Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

August 2020

  • Giovanni Maria Falconetto (1468–1535) als Maler. Monografie und Werkverzeichnis
    Kunstgeschichte (LMU München, Prof. Dr. Ulrich Söding)
    Der oberitalienische Maler und Architekt Giovanni Maria Falconetto war gewiss kein eigenständiger Genius. Vielmehr hat man es mit einem technisch und thematisch vielseitigen Entdecker und Sammler zu tun, der begierig künstlerische Impulse von außen aufnimmt und in sein Werk integriert. Für die Veroneser Oberschicht entwarf er monumentale Scheinarchitekturen im sakralen Innenraum und antikisierende Fassadendekorationen zur öffentlichen Repräsentation. Während des habsburgischen Intermezzos in Verona malte er für deutsche Adelige im Gefolge Kaiser Maximilians I. heraldische Dekorationen, die der politischen Legitimation dienen sollten. Bevor er sich schließlich ganz seinen architektonischen Projekten widmete, stattete er einen Saal im Palazzo D’Arco in Mantua mit einem astrologischen Freskenzyklus aus, der als Rätselbild zur Unterhaltung der humanistisch gebildeten Gäste des Auftraggebers aus dem Umfeld der mantuanischen Markgrafenfamilie beitrug. Der Künstlerbiograph Giorgio Vasari rühmt Giovanni Maria Falconetto als Architekten, tadelt ihn aber als Maler. Auch aufgrund dieses geringschätzigen Urteils ist das malerische Werk des oberitalienischen Künstlers lange Zeit nur stiefmütterlich behandelt und bis heute noch nicht monografisch bearbeitet worden. Ziel des Dissertationsvorhabens ist die vollständige Erfassung in Wort und Bild, die kunsthistorische Erforschung und soziokulturelle Einordnung des malerischen Œuvres von Giovanni Maria Falconetto. Durch die Untersuchung der originalen Werke und Quellen soll ein kritisches Werkverzeichnis mit fotografischer Dokumentation aller gesicherten, fraglichen, aber auch abgeschriebenen Werke erstellt werden. Anhand von stilistischen und maltechnischen Vergleichen und unter Berücksichtigung der historischen Situation, des gesellschaftlichen Kontexts und des künstlerischen Umfelds soll darüber hinaus versucht werden, dem intellektuellen Profil dieses vielseitigen und aufgeschlossenen Künstlers auf die Spur zu kommen.
    Von März 2020 bis August 2020
  • Die Beziehungen Venedigs mit dem Raum der mittleren Adria zwischen Handel, Künsten und Heiligenkult (ca. 1100-1240) (Postdoc-Projekt)  
    Kunstgeschichte
    1240 griff die venezianische Flotte eine Reihe von Häfen zwischen den Abruzzen und dem Gargano an, in einer Aktion, die sich der politischen und wirtschaftlichen Expansion des sizilianischen Stauferreiches  entgegensetzte. Unter den betroffenen Häfen befand sich das von Friedrich II. befestigte Termoli, das heute im Molise liegt. Welche Gründe gab es für diesen militärischen Eingriff? Und wie waren diese Adriahäfen vor diesen Verfeindungen miteinander verbunden?  Im Zurückverfolgen dieser Gegebenheiten versucht dieses Projekt, die Beziehungen zwischen Venedig und den normannischen Stauferterritorien der Küste der mittleren Adria zu rekonstruieren. Ausgangspunkt ist der Kult des Heiligen Bassus, ein Bischof, der in unterschiedlichen Adriaregionen verehrt wird, die venetische Lagune und Termoli inbegriffen, wo in einem Sarkophag die sterblichen Überreste des Heiligen aufbewahrt werden. Dieser Kult ist von einer Vervielfältigung der Körper gekennzeichnet und einer weit verbreiteten Verehrung in unterschiedlichen am Meer liegenden Städten. Bis heute wurde die globale Präsenz im Adriabereich noch nicht systematisch untersucht. Durch die Quellenerforschung, Kirchenbauten und Erinnerungsgegenstände widmet sich das Forschungsprojekt den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Auswirkungen dieser gemeinsamen Verehrung, vor dem Hintergrund anderer Heiligenkulte des Adriaraums und mit einer besonderen Aufmerksamkeit auf die Monumentalisierung dieses Kultes.
    Von Juli 2020 bis Dezember 2020
  • Studentische Mobilität aus der Erzdiözese Köln an die italienischen Universitäten (15.–17. Jahrhundert)
    Geschichte (Johannes Gutenberg Universität Mainz, Prof. Dr. Michael Matheus)
    Thema des Promotionsvorhabens ist die studentische Mobilität von nördlich der Alpen an die italienischen Universitäten, die am Beispiel der Studenten aus der Erzdiözese Köln im Zeitraum von der Gründung der Universität Köln 1388 bis ins 17. Jahrhundert untersucht wird. Insbesondere Rechts- und Medizinstudenten zogen für ihr Fachstudium an die Universitäten Padua, Bologna, Siena, Ferrara, Pavia, Rom, Pisa und Perugia. Ziel der Arbeit ist zum einen die Erfassung der Studenten in einer Nodegoat-Datenbank und zum anderen die Auswertung der Personendaten mithilfe dieser. Im Zentrum der Analyse steht die Entwicklung und Veränderung des Studien- und Promotionsverhaltens der Studenten. Gefragt wird nach der sozialen Zusammensetzung der nach Italien ziehenden Studenten, nach ihren Motiven für ein Studium in Italien sowie den Faktoren für die Wahl des Studienfaches, des angestrebten Abschlussgrades und der besuchten Universität. Berücksichtigt werden auch die nachfolgenden Karrieren der Studenten, ihre Vernetzung als regionale Bildungselite und die Wechselwirkung zwischen Promotionsverhalten, Karrieremöglichkeiten sowie Akademisierungs- und Professionalisierungstendenzen im Reich.
    Von April 2020 bis September 2020
  • Das Künstlerbuch als multimediale Enzyklopädie. Kunststipendium
    Bildende Kunst
    Die Arbeit am „Künstlerbuch als multimediale Enzyklopädie“ ist ein künstlerisches Promotionsvorhaben, welches sich aus einem wissenschaftlichem sowie künstlerisch-praktischen Teil zusammensetzt. Aus der Perspektive einer künstlerisch forschenden Enzyklopädistin wird eine Auswahl von Enzyklopädien der Frühen Neuzeit und Künstlerbüchern ab der Moderne mit Blick auf ihre visuellen Ordnungssysteme verglichen und analysiert. An diese Untersuchung schließt sich die praktische Umsetzung des „Künstlerbuches als multimediale Enzyklopädie“ an. In diesem Zuge werden diverse Enzyklopädie-Beiträge von Marlene Bart selbst produziert, sowie von eingeladenen Wissenschaftler*innen und Künstler*innen und abschließend in einer buchbezogenen Installation präsentiert. Das Forschungsvorhaben bewegt sich an der Schnittstelle von Objektivität und Imagination sowie Wissenschaft und Kunst. Durch die ideelle Überführung eines frühneuzeitlichen Mediums in die zeitgenössische Kunst wird ein transdisziplinärer Blick auf das Feld der Enzyklopädistik ermöglicht.
    Von Juli 2020 bis September 2020
  • Entweder ich habe die Fahrt am Mississippi nur geträumt, oder ich träume jetzt Kunststipendium
    Literatur
    Alles, was nicht ein Leben lang Zeit hat, vergeudet sie, das heißt: Ein Autor, eine Autorin führt, solange er und sie schreiben, ihr Leben, und während und indem er und sie von ihr redeten, verliert die Erde an Gewicht. Ich habe nach und nach aufgehört, darüber zu befinden, was Sprache ist (Berührung); denn der Auszug aus der selbstverschuldeten Verständlichkeit, denke ich, ist mit dem verlinkt, was nicht gesagt ist: Der Sommer wird sehr groß sein, und zwar: Entweder ich habe die Fahrt am Mississippi nur geträumt, oder ich träume jetzt. Mir fiel auf, dass zunächst unscheinbare, bloße Vermutungen, eher dazu neigen, sich ausbreitend zu verzweigen, während zuerst vielversprechend anmutende, prägnante, oft fast Aussagebehauptungen postulierte schon in der eitlen Eigenlosigkeit ihrer bloßen Verpostelung verpuffen  (und sich dort nie wieder entfalten). Am interessantesten erschienen mir zunehmend diejenigen Dinge, die sich auf die sie voraussetzenden Bedingungen zurückführen ließen, deren Sinn gewissermaßen das gleichflächige Geflecht von Wegen zurücknimmt, den Fadenschein, auf dem er sich eingeschlichen haben wird, und die blind nie endenden, fliehenden Fäden des Anfangs davon. Ich schreibe meine Annahmen alle als ausmalende Beschreibungen, Notate, Ideen und Befunde in einzelnen Absätzen nieder (eine Verschränkung aus Hemingways Eisbergerei, dem opus sectile von Michel Butors Venedig, dem Dreh der Rede bei Roussel): Manchmal in längeren Serien über Wochen, oft über den gleichen Gegenstand wechselständig von einem Gebiet zum andern und übrigen überspringend (bis ihre Annahmen und Ausmaße zueinander stimmig sind): so dass die Sätze von einem Gegenstand zum nächsten ebenso stetig wie diskret und unmerklich erfolgen sollten, ohne Satz für Satz gegen ihre logische Anastomose in nur einer Richtung weiter zu zwingen, ohne ihr wesentliches und eigentliches Fließgefüge zu betrachten. Ein Meer von Begebenheiten, das Moiré aus Augenblicksgöttern, die vor dem ruhenden Auge vorüberziehen: Plötzliche, sofort wieder zerfallende, geborgte Bedeutungen, in Form von Worten und Formen ohne Worte: Wie ein Echo die Wirklichkeit Wort für Wort durch Wiederholung der Beschränkung auskostet wird, aber auf immer weniger Wirklichkeit trifft. Und ich kann es noch einfacher sagen: Nichts, was nicht ein Leben lang dauert, überdauert.
    Von Juli 2020 bis September 2020
  • Die narrativen Strukturen des Divertimento per li Regazzi Domenico Tiepolos vor dem Hintergrund der zeitgenössischen venezianischen Theaterpraxis. Postdoc
    Kunstgeschichte
    In den letzten Jahren seines Lebens, zwischen 1797 und 1804, schuf Giovanni Domenico Tiepolo ein Korpus von 104 Zeichnungen mit dem Titel Divertimento per li Regazzi gab. Die Blätter zeigen allesamt Pulcinella – oder genauer gesagt nahezu immer eine Gruppe von Pulcinelli – in den verschiedensten Situationen. Im Zentrum der Darstellungen steht damit eine Figur aus dem Kontext der Commedia dell’Arte, die in Venedig vor allem als Protagonist des Puppentheaters, aber auch als Karnevalskostüm oder Straßenunterhalter in Erscheinung trat. Das Divertimento enthält Kindheits- und Familienszenen, ländliche Partien und Feste sowie Begegnungen mit exotischen Tieren und Fabelwesen. Auch kann man Pulcinelli bei der Ausübung unterschiedlicher Berufe beobachten oder wird Zeuge, wie sie altern und sterben, mit Rutenschlägen bestraft oder hingerichtet werden. Das Divertimento trägt zwar viele charakteristische Züge einer biographischen Erzählung, im Gegensatz zu einem ‚gewöhnlichen‘ narrativen Bildzyklus ist es aber nicht möglich, alle Zeichnungen zu einer konzisen Erzählung zu verbinden. Es gibt keine klar erkennbare Anordnung der Blätter, keinen eindeutig intendierten Erzählverlauf. Stattdessen wird dem Betrachter ein weiter narrativer Spielraum eröffnet, um mithilfe der Zeichnungen selbst zum Erzähler unterschiedlicher Geschichten zu werden. Mein Projekt wird diese besondere performative Praxis, die die Zeichnungen erlauben, genauer betrachten und sie in den Kontext unterschiedlicher theatraler Gattungen stellen, die Tiepolo als mögliche Inspirationsquelle für dieses Komplexe künstlerische Unterfangen gedient haben können. Wo also übernimmt und adaptiert der Maler beispielsweise Strukturen und Techniken aus der Commedia dell’Arte oder Puppentheater und wie setzt er sie in seinen Zeichnungen um?
    Von Juli 2020 bis Juni 2021

Zukünftige Stipendiaten

  • Kunststipendium
    Von April 2021 bis Juni 2021
  • Kooperation zwischen Ungleichen: Die Republik Venedig und die deutschen Fürsten als militärische Verbündete im 17. und 18. Jahrhundert, Habilitationsprojekt
    2020
  • Altarbild von den Gebrüdern Dossi    
    Januar 2021
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020
  • Von September 2020 bis November 2020
  • Bildwitz? Phänomene des Komischen in der Venezianischen Kunst der Frühen Neuzeit. Habilitationsprojekt
    März 2021
  • Kunststipendium
    Von April 2021 bis Juni 2021
  • Von Februar 2021 bis Mai 2021
  • Rousseau als Gesandter (Venedig 1743-1744). Habilitationsprojekt
    Von Oktober 2020 bis November 2020
  • Funktionen und Gebrauchsformen der italienischen Karikatur in der Frühen Neuzeit Dissertationsvorhaben
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020
  • Studentische Mobilität aus der Erzdiözese Köln an die italienischen Universitäten (15.–17. Jahrhundert)
    Von Januar 2021 bis Februar 2021
  • Forschungsvorhaben in Venedig:  Barocke Gleichnisarie Monographie
    Von Februar 2021 bis Mai 2021
  • Der zypriotische Adel im 15. Jahrhundert: Kulturelle und religiöse Identitäten, gesellschaftliche Strukturen
    Von November 2020 bis April 2021
  • Das Meer der Neuchristen: Mobilität und Ambiguität konvertierter Juden und ihrer Nachkommen im Adriaraum des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit Postdoc-Forschungsprojekt
    Von Dezember 2020 bis Januar 2021
  • Von September 2020 bis August 2021
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020

 

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