Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

Januar 2022

  • „Sposalizio del Mare“
    Kunststipendium

    Bildende Kunst
    Robert Pogue Harrison zu Folge wohnen wir nicht in der Natur, sondern in unserer Beziehung zur ihr. Venedig ist in seiner ehemals intakt mit den Gezeiten des Meeres lebenden Symbiose ein Paradigma der Einigung zwischen Urbanismus und Natur. Wie die Landschaftsstadt der Zukunft denkt Venedig hochurban, liefert sich aber räumlich der Natur aus.
    Aus dieser Beziehung lassen sich mit Blick auf Venedigs Geschichte und Gegenwart Fragen zur heutigen Stadt – und Kunstauffassung ableiten, die jenseits von Musealisierung und Massentourismus die „subtile Nutzung des Nutzlosen“ (Kakuzo Okakura) als Wohnprinzip erkennt.
    Dieser Diskurs soll anhand neuer Arbeiten, die während des Aufenthalts am deutschen Studienzentrum entstehen, mit den Vertretern der anderen Kunstsparten und der Wissenschaften geführt werden und in eine Ausstellung münden. Das Nachdenken darüber erweist sich als Wiederbelebung des venezianischen Topos der „Sposalizio del Mare“.
    Von Januar 2022 bis März 2022
  • Die Geburt des literarischen Handlungsballetts in Italien (1760-1820) Postdoc
    Literaturwissenschaft
    Im Projekt „Die Geburt des literarischen Handlungsballetts in Italien (1760-1820)“ erforsche ich, wie Ballettmeister im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert literarische Handlungen in Bewegungen umsetzten. Dabei geht es unter anderem um die Untersuchung der Rolle des italienischen Balletts, das einen originellen Beitrag zur europäischen Tanzgeschichte leistete, in der Rezeption literarischer Texte.
    Das Projekt umfasst den Zeitraum von der Geburt des ballet d’action (dramatisches Handlungsballett) als eigenständiges Genre bis zum Vorabend des romantischen Balletts. Meine bisherigen Forschungen ergaben, dass in diesem Zeitraum mehr komplexe literarische Ballette in Italien geschaffen wurden als in allen anderen Ländern, was unter anderem mit Italiens außergewöhnlicher Pantomimetradition zusammenhängt. Zu diesen Balletten gibt es in verschiedenen Archiven und Bibliotheken in Venedig, vor allem in der Fondazione Cini, einen großen Reichtum an beinahe unerforschten Dokumenten. Deren systematische Untersuchung erlaubt die Beantwortung folgender Forschungsfragen: Welche literarischen Werke wurden in Italien in Ballette umgesetzt, und warum wählten Ballettmeister gerade diese Quellen? Wie wurden diese Texte verändert, wenn sie in ein wortloses Genre umgesetzt wurden? Welche anderen Faktoren (beispielweise Theaterkonventionen, finanzielle Ressourcen, verfügbare Tänzer, Zensur) haben den Umwandlungsprozess beeinflusst? In welchem Verhältnis stehen diese Adaptationen zu anderen Umsetzungen derselben Quelle, beispielsweise in der Oper und im Theater, und zu parallelen Entwicklungen in der europäischen Tanzgeschichte? Dabei interessiere ich mich besonders für regionale Unterschiede, die unter anderem mit der politischen Situation zusammenhängen in einer Zeit, in der Italien noch keine Einheit bildete und Teile des Gebiets von ausländischen Mächten dominiert waren.
    Von Dezember 2021 bis Mai 2022
  • Zur Privatbibliothek Luigi Nonos - Zwischen Annotation und Komposition
    Justus-Liebig-Universität, Gießen, Matteo Nanni, Schönberg-Gesamtausgabe, Berlin, Hella Melkert

    Musikwissenschaft, Germanistik, Philosophie
    Die Musik des venezianischen Komponisten Luigi Nonos (1924-1990) tritt auch heute mit ungebrochener Aktualität in Erscheinung und ist weiterhin auf den internationalen Bühnen präsent. Das Archivio Luigi Nono, ansässig auf der Giudecca in Venedig, beherbergt nicht nur die autographen Quellen seiner Kompositionen und den Großteil seiner Korrespondenzen, sondern auch seine gesamte private Bibliothek. Diese umfasst in etwa 10.000 Bücher, von welchen um die 1100 Titel mit eigenhändigen Annotationen Nonos versehen sind. Wurden diese zwar bereits in einem ersten Schritt oberflächlich erschlossen, blieb eine vollständige Systematisierung und Transkription aller annotierten Seiten noch aus. Dies gilt es nun mit diesem Forschungsprojekt nachzuholen, um damit Wege für neue Interpretationsmöglichkeiten hinsichtlich Luigi Nonos Leseverhalten und möglichen, daraus resultierenden Einwirkungen auf seine kompositorische Arbeit zu legen.
    Von September 2021 bis Februar 2022
  • Zwischen Tirol und Venedig. Die Holzskulpturen der Arenakapelle in Padua aus der Mitte des Quattrocento
    Postdoc

    Kunstgeschichte
    Der aus Venedig stammende Girolamo Michiel war ab 1448 Erzpriester der Kathedrale von Padua und praepositus der Arenakapelle. In einem von Michiel selbst verfassten Kapelleninventar von 1449 wird neben verschiedenen Büchern und liturgischen Objekten eine beata Virgo Maria cum duobus angelis depictis et excisis ex ligno cum beato Michael erwähnt, die aus seiner eigenen „Initiative“ heraus gestiftet wurde. Dabei handelt es sich um die thronende Madonna, den Erzengel Michael und die zwei leuchtertragenden Engel, welche heute in den Musei Civici von Padua aufbewahrt und aus stilistischen Gründen einem Tiroler Wanderkünstler zugewiesen werden. Trotz der herausragenden Bedeutung, die diesen bildhauerischen Arbeiten aufgrund ihrer prestigeträchtigen Anbringung in der Arenakapelle sowie in Bezug auf das Thema des spätmittelalterlichen Kunst- und Kulturtransfers zwischen dem deutschsprachigen Raum und Italien zukommt, wurden sie in der Forschung bisher nur marginal behandelt. Noch offen sind die grundlegenden Fragen der stilistischen Einordnung und Funktion im ursprünglichen Baukontext. Für welchen Zweck wurden die Skulpturen jeweils konzipiert und wo befanden sie sich anfänglich in der Arenakapelle? Kann man sie tatsächlich einem Tiroler Wanderkünstler zuordnen? Und wenn ja, welche Vorbilder hat dieser Wanderkünstler im venezianischen Raum rezipiert? Kann der bisher anonyme Künstler denn vielleicht sogar namhaft gemacht werden? Dieses Desiderat nehme ich mir als langfristiges Postdoc-Projekt an. Am Deutschen Studienzentrum sollen vor allem Grundlagenrecherchen in den Bibliotheken und Archiven Venedigs und der Terraferma betrieben werden, um mehr über den Entstehungskontext der Skulpturen zu erfahren.
    Von Dezember 2021 bis März 2022
  • Kunststipendium
    Architektur
    Von Januar 2022 bis März 2022
  • Das Meer der Neuchristen: Mobilität und Ambiguität konvertierter Juden und ihrer Nachkommen im Adriaraum des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit
    Postdoc-Forschungsprojekt

    Geschichte
    Ziel der Forschung ist es, die Präsenz und die Aktivitäten der apulischen Neophyten (cristiani novelli, neofiti) in Venedig und Ragusa zwischen dem 15. und 16 zu verfolgen. Diese waren Nachkommen der getauften Juden am Ende des 13. Jahrhunderts im Rahmen einer Massenkonversion nach der Eroberung des Königreichs Sizilien durch die angiovinische Dynastie. Die Konvertiten waren Eingeborene (also nicht iberisch/sephardischer Herkunft), deren "ambige" religiöse Identität der damaligen Gesellschaft, zumindest bis ins 17. Jahrhundert, bewusst war. Nachdem sie etwa ein Jahrhundert lang nicht wahrgenommen wurden, tauchten einige dieser Familien ab Anfang des 15. Jahrhunderts an den Universitates von Trani und Manfredonia auf. Das Projekt zielt darauf ab, eine prosopographische Datenbank der in Venedig und Ragusa dokumentierten neuen Christen zu erstellen, um eine quantitative Analyse des Präsenzumfangs zu erhalten und festzustellen, ob sie während des betrachteten Zeitraums kontinuierlich war. Es wird außerdem analysiert, wie (und ob) ihre zweideutige religiöse Identität in diesen adriatischen Städten wahrgenommen wurde und wie sie ihre Akzeptanz durch Behörden und andere gesellschaftliche Gruppen beeinflusst hat. Schließlich wird ihrer Rolle als auf den Getreideexport aus Apulien spezialisierte Händler besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Aus den bisher durchgeführten Voruntersuchungen geht hervor, dass einige Familiengruppen von der hohen Nachfrage profitieren konnten und eine teilmonopolistische Position des Lebensmittelangebots der verschiedenen adriatischen Zentren erreicht haben.
  • Textkritische und paläographische Auswertung der für die Überlieferung der Bibliotheke des Photios und der Metaphysik des Aristoteles texttragenden, in der Biblioteca Marciana aufbewahrten Handschriften
    Postdoc

    Griechische Philologie/Paläographie
    Im Rahmen seines Habilitationsvorhabens befasst sich Isépy mit der Klärung der  handschriftlichen Überlieferung zweier griechischer Werke, der Metaphysik des Aristoteles und der Chrestomathien („Wissenswerte Dinge“) des spätantiken Grammatikers Helladios (4. Jh. n. Chr.). Letztere sind nicht in direkter Überlieferung, sondern nur durch das in Kapitel 279 der Bibliotheke des Patriarchen Photios (+891) überlieferte Exzerpt auf uns gekommen. Beide Texte, die Metaphysik und die Bibliotheke, haben unmittelbar mit Venedig zu tun, da für ihre Überlieferung und Konstitution bzw. Edition unverzichtbare Handschriften in der ehrwürdigen Biblioteca Marciana aufbewahrt werden. Die insgesamt vier Codices (Marc. gr. Z. 450 und 451 bzw. 211 und 214) haben im Laufe ihrer Geschichte starke Überarbeitungen oder (Wasser-)Schäden erfahren bzw. erlitten: An vielen Stellen ist es selbst mithilfe von Digitalisaten nicht möglich, verwaschene oder ausgeblichene Textstellen zu enträtseln, die Tinte verschiedener Schreiber voneinander zu unterscheiden und kodikologische Strukturen nachzuvollziehen. Insbesondere die lückenlose Kollation der Codices, die nur in situ mit Erfolg durchgeführt werden kann, ist jedoch für eine adäquate Einschätzung und Einbeziehung der Handschriften für die zukünftige Edition der Texte unerlässlich.
    Von Oktober 2021 bis März 2022
  • Die päpstliche Antikenaufsicht im 17. Jahrhundert
    Dissertationsprojekt

    Kunstgeschichte (Georg-August-Universität Göttingen, Prof. Dr. Manfred Luchterhandt u. Prof. Dr. Michael Thimann)
    Die Päpste gelten in der Neuzeit und im Barock mitunter als größte Sammler von antiken Skulpturen. Gleichzeitig hat sich die bisherige Forschung zur Antikenpolitik weder mit der Fragestellung befasst, inwiefern die Päpste selbst Einfluss auf die Beschaffung und den Verbleib antiker Bildwerke ausübten, noch ihre Aufsicht über Plastik des Altertums ausreichend erforscht. Dies gilt insbesondere für die kunst- und kulturpolitischen Motive des Vatikans. Das Zerstören zugunsten des zweckentfremdeten Weiterverwendens antiker Relikte durch die Kurie und den Papst hat insbesondere die Frage aufgeworfen, inwiefern von einer päpstlichen Antikenaufsicht überhaupt die Rede sein kann und welche Akteure hauptverantwortlich für den Verbleib der antiken Werke waren.
    Gegenstand meiner Dissertation ist das von den Päpsten und entsprechenden Interessensgruppen ausgehende Handeln in Bezug auf antike Kunst. Als interdisziplinär ausgerichtetes Sujet ist es dadurch primär ein kunst- und kulturpolitisches, aber auch kirchenpolitisches Thema, das in Archäologie und behördengeschichtlichen Aspekten wurzelt. Das Dissertationsvorhaben soll eine wesentliche Forschungslücke zur kurialen Antiken- und Kunstadministration im 17. Jahrhundert schließen und dabei neue Erkenntnisse über behördliche Strukturen und rechtliche Vorgehensweisen und Maßnahmen darstellen und dabei Bezüge zu entscheidenden Handelsmetropolen außerhalb des Kirchenstaates herstellen, die mit dem Vatikan in enger Verbindung standen.
    Die bisherigen Untersuchungen und Erkenntnisse basieren bisher auf einem primär im Vatikan, in Rom und in Florenz durchgeführten Quellenstudium mit dem Zweck einerseits die antikenpolitische Verankerung innerhalb der kurialbehördlichen Strukturen zu beschreiben und andererseits die kurialen und rechtlichen Verordnungen auf ihren Wirkungsraum hin zu analysieren. Vor diesem Hintergrund wirft die Arbeit Licht auf das intellektuelle Milieu der Antiquare, Sammler, Archäologen und Antikenkommissare, während der Weg der antiken Statue in päpstliche Sammlungen, Sammlungen der Parvenüs oder aber auch in die Sammlungen gen Norden skizziert wird. Dabei gilt der Fokus insbesondere der Kunstmetropole Venedig, fanden doch viele antike Werke über die Handelsstadt in der Lagune ihren Weg in bedeutende Sammlungen des gesamten Kontinents.
    Untermauert werden meine Studien durch Beispiele zur zeitgenössischen Perzeption von kurialen und nicht kurialen Akteuren, von Diplomaten und Sammlern, die im Rahmen von Fallbeispielen in einen übergeordneten Kontext gebracht werden. Beispielhaft soll der erfolgreiche beziehungsweise nicht erfolgreiche Erwerb antiker Werke in päpstliche Sammlungen und Sammlungen jenseits von Rom aufgezeigt werden. Anhand von Quellen sollen vor allem die für den Handel wichtigen Strategien, die Erfolge und Misserfolge von Exporten und nicht zuletzt das Thema der Antikenhehlerei geprüft werden. Das Dissertationsprojekt versucht durch die Untersuchung der vom Vatikan ausgehenden kunstpolitischen Handhabung mit antiker Plastik zur Zeit der Gegenreformation und in Gegenüberstellung mit Perspektiven aus Florenz und Venedig eine einzigartige Forschungslücke zu schließen.
    Von Januar 2022 bis Februar 2022

Zukünftige Stipendiaten

  • Kunststipendium
    Von Juli 2022 bis September 2022
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2022 bis Dezember 2022
  • Von Oktober 2022 bis Dezember 2022
  • Auf der Suche nach Monteverdis verlorener Oper
    März 2022
  • Von April 2022 bis Juli 2022
  • Der venezianische Löwe auf Sardinien und istrianische Flüchtlinge in Venedig
    (Dissertationsvorhaben)
    Von August 2022 bis September 2022
  • Kunststipendium
    Von April 2022 bis Juni 2022
  • Patente Leute. Glasindustrie in Murano zwischen Tradition und Innovation, fama und Geheimnis
    Von April 2022 bis September 2022
  • Die barocke Gleichnisarie
    Monographie
    Von Juli 2022 bis September 2022
  • Kunststipendium
    Von Juli 2022 bis September 2022
  • Archivrecherche bzw. Vor-Ort-Recherche zu Severo da Ravenna
    Von Juni 2022 bis November 2022
  • Vincenzo Catena, seine Werkstatt und sein Umkreis. Konvention und Innovation in einer Talentschmiede der ven. Malerei des Cinquecento

    Postdoc-Projekt
    Von Februar 2022 bis Mai 2022
  • Scomparso? Spuren karmelitischer Predigttätigkeit in Venedig

    Postdoc
    Von März 2022 bis Juli 2022
  • Multimediale Lichtdramaturgien im vormodernen Musiktheater. Spurensuche zu Antonio Codognato im Venedig der 1750er und 1780er Jahre

    Habilitationsprojekt
    Von April 2022 bis September 2022
  • Die narrativen Strukturen des Divertimento per li Regazzi Domenico Tiepolos vor dem Hintergrund der zeitgenössischen venezianischen Theaterpraxis.
    Postdoc
    Oktober 2022
  • Postdoc-Forschungsprojekt
    September 2022
  • Kunststipendium
    Von April 2022 bis Juni 2022

 

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