Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

Februar 2020

  • Venice, Anatolia, and How to be Roman (ca. 1100-1300) Habilitationsprojekt
    Byzantinische Kunstgeschichte (Uni Leipzig)
    Meine Forschung befindet sich an der Schnittstelle von Texten, Bildern und Architektur. Das aktuelle Projekt beschäftigt sich mit dem transkulturellen Austausch von Motiven, Formen und Stilen zwischen Venedig und dem östlichen Mittelmeerraum. In einer gattungsübergreifenden Untersuchung soll der Umgang der Venezianer mit der byzantinischen visuellen Kultur nachgezeichnet werden. Im Vordergrund steht dabei die Analyse der Produktion skulpturaler Werke durch venezianische Handwerker und die Umnutzung von spätantiken Spolien für San Marco und andere Bauten der Stadt. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass es sich bei einer Vielzahl vermeintlich spätantiker Spolienstücke tatsächlich um Produkte des 13. Jahrhunderts handelt, bspw. die Ziboriumssäulen des Hauptaltars, der Morosini-Sarkophag und der Türsturz der Porta di Sant’Alipio. Die oft lediglich als „veneto-byzantinisch“ angesprochenen Werke sind bislang nur unzureichend untersucht. Daher soll im dem Habilitationsprojekt nach dem genauen Verhältnis zwischen der byzantinischen und venezianischen materiellen Kultur gefragt werden, bei welchen Stücken es sich um Spolien und bei welchen um Neuschöpfungen handelt, welchen Eigenbeitrag die Venezianer leisteten und wie sie die spätantiken und byzantinischen Motive auswählten und variierten. Eine genaue Analyse macht deutlich, dass die Venezianer über eine fast wissenschaftliche Kenntnis der byzantinischen Kunstgeschichte verfügten und nicht nur einzelne Werke und Formen replizierten und transformierten, sondern auch in kreativer Weise und täuschend echt den Korpus der byzantinischen Kunstgeschichte erweiterten. Diese historisch-versierte Arbeitsweise der venezianischen Bilderschöpfer macht es bis heute schwierig zu unterscheiden, ob es sich im Einzelfall um spätantike bzw. byzantinische Werke oder aber um Schöpfungen handelt, die in der Lagunenstadt selbst angefertigt wurden.
    Von Oktober 2019 bis März 2020
  • Cicheti. Kunststipendium
    Musik
    Christopher Williams wird während seines Aufenthalts an verschiedenen kleineren Projekte arbeiten. Unter diesen befinden sich ein neues Stück für solo preparierten Kontrabass von Scott McLaughlin, eine Partiturausstellung und Performance mit Phillip Corner bei der venezianischen Emily Harvey Foundation und ein neues Stück für das Duo Reidemeister Move auf Basis einer relationellen Partitur namens A Musik.
    Von Januar 2020 bis März 2020
  • Ars Mercatantia. Die Kunst des Handels in Amalfi, Venedig und Genua (11.-14. Jh.)
    Objekte – Bilder – Praktiken
    (Dissertationsvorhaben)

    Kunstgeschichte - Ludwig-Maximilians-Universität München - Dr. Philippe Cordez
    Ausgehend von drei Objektgruppen untersucht das Dissertationsprojekt die Ästhetik der Warengestaltung und ihre ökonomischen Voraussetzungen in Amalfi, Venedig und Genua zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert. In dieser Zeit war die mediterrane Wirtschaftsentwicklung vor allem durch die kommerzielle Expansion der italienischen Seerepubliken geprägt: Kaufleute aus den maritimen Stadtstaaten organisierten im Zusammenspiel mit ihren arabischen, byzantinischen, persischen und mongolischen Partnern den Warenverkehr zwischen dem Mittelmeer bis an die Märkte Zentralasiens. Dabei wurden Objekte konzipiert, deren Herstellung nicht nur von den gehandelten Rohstoffen abhing, sondern deren formale Gestaltung sich auch an den neuen Märkten orientierte: Elfenbeinhörner aus Süditalien, die venezianische Kunst der Kristallminiaturen und die unter genuesischer Mitwirkung fabrizierten Seiden zeugen nicht nur von den weitreichenden Kontakten der merkantilen Eliten in einem von kommerzieller und politischer Rivalität geprägten Zeitraum. Als erfolgreiche Waren dokumentieren diese Objekte auch die komplexen Formen kultureller Begegnung zwischen den mit ihnen handelnden Akteuren.
    Von Januar 2020 bis Juni 2020
  • Bildwitz? Phänomene des Komischen in der Venezianischen Kunst der Frühen Neuzeit. Habilitationsprojekt
    Kunstgeschichte
    Wie Vasari in der Vita von Francesco Salviati feststellt, stehen den Künstlern, wenn sie sich zu ihrer Kunst vor deren Kritikern zu äußern haben, zwei Arten der Rede zur Verfügung: Einerseits besteht die Möglichkeit, sich ‚im Ernst’ /„da dovero“, andererseits sich ‚im Scherz’ / „per burla“ zu verteidigen. Trifft Vasari diese Aussage zwar mit Bezug auf den Wettstreit zwischen den Künstlern, so lässt sich der Kern dieser Aussage auch allgemeiner fassen. Auf die religiöse Umbruchsituation zu Beginn des 16. Jahrhunderts und den damit einhergehenden Bilderstreit übertragen, dürfte grade Letzterer den Kunstkennern als eine der größten Verwechslungsgeschichten überhaupt und damit quasi als ‚Realsatire’ erschienen sein, die mit zynischen Humor quittiert wurde. Doch greift eine solch einseitige Betrachtungsweise des Bildwitzes zu kurz, denn auch aus religiöser Sicht beziehungsweise aus der Perspektive eines frommen Malers vermag gerade die Kunst, wenn sie im komischen Modus verfasst ist, Freude zu stiften, welche der aus Zweifel und Leid entstandenen Bildskepsis entgegenwirkt. Ernst und Scherz finden somit im Bildwitz zueinander, der als ‚ernstes Spiel’ im Medium der Malerei befähigt ist, Toleranz zu lehren und – mit Philipp Fehl gesprochen – „in doing so they [the paintings] in earnest hold on to primary values that are the foundations of civilized living”. Laut Fehl zeichnet gerade die frühneuzeitlichen Venezianer*innen eine gewisse Meisterschaft des moralischen Theaters aus, sowohl in Worten als auch in Bildern, mit deren poetischen Mitteln sie die existentielle Verfassung des Menschen zu erörtern suchten. Der Bildwitz „as vehicle for truth and moral“ kann den christlichen Betrachter*innen in diesem Sinne als Mittel zur freudvollen Bekräftigung des eigenen Glaubens dienen. Gleichzeitig tritt darin das Potential von Kunstwerken offen zu Tage. Inwieweit die Maler und Kunstsammler des frühneuzeitlichen Venedigs den Bildwitz ganz bewusst als ästhetische Strategie der Selbst- und Medienreflexion zur eigenen Versicherung, aber gleichfalls auch zur Erschaffung Aufsehen erregender Bildereignisse zu nutzen wissen, ist daher die Leitfrage meiner Untersuchung.
    Februar 2020
  • Funktionen und Gebrauchsformen der italienischen Karikatur in der Frühen Neuzeit Dissertationsvorhaben
    Kunstgeschichte - Univ. Bamberg, Prof. Dr. Wolfgang Brassat
    Die seit der Französischen Revolution bis heute andauernde primäre Funktion der Karikatur ist noch immer die der politischen Kritik. Welchen Zweck Karikaturen in der Frühen Neuzeit für Künstler und Rezipienten erfüllte, ist dagegen noch in unzureichendem Maße erforscht. Die Karikatur entstand spätestens im 16. Jahrhundert in Italien und etablierte sich im 17. Jahrhundert als unterhaltsame Variante des Porträts, sie wurde üblicherweise mit der Feder auf Papier gezeichnet. In der bisherigen Forschung wird Annibale Carracci als Erfinder der Karikatur angeführt, was der tatsächlichen Entstehung allerdings nicht gerecht wird. Bereits Leonardo da Vinci hat vereinzelt Karikaturen gezeichnet, mit denen er offenbar die Mailänder Hofgesellschaft unterhalten hat. Diese Funktion des höfischen Divertimento lässt sich auch für Bernini auf seiner Frankreichreise 1665 belegen. Seit dem beginnenden 18. Jahrhundert entstanden dann auch in Venedig zahlreiche Karikaturen, etwa von Antonio Maria Zanetti, Sebastiano Ricci und Giambattista Tiepolo. Doch in welchem Zusammenhang und für wen entstanden sie hier? Interessant ist dabei die immer wiederkehrende Darstellung zahlreicher Opernsängerinnen und Opernsänger. Karikaturen von diesen hat Zanetti auch in Briefen an Freunde verschickt. Gleichzeitig bekamen die Karikaturen in Venedig erstmals einen Marktwert für ein europäisches Sammlerpublikum und man begann, ganze Alben zu kopieren und zu verkaufen.
    Von September 2019 bis Februar 2020
  • Erweiterung der harmonischen und melodischen Klangsprache in Komposition und Improvisation. Forschung an Vogelschen Tonnetzen Kunststipendium
    Musik/Komposition
     Während seiner Zeit im Studienzentrum beschäftigt sich Philipp Gerschlauer mit den mikrotonalen Erweiterungsmöglichkeiten der Harmonielehre und Melodik des Jazz. Anhand von Kompositionen sollen unter Zuhilfenahme von Vogelschen Tonnetzen und anderen Stimmungen die Klangmöglichkeiten einer mit Rhythmus, Groove und Intonation arbeitenden improvisatorischen Tonsprache ausgelotet werden. Gerschlauer bedient sich hierbei eines mikrotonalen Keyboards und einer von ihm entworfenen mikrotonalen Grifftabelle für Altsaxophon, welche rund 600 Mikrotöne auf dem Instrument ermöglicht.
    Von Januar 2020 bis März 2020
  • Alimentäre Metaphern, Überfluss und Hungersnot in Venedig im 16. Jahrhundert. Postdoc-Forschungsprojekt
    Romanistik
    In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts widmet sich die venezianische Druckkunst einer immer vielfältigeren Produktion, bietet Übersetzungen und Umschreibungen der Klassiker und der Humanisten an und etabliert sich auf dem internationalen Markt. Die Besonderheit der Werke von Intellektuellen wie Anton Francesco Doni und Ortensio Lando ist das kontinuierliche Zitieren aus unterschiedlichen Quellen, wobei die Universalität des enzyklopädischen Wissens aufgehoben und parodiert wird. Gleichzeitig ahmen die dramaturgischen Werke und Episteln von Andrea Calmo die Unterschicht mittels der systematischen Anwendung des venezianischen Dialekts nach. Das Forschungsprojekt analysiert die in Venedig veröffentlichten Werke dieser Autoren mit Fokus auf die Passagen, in denen Nahrung und Lebensmittel, im eigenen und metaphorischen Sinne, eine zentrale Rolle spielen. Sie stellen eine fruchtbare Beziehung zwischen der Darstellung des materiellen Kontexts des Alltags, idealen Gesellschaften und kollektiven Wünschen her. Insbesondere werden die Motive des Überflusses – wie bei opulenten Gastmählern, geselligem Beieinandersein oder Gefräßigkeit – und der Hungersnot, des Fastens und des Maßhaltens, sowohl in ihren moralischen als auch in ihren spielerischen und satirischen Funktionen in Betracht gezogen.
    Von November 2019 bis April 2020
  • Das Tagebuch des Cornelio Bianchi (1513-1576) Postdoc-Projekt
    Frühe Neuzeit
    Dieses Forschungsprojekt widmet sich dem Tagebuch von Cornelio Bianchi (1513-1576), dem Arzt der venetischen Nation in Damaskus, welches den Titel  "Giornale e viaggio di Cornelio Bianchi marosticano del viaggio suo à 1542 Tripoli della Soria nel 1542 essendo Doge Pietro Lando" trägt. Nach seinem Medizinstudium in Padua, das er 1529 begonnen hatte, wurde Bianchi das Doktorat im Collegium Medicum in Venedig bei dem berühmten Arzt Vettor Trincavella (1530-1606) gewährt. Dank des großen Einflusses der Familie Foscari wurde ihm wenig später eine Stelle in Syrien am venezianischen Konsulat angeboten.  Im Unterschied zu anderen christlichen Reiseberichten sticht der Text durch ein reichhaltiges Interesse an Dingen hervor, die jenseits seines Arztberufs liegen. Bianchi war ein scharfer Beobachter mit einem regen Interesse für Ethnografie und lokale politische Entwicklungen. Außerdem widmet er sich nicht nur seinen medizinischen Verpflichtungen sondern auch seiner Aktivität als Händler und beschreibt das Alltagsleben in Syrien im Detail . In den Mittelpunkt dieser Forschung möchte ich die Gesundheitskultur der Repubblica Veneta im Orient stellen, die Beschreibung der Umgebung, der Beziehungen zur lokalen Bevölkerung und ihren Machthabern und die Erfolge der angewandten therapeutischen Maßnahmen. Das Ergebnis dieser Forschung wird seinen Ausdruck in einer Publikation des Tagebuches finden, welche von wissenschaftlichen Kommentaren begleitet wird, um diesen wichtigen Text auch in anderen Disziplinen bekannt zu machen.
    Von März 2019 bis Februar 2020

Zukünftige Stipendiaten

  • Kunststipendium
    Von April 2020 bis Juni 2020
  • Von Mai 2020 bis Juni 2020
  • Altarbild von den Gebrüdern Dossi    
    Juli 2020
  • Giovanni Maria Falconetto (1468–1535) als Maler. Monografie undWerkverzeichnis
    Von März 2020 bis August 2020
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020
  • Bildwitz? Phänomene des Komischen in der Venezianischen Kunst der Frühen Neuzeit. Habilitationsprojekt
    Von August 2020 bis September 2020
  • Kunststipendium
    Von April 2020 bis Juni 2020
  • Rousseau als Gesandter (Venedig 1743-1744). Habilitationsprojekt
    Von Oktober 2020 bis November 2020
  • Studentische Migration aus dem Rheinland an die italienischen Universitäten im 15.-17. Jahrhundert
    Von April 2020 bis September 2020
  • Das Künstlerbuch als multimediale Enzyklopädie. Kunststipendium
    Von Juni 2020 bis September 2020
  • Kunststipendium
    Von Juli 2020 bis September 2020
  • Die narrativen Strukturen des Divertimento per li Regazzi Domenico Tiepolos vor dem Hintergrund der zeitgenössischen venezianischen Theaterpraxis. Postdoc
    Von März 2020 bis August 2020
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020

 

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