Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

Mai 2020

  • Kooperation zwischen Ungleichen: Die Republik Venedig und die deutschen Fürsten als militärische Verbündete im 17. und 18. Jahrhundert, Habilitationsprojekt
    Neuere Geschichte - Prof. Dr. Mark Häberlein Universität Bamberg
    Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs strebten deutsche Fürsten wie der Landgraf von Hessen-Kassel oder die Herzöge von Braunschweig, Sachsen oder Württemberg danach, auf Augenhöhe mit den europäischen Dynastien zu agieren. Um dieses Ziel zu erreichen, stellten sie Armeen von enormer Größe auf. Stehende Heere wurden aufgebaut, die an die Könige von England, Schweden, Dänemark oder die Republiken der Niederlande und Venedig ausgeliehen bzw. vermietet wurden. Diese Kooperationen erhöhten den Status der deutschen Fürsten, manche wurden nicht zuletzt dadurch selbst zu Königen.  Die skizzierten zwischenstaatlichen Kooperationen schweißten die entstehende europäische Staatengemeinschaft mit ihren ständig wechselnden Konstellationen seit der Mitte des 17. Jahrhunderts zusammen, und zwar zeitgleich in politischer, militärischer und ökonomischer Hinsicht. Daraus erwuchs ein komplexes, von fragilen Abhängigkeiten geprägtes und behutsam austariertes Staatengeflecht. Möglicherweise verkörpern Subsidienprojekte unter den internationalen Kommunikations- und Kooperationsformen sogar diejenige, die das europäische Staatensystem, wie wir es heute kennen, besonders entscheidend vorgeprägt hat. Erforscht wurden sie indes bislang kaum. Dank einer Mischung aus Subsidienprojekten, den oft damit verknüpften Heiratsabreden sowie repräsentativen Herrscherauftritten und Festveranstaltungen wurden aus deutschen Fürsten über kurz oder lang Monarchen von europäischem Rang: Landgraf Friedrich von Hessen-Kassel regierte von 1720 bis 1751 als schwedischer König, die Herzöge von Hannover herrschten ab 1714 gleichzeitig auch in Großbritannien und Irland. Ihren Anfang nahmen diese militärischen Kooperationen indes in Venedig. Die Markusrepublik war spätestens seit 1645 darauf angewiesen, dass deutsche Regimenter ihr im Kampf gegen das expandierende Osmanische Reich zur Hilfe eilten. Während vorher bereits kleinere Adlige Truppenverbände zur Verteidigung des venezianischen Terraferma an die Republik vermieteten, waren es nun Fürsten, die ganze Regimenter über die Alpen schickten, um in den Kriegen um Kreta (Candia) und den Peleponnes für Venedig zu kämpfen. Belohnt wurden Sie mit aufwändigen Staatsempfängen und Regatten, Geld, Ruhm und Ehre. Das Forschungsprojekt untersucht die Kooperationen zwischen den einzelnen deutschen Territorien und der Serenissima, deren Anbahnung, Durchführung und Nachbereitung, um herauszuarbeiten, welche Rolle die Projekte sowohl für Venedig als auch für die deutschen Fürsten spielten und inwieweit die Allianzen als Vorbild für die Subsidienprojekte der kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte dienten.
    Von 2020 bis 2020
  • Giovanni Maria Falconetto (1468–1535) als Maler. Monografie und Werkverzeichnis
    Kunstgeschichte (LMU München, Prof. Dr. Ulrich Söding)
    Der oberitalienische Maler und Architekt Giovanni Maria Falconetto war gewiss kein eigenständiger Genius. Vielmehr hat man es mit einem technisch und thematisch vielseitigen Entdecker und Sammler zu tun, der begierig künstlerische Impulse von außen aufnimmt und in sein Werk integriert. Für die Veroneser Oberschicht entwarf er monumentale Scheinarchitekturen im sakralen Innenraum und antikisierende Fassadendekorationen zur öffentlichen Repräsentation. Während des habsburgischen Intermezzos in Verona malte er für deutsche Adelige im Gefolge Kaiser Maximilians I. heraldische Dekorationen, die der politischen Legitimation dienen sollten. Bevor er sich schließlich ganz seinen architektonischen Projekten widmete, stattete er einen Saal im Palazzo D’Arco in Mantua mit einem astrologischen Freskenzyklus aus, der als Rätselbild zur Unterhaltung der humanistisch gebildeten Gäste des Auftraggebers aus dem Umfeld der mantuanischen Markgrafenfamilie beitrug. Der Künstlerbiograph Giorgio Vasari rühmt Giovanni Maria Falconetto als Architekten, tadelt ihn aber als Maler. Auch aufgrund dieses geringschätzigen Urteils ist das malerische Werk des oberitalienischen Künstlers lange Zeit nur stiefmütterlich behandelt und bis heute noch nicht monografisch bearbeitet worden. Ziel des Dissertationsvorhabens ist die vollständige Erfassung in Wort und Bild, die kunsthistorische Erforschung und soziokulturelle Einordnung des malerischen Œuvres von Giovanni Maria Falconetto. Durch die Untersuchung der originalen Werke und Quellen soll ein kritisches Werkverzeichnis mit fotografischer Dokumentation aller gesicherten, fraglichen, aber auch abgeschriebenen Werke erstellt werden. Anhand von stilistischen und maltechnischen Vergleichen und unter Berücksichtigung der historischen Situation, des gesellschaftlichen Kontexts und des künstlerischen Umfelds soll darüber hinaus versucht werden, dem intellektuellen Profil dieses vielseitigen und aufgeschlossenen Künstlers auf die Spur zu kommen.
    Von März 2020 bis August 2020
  • Ars Mercatantia. Die Kunst des Handels in Amalfi, Venedig und Genua (11.-14. Jh.)
    Objekte – Bilder – Praktiken
    (Dissertationsvorhaben)

    Kunstgeschichte - Ludwig-Maximilians-Universität München - Dr. Philippe Cordez
    Ausgehend von drei Objektgruppen untersucht das Dissertationsprojekt die Ästhetik der Warengestaltung und ihre ökonomischen Voraussetzungen in Amalfi, Venedig und Genua zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert. In dieser Zeit war die mediterrane Wirtschaftsentwicklung vor allem durch die kommerzielle Expansion der italienischen Seerepubliken geprägt: Kaufleute aus den maritimen Stadtstaaten organisierten im Zusammenspiel mit ihren arabischen, byzantinischen, persischen und mongolischen Partnern den Warenverkehr zwischen dem Mittelmeer bis an die Märkte Zentralasiens. Dabei wurden Objekte konzipiert, deren Herstellung nicht nur von den gehandelten Rohstoffen abhing, sondern deren formale Gestaltung sich auch an den neuen Märkten orientierte: Elfenbeinhörner aus Süditalien, die venezianische Kunst der Kristallminiaturen und die unter genuesischer Mitwirkung fabrizierten Seiden zeugen nicht nur von den weitreichenden Kontakten der merkantilen Eliten in einem von kommerzieller und politischer Rivalität geprägten Zeitraum. Als erfolgreiche Waren dokumentieren diese Objekte auch die komplexen Formen kultureller Begegnung zwischen den mit ihnen handelnden Akteuren.
    Von Januar 2020 bis Juni 2020
  • Studentische Mobilität aus der Erzdiözese Köln an die italienischen Universitäten (15.–17. Jahrhundert)
    Geschichte (Johannes Gutenberg Universität Mainz, Prof. Dr. Michael Matheus)
    Thema des Promotionsvorhabens ist die studentische Mobilität von nördlich der Alpen an die italienischen Universitäten, die am Beispiel der Studenten aus der Erzdiözese Köln im Zeitraum von der Gründung der Universität Köln 1388 bis ins 17. Jahrhundert untersucht wird. Insbesondere Rechts- und Medizinstudenten zogen für ihr Fachstudium an die Universitäten Padua, Bologna, Siena, Ferrara, Pavia, Rom, Pisa und Perugia. Ziel der Arbeit ist zum einen die Erfassung der Studenten in einer Nodegoat-Datenbank und zum anderen die Auswertung der Personendaten mithilfe dieser. Im Zentrum der Analyse steht die Entwicklung und Veränderung des Studien- und Promotionsverhaltens der Studenten. Gefragt wird nach der sozialen Zusammensetzung der nach Italien ziehenden Studenten, nach ihren Motiven für ein Studium in Italien sowie den Faktoren für die Wahl des Studienfaches, des angestrebten Abschlussgrades und der besuchten Universität. Berücksichtigt werden auch die nachfolgenden Karrieren der Studenten, ihre Vernetzung als regionale Bildungselite und die Wechselwirkung zwischen Promotionsverhalten, Karrieremöglichkeiten sowie Akademisierungs- und Professionalisierungstendenzen im Reich.
    Von April 2020 bis September 2020
  • Die narrativen Strukturen des Divertimento per li Regazzi Domenico Tiepolos vor dem Hintergrund der zeitgenössischen venezianischen Theaterpraxis. Postdoc
    Kunstgeschichte
    In den letzten Jahren seines Lebens, zwischen 1797 und 1804, schuf Giovanni Domenico Tiepolo ein Korpus von 104 Zeichnungen mit dem Titel Divertimento per li Regazzi gab. Die Blätter zeigen allesamt Pulcinella – oder genauer gesagt nahezu immer eine Gruppe von Pulcinelli – in den verschiedensten Situationen. Im Zentrum der Darstellungen steht damit eine Figur aus dem Kontext der Commedia dell’Arte, die in Venedig vor allem als Protagonist des Puppentheaters, aber auch als Karnevalskostüm oder Straßenunterhalter in Erscheinung trat. Das Divertimento enthält Kindheits- und Familienszenen, ländliche Partien und Feste sowie Begegnungen mit exotischen Tieren und Fabelwesen. Auch kann man Pulcinelli bei der Ausübung unterschiedlicher Berufe beobachten oder wird Zeuge, wie sie altern und sterben, mit Rutenschlägen bestraft oder hingerichtet werden. Das Divertimento trägt zwar viele charakteristische Züge einer biographischen Erzählung, im Gegensatz zu einem ‚gewöhnlichen‘ narrativen Bildzyklus ist es aber nicht möglich, alle Zeichnungen zu einer konzisen Erzählung zu verbinden. Es gibt keine klar erkennbare Anordnung der Blätter, keinen eindeutig intendierten Erzählverlauf. Stattdessen wird dem Betrachter ein weiter narrativer Spielraum eröffnet, um mithilfe der Zeichnungen selbst zum Erzähler unterschiedlicher Geschichten zu werden. Mein Projekt wird diese besondere performative Praxis, die die Zeichnungen erlauben, genauer betrachten und sie in den Kontext unterschiedlicher theatraler Gattungen stellen, die Tiepolo als mögliche Inspirationsquelle für dieses Komplexe künstlerische Unterfangen gedient haben können. Wo also übernimmt und adaptiert der Maler beispielsweise Strukturen und Techniken aus der Commedia dell’Arte oder Puppentheater und wie setzt er sie in seinen Zeichnungen um?
    Von März 2020 bis August 2020

Zukünftige Stipendiaten

  • Kunststipendium
    Von April 2021 bis Juni 2021
  • Altarbild von den Gebrüdern Dossi    
    Juli 2020
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020
  • Von Juli 2020 bis Dezember 2020
  • Von September 2020 bis November 2020
  • Bildwitz? Phänomene des Komischen in der Venezianischen Kunst der Frühen Neuzeit. Habilitationsprojekt
    Von August 2020 bis September 2020
  • Kunststipendium
    Von April 2021 bis Juni 2021
  • Rousseau als Gesandter (Venedig 1743-1744). Habilitationsprojekt
    Von Oktober 2020 bis November 2020
  • Forschungsvorhaben in Venedig:  Barocke Gleichnisarie Monographie
    Von Februar 2021 bis Mai 2021
  • Das Künstlerbuch als multimediale Enzyklopädie. Kunststipendium
    Von Juli 2020 bis September 2020
  • Der zypriotische Adel im 15. Jahrhundert: Kulturelle und religiöse Identitäten, gesellschaftliche Strukturen
    Von November 2020 bis April 2021
  • Das Meer der Neuchristen: Mobilität und Ambiguität konvertierter Juden und ihrer Nachkommen im Adriaraum des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit Postdoc-Forschungsprojekt
    Von Dezember 2020 bis Januar 2021
  • Kunststipendium
    Von Juli 2020 bis September 2020
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020

 

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