Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

August 2017

  • Elisabeth Maria Probst, Musikwissenschaft (Karl-Franzens-Universität Graz, Prof. Dr. phil. Michael Walter)
    Teatro Sociale di Udine (1764-1905) betreffend das Produktionssystem eines Opernhauses einer italienischen Provinzstadt, mit u.a. Verbindungen zum Opernhaus La Fenice in Venedig, im sozialgeschichtlichen Kontext der Opernforschung.
    Das vorliegende Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit einem Teil des Archivbestandes des Teatro Sociale di Udine, das als Theater- und Opernhaus etwa 150 Jahre das kulturelle Leben der Stadt Udine prägte. Bisher gibt es nur wenige Publikationen über das Haus. Anhand der Agenden des Impresarios Cesare Trevisan, welcher zwischen 1867 und 1876 das udineser Opernhaus für die Durchführung von sieben Sommerspielzeiten pachtete, soll gezeigt werden, wie die Produktionsmechanismen für die Gattung „Oper“ an einem durchschnittlichen italienischen Theater in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts funktionierten. Vergleichend dazu soll Quellenmaterial des Gran Teatro La Fenice in Venedig herangezogen werden, wo Trevisan im selben Zeitraum ebenfalls für eine Opernspielzeit verantwortlich war, und welches noch heute zu den berühmtesten Opernhäusern ersten Ranges zählt. Besonderer Wert wird dabei einem interdisziplinären Ansatz beigemessen, um die gesellschaftspolitischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen der Zeit berücksichtigen zu können. Hervorzuheben sind außerdem Kooperationen zwischen Udine und Venedig, beide Städte der ehemaligen Venezianischen Republik.
    von Juli 2017 bis August 2017
  • Armin Bergmeier, Byzantinische Kunstgeschichte (Uni Leipzig)
    Narrative, Natural disasters, and the End of Time: The Rise of Eschatological Imagery in the Middle Ages (c. 800-1300)
    Das große Interesse der Menschen des hohen und späten Mittelalters an der Endzeit und ihren Visualisierungsformen erscheint rückblickend nur folgerichtig, ja nahezu unumgänglich. Der teleologisch-eschatologische Charakter des Christentums – Christus würde erst am Ende der Tage wiederkehren – scheint die Endzeit als dominanten Fixpunkt zu erfordern. Vergleicht man jedoch die Entwicklungen im mittelalterlichen Westen mit denen im Byzantinischen Reich, so ist auffällig, dass in der byzantinischen Bildsprache die Endzeit eine nur marginale Rolle spielte. Zwar war der östliche Entwurf der Weltgerichtsikonographie auch im Westen sehr erfolgreich – das wohl eindrücklichste Beispiel befindet sich auf der Westwand der Kathedrale von Torcello (Venedig) – doch ist die Ausstattung der Kirchen mit eschatologischen Inhalten abgesehen von einigen wenigen erhaltenen Weltgerichtsbildern u.a. in Konstantinopel (Chora Kloster), Thessaloniki (Panagia ton Chalkeon) und Kastoria (Mavriotissa) recht selten. Auch die Offenbarung des Johannes war im Osten weniger verbreitet und wurde selbst im spätbyzantinischen Reich nicht genutzt, um eschatologische Inhalte zu verbildlichen.
    Ziel des Projektes ist es, die unterschiedlichen Auffassungen und Visualisierungsformen der Endzeit im mittelalterlichen Westen und in Byzanz zu untersuchen. Diese Auffassungen sollen in gegenseitiger Abhängigkeit mit den eschatologischen Vorstellungen im mittelalterlichen Judentum und in den islamischen Gebieten des Mittelmeerraumes betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Ursachen für den beispiellosen Anstieg eschatologischer Erwartungen um das 12. Jahrhundert in allen Kulturen des Mittelmeerraums und Westeuropas. Im Einzelnen werden Reaktionen auf Naturkatastrophen untersucht und deren Rolle als Auslöser für eschatologische Ängste. Ferner soll der Prozess der Eschatologisierung bestehender Bildmotive und die Orientierung von narrativen Bildprogrammen auf das endzeitlich-apokalyptische Geschehen hin untersucht werden.
    von August 2017 bis August 2017
  • Kay Fingerle, Architektur, Fotografie
    „there is no pleasure in being in Venice“ (John Ruskin um 1849)
    "…der wundervollste Ort, an dem ich je gewesen bin…“ (Effie Ruskin zur selben Zeit)

    Die geläufige Betrachtung Venedigs als Inszenierungsraum und Projektionsfläche findet sich zum Beispiel wieder in Ruskins Betrachtungen der Fassaden der Palazzi insbesondere am Canal Grande und der öffentlichen Plätze, deren Auslegung als theatralische Räume des Auftritts und Abgangs oder öffentliche Wohnzimmer den Blick auf Venedig als Bühne zeigen. Dieser Blick auf Venedig als Kulisse spiegelt und verzerrt sich in Venedig-Themenparks, wie „Venedig in Wien“, in Venice, Los Angeles, oder aktuell im „Venetian“ in Las Vegas und Macao. Wie in einem fotografischen Gegenschuss zu diesem „Front of House“ Venedigs möchte ich meinen Blick auf den Bereich der Stadt richten, der einem „Back of House“ hierzu nahe kommt: Nicht nur die in Venedig besondere Infrastruktur der getrennten Wegesysteme, der Trink- und Abwassersysteme; auch die teils verborgenen Aussenräume in den Gebäuden, die nicht nur als
    Gärten fungieren; das Fundament der „Stadt unter der Wasseroberfläche“; die in den Aussenraum ausgelagerten Innenraumfunktionen: Was ist ein "Back of House“ in der Stadt ? Die Übernahme der Terminologie des Front of House / Back of House aus dem Theater in den Hotelbau findet seine Entsprechung in der Nutzung der Stadt durch oftmals touristisches Publikum. Das Back of House aber ist der Ort, an dem die Vorstellung vorbereitet wird.
    Durch meine Arbeit als Architektin liegen insbesondere Stadträume und räumliche Besonderheiten, Qualitäten und Phänomene im Fokus meines Interesses. In Venedig möchte ich architektonisches Denken mit einem fotografischen Ausdruck verknüpfen. Für die fotografische Darstellung interessiert mich vor allem die Raumbildung: die Artikulation von speziellen und bestimmten Räumen und ihre Schwellenausbildungen.
    von Juli 2017 bis September 2017
  • Christian Retschlag, Bildende Kunst
    Zwischen der Erinnerung
    In den vergangenen Jahren habe ich mich stark mit der inszenierten Fotografie auseinandergesetzt. Ich war auf der Suche nach den Momenten, die nie da waren. Habe Geschichten erfunden und erzählt. Bilder, die zwischen der Wirklichkeit und dem Wahrscheinlichen standen. Gespielte Erinnerung. Entstanden ist mein eigenes kleines Archiv aus fotografischen Lügen und Konstrukten. Dabei habe ich mich bei dem Wahrheitsgehalt der Fotografie bedient und Behauptungen aufgestellt: So ist es gewesen. Oder besser: So könnte es gewesen sein.
    Venedig ist so ein Ort, an dem Erinnerung gespielt wird. Die Lagune schwankt zwischen Kitsch und Tradition, zwischen touristischer Monokultur und polyphoner Hochkultur, zwischen inszenierter und echter Geschichte.
    In Venedig möchte ich neue Behauptungen aufstellen und die Geschichte der Stadt fotografisch ein Stück erweitern.
    von Juli 2017 bis September 2017
  • Stefan Hanß, Geschichte der Frühen Neuzeit (University of Cambridge, Prof. Ulinka Rublack)
    Zwischen Istanbul und Venedig: Eine Dragomanenfamilie und ihre Reisen im Mittelmeerraum (ca. 1610-1630)
    Das Forschungsstipendium dient der Edition eines bislang unbekannten Selbstzeugnisses: Anfang des 17. Jahrhunderts reiste Gianesino Salvago, osmanischer Sultansuntertan und Dragomane in venezianischen Diensten, vom Machtzentrum des Osmanischen Reiches aus bis an die venezianische Adriaküste. Der von ihm verfasste Bericht der Balkanreise liefert außergewöhnliche Einsichten in frühneuzeitliche Kulturkontakte zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich. Aufgrund ausführlicher geografischer, sozialer, ökonomischer, politischer und militärischer Angaben ermöglicht die Quelle seltene Aussagen über lokale Realitäten in den umstrittenen Grenzregionen zweier Imperien. Vor allem der osmanisch-venezianische Balkanhandel und die diplomatischen Wirren, Spionageaktivitäten und politische Konflikte Venedigs mit den Osmanen, Ragusa, Spanien und Neapel werden behandelt. Die Studie rekonstruiert den alltäglichen, merkantilen und diplomatischen Austausch in venezianisch-osmanischen Grenzgebieten auf der Balkanhalbinsel. Zudem steht das self-fashioning eines in transkulturellen Kontexten agierenden Sprachexperten im Mittelpunkt, weshalb auch die weiteren Tätigkeiten und Reisen der Familie Salvago erforscht werden. Gianesinos Balkanreise wird zum Beispiel im Hinblick auf eine weitere Reise kontextualisiert, die der Bruder des Verfassers, ebenfalls ein Dragomane in venezianischen Diensten in Istanbul, wenige Jahre später durch Nordafrika unternahm. Die Studie stellt damit nicht nur einen Beitrag zur venezianisch-osmanischen Diplomatiegeschichte dar, sondern rekonstruiert gesamtmediterrane Geschichte anhand eines spezifischen Selbstzeugnisses.
    von August 2017 bis September 2017
  • Leonard Horsch, Mediävistik (LMU München, Prof. Dr. Claudia Märtl)
    Ludovico Foscarini (1409–1480). Ein venezianischer Patrizier, Amtsträger und Humanist.
    Das Projekt befasst sich mit dem venezianischen Patrizier, Amtsträger und Humanisten Ludovico Foscarini (auch: Alvise Foscarini, 1409–1480). Er legte eine umfangreiche Briefsammlung an, die weitgehend unediert und insgesamt noch wenig erforscht ist. In über 300 Schreiben richtete Foscarini die Prämissen seines Handelns unentwegt neu an den sich meist widersprechenden Interessen der Serenissima, der Klienten sowie privaten, spätscholastischen und humanistischen Motiven aus. In einem aufwendigen Kodex hinterließ er die Briefe seinen Nachkommen als Muster kulturellen und sozialen Handelns, das für ihn offenbar keiner Konsistenz, sondern situativer Angepasstheit bedurfte. Die Analyse verbindet die vom Bearbeiter bereits für die Edition normalisierten Briefe mit der archivalischen Überlieferung von Foscarinis diplomatischer und administrativer Tätigkeit. Angeregt durch Ansätze der psychologischen Soziologie („acteur pluriel“), der Kulturgeschichte des Politischen und der sozialanthropologischen Erforschung humanistischer Briefe sollen Beiträge zu den Forschungsfeldern des venezianischen Humanismus, der venezianischen Herrschaft auf der terraferma und der politischen Kultur Venedigs geleistet werden.
    von Juli 2017 bis Dezember 2017
  • Matthias Schulz, Kunstgeschichte (HBK Braunschweig, Prof. Dr. Victoria von Flemming)
    Morphologische Identitäten zwischen Organik und Anorganik im Oeuvre Andrea Mantegnas (Arbeitstitel)
    In Mantegnas Oeuvre kommt es zu einer Ineinanderspiegelung und wechselseitigen Substitution von organischen und anorganischen Bedeutungsträgern. Diese morphologischen Identitätsbildungen existieren allerdings nicht als separate oder autonome Reinformen. Sie verhalten sich eher wie ein Gewebe aus Transitionen: kristalline oder korallenhafte Steine, die wachsen und fließen, Körper und Gewänder, die wie Marmor anmuten, Nimben und Rüstungen, die aus denselben Metallen gegossen und geschmiedet zu sein scheinen, Vegetationen, die sich zur Architektur fügen oder in die Versteinerung streben sowie Wolken und Felsen, die Gesichter tragen und artifizielle Formen bilden. Daraus resultieren Grundfragen, die an die kulturhistorischen Bedingungen der Materialinszenierung und die Strategien ihrer Semantisierung zu stellen sind: Welches Verständnis von Materie hat Mantegnas Kunstschaffen geprägt und welchen Einfluss übte es auf sein Selbstverständnis als Künstler aus? Unter welchen Aspekten und mit welchen Konnotationen wird Materie in Mantegnas Oeuvre als wandlungsfähig konzipiert? Es ist wahrscheinlich und darin besteht auch eine der leitenden Thesen meines Dissertationsprojektes, dass hier ein eigenes Wahrnehmungsdispositiv wirkt, das in wesentlichen Zügen synkretistisch ist, weil es ebenso durch aristotelisch-hylemorphistische sowie lukrezianische und hermetistische Naturkonzeptionen und (Eros-)Kosmologien geprägt ist. Morphologie in dem für das Dissertationsprojekt zugrunde gelegten Verständnis thematisiert daher Austausch-, Wandlungs- und Überformungsprozesse organischer und anorganischer Materien im Bild, die nur punktuell Unterscheidungen zwischen Stillstand und Bewegung, Aktivität und Passivität, Intention und Kontingenz gestatten. Materie ist nicht der träge Stoff, der nur darauf wartet gestaltet zu werden. Vielmehr gilt sie Mantegna als Verhandlungssache zwischen mimesis und phantasia, die ihrerseits auf den Dialog von Antikenrezeption und Naturwahrnehmung Einfluss nehmen. Während meines Aufenthaltes am Deutschen Studienzentrum werde ich mich auf Recherchen zur oberitalienischen Aristoteles-Rezeption des 14. und 15. Jahrhunderts anhand der originalen Druckwerke konzentrieren. Darüber hinaus werde ich mich vor allem dem naturkundlichen, alchemistischen und hermetistischen Schriftgut widmen, das ca. zwischen 1460 und 1500 in den oberitalienischen humanistischen Gelehrtennetzwerken zirkulierte und seinerseits Rückschlüsse gestattet auf die Relevanz und Verbreitung naturphilosophischer Ideen zur Entstehung von Elementen und Organismen aus unbelebter Materie. Ziel ist es vor allem, naturphilosophische und kunsttheoretische Topoi in Bild und Text zu ermitteln, die Mantegnas Materialsemantiken und -ästhetiken beeinflusst haben könnten.
    von August 2017 bis Januar 2018

Zukünftige Stipendiaten

  • Nadine Ulrike Holzmeier, Mittelalterliche Geschichte (FU Hagen, Prof. Dr. Felicitas Schmieder)
    Die "Chronologia Magna" des Paolino Veneto - Form und Entwicklung spätmittelalterlicher Welchchronistik im Zeichen erweiterten Weltwissens
    von September 2017 bis Oktober 2017
  • Markus Laufs, Mittealterliche und Neuere Geschichte (Universität Bonn, Herr PD Dr. Dr. Guido Braun)
    von September 2017 bis November 2017
  • M+M; Marc Weis; Martin De Mattia , Bildende Kunst
    von Oktober 2017 bis Dezember 2017
  • Lula (Maria de la Luz) Romero Garrido, Musik/Komposition
    von Oktober 2017 bis Dezember 2017
  • Katharina Offensperger, Literaturwissenschaft Romanistik (Universität Konstanz, Prof. Dr. Michael Schwarze)
    Autorität und literarische Autorisierung am Beispiel der Autorinnen des Cinquecento
    von Oktober 2017 bis Dezember 2017
  • Alberto Bardi, Byzantinistik (LMU München, Prof. Dr. Albrecht Berger)
    von Dezember 2017 bis Dezember 2017
  • Michael Malchereck, Geschichtswissenschaft (FSU Jena, Prof. Dr. Thomas Kroll)
    Gabriele Mucchi (1899-2002) - Eine transnationale Intellektuellengeschichte zwischen Kommunismus und Kunst (Arbeitstitel)
    von Januar 2018 bis März 2018
  • Marco Alessandro Izzi, Neueste Geschichte (Philipps-Universität Marburg - Prof. Dr. Benedikt Stuchtey)
    von Januar 2018 bis Juni 2018
  • Tatiana Korneeva, Literaturwissenschaft (Freie Universität Berlin, Prof. Joachim Küpper)
    von Januar 2018 bis Juni 2018
  • Torsten Korte, Kunstgeschichte (Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Philipp Zitzlsperger)
    von März 2018 bis April 2018
  • Eileen Bergmann, Geschichtswissenschaft, Mittelalterliche Geschichte - Universität Trier, Prof. Dr. Petra Schulte
    Der venezianische Consiglio dei dieci in der Zeit der Handelssperren Sigismunds (1412-1433)
    von April 2018 bis September 2018
  • Ursula Winter, Romanische Literaturwissenschaft (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt - Prof. Dr. Barbara Kuhn)
    von Juli 2018 bis August 2018

Abonnieren Sie den Newsletter

*Felder mit einem* gekennzeichnet müssen ausgefüllt werden


Iscriviti alla newsletter

* campi richiesti