Max Utech
Queer-feministische Raumpraxen und ihre Bedeutung in der gesellschaftlichen Transformation im Großraum Venedig
Kunststipendium
Architektur
Konfrontiert mit sich verändernden gesellschaftlichen Realitäten und den Folgen eines fortschreitenden Klimawandels sind wir als Planende herausgefordert, unsere Rolle in der Produktion von (Stadt-) Raum zu hinterfragen. Wie können räumliche Praktiken zu einer solidarischen und nachhaltigen Transformation unserer Städte beitragen? Mit dieser Frage beschäftige ich mich als Forschender/Lehrender an der TU Wien, als Partner des Pariser Architekturbüros UHO (mit Max Turnheim) und im queer-feministischen Kollektiv Palace of Un/Learning (mit Bernadette Krejs). Letzteres hinterfragt die vorherrschende Architekturproduktion und -vermittlung und entwirft in Interventionen, Workshops und Ausstellungen kollektiv Visionen einer nachhaltigen Architekturpraxis (u.a. 2023 in der Fundació Mies in Barcelona und im Juni/Juli 2025 im Deutschen Architekturzentrum Berlin).
Während meiner Residenz in Venedig interessiert mich, wie sich hier zentrale Herausforderungen europäischer Städte verdichten: die Verdrängung durch steigende Wohnkosten, die Kommerzialisierung des Wohn- und öffentlichen Raums, der Overtourism und die Folgen des Klimawandels. Zugleich möchte ich Venedig als Stadt temporärer Freiräume betrachten. Die historische Kultur des Karnevals, der Maskierung und der Ausschweifung eröffnete Möglichkeiten, soziale Rollen zu verschieben und gesellschaftliche Konventionen zeitweise außer Kraft zu setzen. Welche Potenziale liegen in solchen Räumen, in denen normative Identitäten und Verhaltensweisen hinterfragt und andere Formen des Begehrens und Zusammenlebens erprobt werden können? Und wie lassen sich diese historischen Erfahrungen mit heutigen Praktiken einer queer-feministischen Raumpraxis in Beziehung setzen?
Diesen Fragen möchte ich anhand unabhängiger kultureller und sozialer Räume wie Sale Docks, Laboratorio Morion, Punto Croce und Rivolta sowie der dort entstehenden Initiativen und kollektiven Praktiken nachgehen. Mich interessieren ihre Strategien der Selbstorganisation, Solidarität und Fürsorge und ihr Potenzial, eine lebenswerte Stadt jenseits kapitalistischer Verwertungslogiken zu gestalten. Dabei möchte ich auch ausloten, welchen Beitrag wir mit einer kritischen räumlichen Praxis zu diesen Transformationsprozessen leisten können.
Website: www.maxutech.com
Von Oktober 2026 bis Dezember 2026