordmediterrane als Vorbild? Die Geschichte des nachhaltigen Tourismus am Mittelmeer, 1970-2019
Von Januar 2027 bis Februar 2027
Buchprojekt mit Birkhäuser Verlag "Carlo Scarpa im Detail"
Von Februar 2027 bis März 2027
Giovanni Bellini und die Devotio Moderna: religiöser Austausch und die italienische Kunsttheorie des Quattrocento
Buchprojekt
Juni 2026
Social Turbulence and Rebellion in Venetian Crete in the 13th and 14th Centuries
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Pier Paolo Pasolini auf der Biennale von Venedig und in der internationalen Gegenwartskunst
Juni 2026
Giovanni Agostino da Lodi – Ein mailändischer Maler in Venedig. Kultureller Austausch in Norditalien um 1500
Postdoc
Oktober 2026
Kunststipendium
Von Juli 2026 bis September 2026
Giovanni Antonio Pellegrinis Deckengemälde in der Galerie der Banque Royale in Paris: Versuch der Rekonstruktion eines verlorenen Meisterwerks
Von März 2027 bis Mai 2027
Paolo Orlandini und seine Schrift gegen die Astrologie: Studie zu einer Renaissance-Debatte über die Zukunft zwischen Florenz und Venedig
Dissertationsvorhaben
Mai 2026
Die Andere Biennale: Venedigs ,Biennali d'arte antica' und die Erfindung einer anhaltenden Tradition (1935-1950)
Postdoc
Von August 2026 bis September 2026
Archivarbeiten zum zweiten Kapitel meiner Habilitation: "Kosmopoliten auf der Bühne. Interkultureller Austausch, Kulturtransfer und transkulturelle Vermittlung in der französisch- und italienischsprachigen Theaterpraxis im 18. Jahrhundert"
Von August 2026 bis April 2027
Queer-feministische Raumpraxen und ihre Bedeutung in der gesellschaftlichen Transformation im Großraum
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026
Nachforschungen zu Zeitzeugenaussagen in Bezug auf Alethea Talbot
November 2026
April 2027
Scomparso? Spuren karmelitischer Predigttätigkeit in Venedig
Postdoc
Von Mai 2027 bis Juli 2027
Leandro Bassano - „La Maraviglia del Mondo“. Forschungen zu den Dogenporträts, zur Sammlungsgeschichte und Auftraggeberschaft eines Malers am Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert
Von März 2027 bis Mai 2027
Familienliteratur der Einwanderung aus dem Nordosten Italien nach den deutschsprachigen Ländern
Von Juli 2026 bis September 2026
Studium Gioseffo Zarlino "Istitutioni harmoniche" und Werke von Luigi Nono, und auf dieser Basis eine neue Musikkomposition
Von Juli 2026 bis September 2026
Der Kiosk
Juli 2026
Venezia oltre Venezia. Das Bild Venedigs an der Adria zwischen Irredentismo und Globaltourismus
Postdoc
Von Dezember 2026 bis Januar 2027
Revolution und Geschlecht im "Quarantotto veneziano" - Fritz Thyssen Stiftung
Von Mai 2026 bis April 2027