Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

Oktober 2020

  • Kooperation zwischen Ungleichen: Die Republik Venedig und die deutschen Fürsten als militärische Verbündete im 17. und 18. Jahrhundert, Habilitationsprojekt
    Neuere Geschichte - Prof. Dr. Mark Häberlein Universität Bamberg
    Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs strebten deutsche Fürsten wie der Landgraf von Hessen-Kassel oder die Herzöge von Braunschweig, Sachsen oder Württemberg danach, auf Augenhöhe mit den europäischen Dynastien zu agieren. Um dieses Ziel zu erreichen, stellten sie Armeen von enormer Größe auf. Stehende Heere wurden aufgebaut, die an die Könige von England, Schweden, Dänemark oder die Republiken der Niederlande und Venedig ausgeliehen bzw. vermietet wurden. Diese Kooperationen erhöhten den Status der deutschen Fürsten, manche wurden nicht zuletzt dadurch selbst zu Königen.  Die skizzierten zwischenstaatlichen Kooperationen schweißten die entstehende europäische Staatengemeinschaft mit ihren ständig wechselnden Konstellationen seit der Mitte des 17. Jahrhunderts zusammen, und zwar zeitgleich in politischer, militärischer und ökonomischer Hinsicht. Daraus erwuchs ein komplexes, von fragilen Abhängigkeiten geprägtes und behutsam austariertes Staatengeflecht. Möglicherweise verkörpern Subsidienprojekte unter den internationalen Kommunikations- und Kooperationsformen sogar diejenige, die das europäische Staatensystem, wie wir es heute kennen, besonders entscheidend vorgeprägt hat. Erforscht wurden sie indes bislang kaum. Dank einer Mischung aus Subsidienprojekten, den oft damit verknüpften Heiratsabreden sowie repräsentativen Herrscherauftritten und Festveranstaltungen wurden aus deutschen Fürsten über kurz oder lang Monarchen von europäischem Rang: Landgraf Friedrich von Hessen-Kassel regierte von 1720 bis 1751 als schwedischer König, die Herzöge von Hannover herrschten ab 1714 gleichzeitig auch in Großbritannien und Irland. Ihren Anfang nahmen diese militärischen Kooperationen indes in Venedig. Die Markusrepublik war spätestens seit 1645 darauf angewiesen, dass deutsche Regimenter ihr im Kampf gegen das expandierende Osmanische Reich zur Hilfe eilten. Während vorher bereits kleinere Adlige Truppenverbände zur Verteidigung des venezianischen Terraferma an die Republik vermieteten, waren es nun Fürsten, die ganze Regimenter über die Alpen schickten, um in den Kriegen um Kreta (Candia) und den Peleponnes für Venedig zu kämpfen. Belohnt wurden Sie mit aufwändigen Staatsempfängen und Regatten, Geld, Ruhm und Ehre. Das Forschungsprojekt untersucht die Kooperationen zwischen den einzelnen deutschen Territorien und der Serenissima, deren Anbahnung, Durchführung und Nachbereitung, um herauszuarbeiten, welche Rolle die Projekte sowohl für Venedig als auch für die deutschen Fürsten spielten und inwieweit die Allianzen als Vorbild für die Subsidienprojekte der kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte dienten.
    2020
  • Kunststipendium
    Bildende Kunst
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020
  • Die Beziehungen Venedigs mit dem Raum der mittleren Adria zwischen Handel, Künsten und Heiligenkult (ca. 1100-1240) (Postdoc-Projekt)  
    Kunstgeschichte
    1240 griff die venezianische Flotte eine Reihe von Häfen zwischen den Abruzzen und dem Gargano an, in einer Aktion, die sich der politischen und wirtschaftlichen Expansion des sizilianischen Stauferreiches  entgegensetzte. Unter den betroffenen Häfen befand sich das von Friedrich II. befestigte Termoli, das heute im Molise liegt. Welche Gründe gab es für diesen militärischen Eingriff? Und wie waren diese Adriahäfen vor diesen Verfeindungen miteinander verbunden?  Im Zurückverfolgen dieser Gegebenheiten versucht dieses Projekt, die Beziehungen zwischen Venedig und den normannischen Stauferterritorien der Küste der mittleren Adria zu rekonstruieren. Ausgangspunkt ist der Kult des Heiligen Bassus, ein Bischof, der in unterschiedlichen Adriaregionen verehrt wird, die venetische Lagune und Termoli inbegriffen, wo in einem Sarkophag die sterblichen Überreste des Heiligen aufbewahrt werden. Dieser Kult ist von einer Vervielfältigung der Körper gekennzeichnet und einer weit verbreiteten Verehrung in unterschiedlichen am Meer liegenden Städten. Bis heute wurde die globale Präsenz im Adriabereich noch nicht systematisch untersucht. Durch die Quellenerforschung, Kirchenbauten und Erinnerungsgegenstände widmet sich das Forschungsprojekt den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Auswirkungen dieser gemeinsamen Verehrung, vor dem Hintergrund anderer Heiligenkulte des Adriaraums und mit einer besonderen Aufmerksamkeit auf die Monumentalisierung dieses Kultes.
    Von Juli 2020 bis Dezember 2020
  • Der venetianische Löwe auf Sardinien und istrianische Flüchtlinge in Venedig (Dissertationsvorhaben)
    Neueste Geschichte - Prof. Larry Wolff, New york University
    Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg stand in Italien die gesamte Adriaküste im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Unsicherheit und das Chaos in Triest, Dalmatien, Istrien und Rijeka/Fiume erhob die Lagunenstadt zum Ankunfts- und Bezugspunkt für viele der etwa 250.000 bis 350.000 Flüchtlinge, die das Nachkriegsjugoslawien verließen. Für die staatliche Propaganda stellte Venedig die Mutterstadt dar, die die ehemaligen Kolonien aus Pula/Pola, Rovinj/Rovigno, Opatija/Abbazia usw. aufnahm. Doch in der Realität verteilten die Präfekten die meisten Flüchtlinge weiter in die etwa hundert Flüchtlingslager (Campi Raccolta Profughi), die quer durch Italien verstreut lagen. Durch die Studie einzelner Ansiedlungsprojekte in Italien und in Deutschland, untersuche ich den Einfluss des Wissenstransfers durch die Flüchtlinge auf die lebendige und die tote Umwelt. Es handelt sich um eine vergleichende Migrations- und Umweltgeschichte. Überall dort, wo sich istrianisch-dalmatische Flüchtlinge niederließen, entstand ein Stück Venedig: Auf Sardinien und in Städten wie Rom, Turin oder Lucca befinden sich noch heute Kirchen, Häuserkomplexe oder Quartiere, die dem Heiligen Markus gewidmet sind. Mit dem Verlust der physischen Heimat wurde Venedig zum Besinnungsort im kollektiven Exil.
    Von September 2020 bis November 2020
  • Rousseau als Gesandter (Venedig 1743-1744). (Postdoc)
    Romanistik
    Im Alter von etwa 30 Jahren, als er noch weit davon entfernt war, der berühmte Schriftsteller und Philosoph zu sein, der er einmal werden sollte, liebäugelte Jean-Jacques Rousseau mit einer politischen Karriere. Zur Vorbereitung darauf trat er 1743 in die Dienste des Grafen Montaigu, des französischen Botschafters in Venedig. In seiner Funktion als Botschaftssekretär war Rousseau in Venedig maßgeblich für das Verfassen von Texten, insbesondere der diplomatischen Korrespondenz, zuständig. Das Forschungsprojekt widmet sich der Gattung des diplomatischen Briefes und fragt danach 1.) ob die Franzosen vor Ort die elaborierten diplomatischen Praktiken der Venezianer zur Kenntnis nahmen, oder ob sie sich in Fragen der Redaktion, Übermittlung und Archivierung allein an ihren heimischen Standards orientierten, und 2.) ob bzw. inwiefern Rousseaus späteres Schreiben und Denken durch diese Erfahrung geprägt – gewissermaßen ‚formatiert‘ – wurde.  
    Von Oktober 2020 bis November 2020
  • Funktionen und Gebrauchsformen der italienischen Karikatur in der Frühen Neuzeit Dissertationsvorhaben
    Kunstgeschichte - Univ. Bamberg, Prof. Dr. Wolfgang Brassat
    Die seit der Französischen Revolution bis heute andauernde primäre Funktion der Karikatur ist noch immer die der politischen Kritik. Welchen Zweck Karikaturen in der Frühen Neuzeit für Künstler und Rezipienten erfüllte, ist dagegen noch in unzureichendem Maße erforscht. Die Karikatur entstand spätestens im 16. Jahrhundert in Italien und etablierte sich im 17. Jahrhundert als unterhaltsame Variante des Porträts, sie wurde üblicherweise mit der Feder auf Papier gezeichnet. In der bisherigen Forschung wird Annibale Carracci als Erfinder der Karikatur angeführt, was der tatsächlichen Entstehung allerdings nicht gerecht wird. Bereits Leonardo da Vinci hat vereinzelt Karikaturen gezeichnet, mit denen er offenbar die Mailänder Hofgesellschaft unterhalten hat. Diese Funktion des höfischen Divertimento lässt sich auch für Bernini auf seiner Frankreichreise 1665 belegen. Seit dem beginnenden 18. Jahrhundert entstanden dann auch in Venedig zahlreiche Karikaturen, etwa von Antonio Maria Zanetti, Sebastiano Ricci und Giambattista Tiepolo. Doch in welchem Zusammenhang und für wen entstanden sie hier? Interessant ist dabei die immer wiederkehrende Darstellung zahlreicher Opernsängerinnen und Opernsänger. Karikaturen von diesen hat Zanetti auch in Briefen an Freunde verschickt. Gleichzeitig bekamen die Karikaturen in Venedig erstmals einen Marktwert für ein europäisches Sammlerpublikum und man begann, ganze Alben zu kopieren und zu verkaufen.
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020
  • Quellenedition der Kreuzzugslegation Kardinal Bessarions in Venedig (1463-1464) (Forschungsprojekt)

    Byzantinistik
    Im Sommer 1463 kam im Namen des Papstes Pius II. der griechische Gelehrte und Unionsanhänger, Kardinal Bessarion (1400 ca. – 1472) nach Venedig, mit der Aufgabe, die Venezianer von der Notwendigkeit eines Kreuzzugs gegen die Türken zu überzeugen und sie vor allem durch kirchliche finanziellen Maßnahmen zu unterstützen.
    Die einjährige diplomatische Mission in Venedig darf in der Biographie des Kardinals einen besonderen Stellenwert beanspruchen, denn sie war der Gipfelpunkt seiner diplomatischen Karriere. Zudem verbinden sich in der Gestalt von Bessarion politisch-diplomatische Geschichte mit kulturwissenschaftlichen Methoden, etwa der Oratorik- und Transferforschung. Auf der Grundlage der venezianischen Interessen in den griechischen Gebieten sowie der gemeinsamen Widrigkeiten gegenüber den Türken bildet die venezianische Legation für den Byzantiner den wichtigsten Moment seines Eingliederungsprozesses in die politischen und kulturellen Verhältnisse Venedigs. Die Schenkung seiner griechischen Bibliothek an die Markusbasilika 1468 (das Kernstück der heutigen Marciana) krönt das vielfältige Verhältnis des Kardinals mit der Stadt und macht ihn zu einer Brückenfigur zwischen griechischem Osten und lateinischem Westen. Während seine theologische und philosophische Tätigkeiten schon lange und intensiv erforscht werden, fehlt eine systematische Darstellung der ungeheuer intensiven und in den Quellen ausgezeichnet dokumentierbaren Mitwirkung Bessarions bei den päpstlichen Kreuzzugsprojekten im dritten Viertel des 15. Jh.s. Bei diesem Desiderat setzt das Projekt an. Die allermeisten Quellen sind unediert und zum Großteil unbekannt. Die geplante historische Quellenedition bezüglich aller Aspekte der Legation will wesentlich dazu beitragen, diese massive historiographische Lücke zu schließen.
    Die Hauptorte der Quellenforschung zur Legation Bessarions sind folgerichtig in erster Linie der Wirkungsort des Legaten, Venedig (Archivio di Stato, Biblioteca di San Marco, Biblioteca del Museo Correr, Archivio del Patriarcato usw.) und Rom, als Zentrale seines päpstlichen Auftraggebers (Archivio Segreto Vaticano, Biblioteca Apostolica Vaticana, Archivio di Stato di Roma). Zudem enthalten die Archive Mailands, Mantuas, Florenz und Sienas einen enormen Umfang an Material, welches das legatinische Wirken des Kardinals in Venedig weiter beleuchten kann. Die Quellentypologie ist durch große Vielfältigkeit gekennzeichnet: diplomatische Kommunikation, Berichte von Gesandten, protokollierte Entscheidungen des venezianischen Senats, päpstliche und legatinische Bullen und Breven, private Korrespondenzen, venezianische Chroniken usw.
    Von diesem Standpunkt aus betrachtet wird die geplante Arbeit die bislang ausführlichste über eine Legation in Venedig für das ganze 15. Jh. sein.
    Von September 2020 bis August 2021
  • Die narrativen Strukturen des Divertimento per li Regazzi Domenico Tiepolos vor dem Hintergrund der zeitgenössischen venezianischen Theaterpraxis. Postdoc
    Kunstgeschichte
    In den letzten Jahren seines Lebens, zwischen 1797 und 1804, schuf Giovanni Domenico Tiepolo ein Korpus von 104 Zeichnungen mit dem Titel Divertimento per li Regazzi gab. Die Blätter zeigen allesamt Pulcinella – oder genauer gesagt nahezu immer eine Gruppe von Pulcinelli – in den verschiedensten Situationen. Im Zentrum der Darstellungen steht damit eine Figur aus dem Kontext der Commedia dell’Arte, die in Venedig vor allem als Protagonist des Puppentheaters, aber auch als Karnevalskostüm oder Straßenunterhalter in Erscheinung trat. Das Divertimento enthält Kindheits- und Familienszenen, ländliche Partien und Feste sowie Begegnungen mit exotischen Tieren und Fabelwesen. Auch kann man Pulcinelli bei der Ausübung unterschiedlicher Berufe beobachten oder wird Zeuge, wie sie altern und sterben, mit Rutenschlägen bestraft oder hingerichtet werden. Das Divertimento trägt zwar viele charakteristische Züge einer biographischen Erzählung, im Gegensatz zu einem ‚gewöhnlichen‘ narrativen Bildzyklus ist es aber nicht möglich, alle Zeichnungen zu einer konzisen Erzählung zu verbinden. Es gibt keine klar erkennbare Anordnung der Blätter, keinen eindeutig intendierten Erzählverlauf. Stattdessen wird dem Betrachter ein weiter narrativer Spielraum eröffnet, um mithilfe der Zeichnungen selbst zum Erzähler unterschiedlicher Geschichten zu werden. Mein Projekt wird diese besondere performative Praxis, die die Zeichnungen erlauben, genauer betrachten und sie in den Kontext unterschiedlicher theatraler Gattungen stellen, die Tiepolo als mögliche Inspirationsquelle für dieses Komplexe künstlerische Unterfangen gedient haben können. Wo also übernimmt und adaptiert der Maler beispielsweise Strukturen und Techniken aus der Commedia dell’Arte oder Puppentheater und wie setzt er sie in seinen Zeichnungen um?
    Von Juli 2020 bis Juni 2021
  • Kunststipendium
    Bildende Kunst
    Eine Auseinandersetzung mit John Ruskins Büchern zur Architektur Venedigs vor Ort: Mit Ruskins Schriften als Wegweiser und vor der Folie seiner so klar formulierten Sicht auf die Phänomene Venedigs möchte ich einen „Atlas einer Utopie“ erstellen. Mein Ziel wäre, mit Hilfe unterschiedlicher Medien – Zeichnung, Fotografie, Text, Architekturmodellen aus Ton und gefundenen Material – eine künstlerische Geografie Venedigs in seinen Brüchen und Potentialen zu entwerfen.
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020

Zukünftige Stipendiaten

  • Kunststipendium
    Von April 2021 bis Juni 2021
  • Altarbild von den Gebrüdern Dossi    
    Januar 2021
  • Bildwitz? Phänomene des Komischen in der Venezianischen Kunst der Frühen Neuzeit. Habilitationsprojekt
    März 2021
  • Kunststipendium
    Von April 2021 bis Juni 2021
  • Von Februar 2021 bis Mai 2021
  • Studentische Mobilität aus der Erzdiözese Köln an die italienischen Universitäten (15.–17. Jahrhundert)
    Von Januar 2021 bis Februar 2021
  • Forschungsvorhaben in Venedig:  Barocke Gleichnisarie Monographie
    Von Februar 2021 bis Mai 2021
  • Der zypriotische Adel im 15. Jahrhundert: Kulturelle und religiöse Identitäten, gesellschaftliche Strukturen
    Von November 2020 bis April 2021
  • Das Meer der Neuchristen: Mobilität und Ambiguität konvertierter Juden und ihrer Nachkommen im Adriaraum des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit Postdoc-Forschungsprojekt
    Von Dezember 2020 bis Januar 2021

 

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