Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

März 2017

  • Désirée Monsees, Kunstgeschichte (Universität Kassel, Prof. Dr. Martina Sitt)
    Künstlerindividuen im Spannungsfeld zwischen Auftraggeber, Kunstmarkt, Zunft und Akademie in Venedig um 1700 (Arbeitstitel)
    Ihren Erfolg verdankten Künstlerindividuen im Venedig um 1700 nicht allein ihren künstlerischen Fähig- und Fertigkeiten, sondern vor allem dem Zusammenspiel der Akteure und Institutionen des venezianischen Kunstbetriebes der Zeit. Maler wie Sebastiano Ricci, Gregorio Lazzarini und Antonio Bellucci zählen heute zu den bekanntesten Malern um die Jahrhundertwende. Sebastiano Ricci kann geradezu als ein Prototyp eines Künstlers in einem solchen Spannungsfeld betrachtet werden: Als reisender, international tätiger Künstler arbeitete er für die Reichen und Mächten Europas seiner Zeit und erfuhr vor allem außerhalb Venedigs eine große Wertschätzung, wovon die ehrenvolle Mitgliedschaft an den renommierten Akademien von Paris (1718) und Bologna (1727) zeugt. Die Historienmalerei um 1700 wurde keineswegs ausschließlich von männlichen Vertretern dieser Zunft betrieben. Mit Giulia Lama existiert eine Malerin, die sich zudem als Dichterin ausdrückte und in intellektuellen Kreisen verkehrte. Viel weniger ist über die ebenfalls als Malerin von Historiengemälden tätige Schwester Gregorio Lazzarinis – Elisabetta Lazzarini – bekannt.
    Das Dissertationsprojekt soll das Beziehungsgefüge sowie die besonderen strukturellen und institutionellen Bedingungen rekonstruieren, in welchen sich Venedigs Malerindividuen – Maler wie Malerinnen – um 1700 bewegten, und die Austauschwege von Bildern und Ideen offenlegen. Zudem gilt es aufzuzeigen, welche Strategien zur Konstituierung einer künstlerischen Laufbahn ergriffen wurden. Hierbei soll ein besonderes Augenmerk auf die zeitgenössischen Künstlerinnen der Lagunenstadt gerichtet werden.
    von November 2016 bis März 2017
  • Cordula Ditz, Bildende Kunst
    Arbeit an einem Film
    In der Moderne wird immer dann von Animismus gesprochen, wenn die ausgeschlossenen Phänomene einen Anspruch auf Wirklichkeit einklagen und sich nicht in Kategorien wie die des »Glaubens« oder der »Illusionen«, etc. überführen lassen. Ein Beispiel für einen solchen Einbruch in die Wirklichkeit ist das »Unheimliche«, wie es von Sigmund Freud beschrieben wird: Die Wiederkehr überwunden geglaubter animistischer Überzeugungen, die dann offenkundig werden, wenn die Außenwelt wieder zu einem Spiegel des inneren Selbst wird, tote Objekte zum Leben erwachen, die Trennung von innerer und äußerer Welt, von Subjekten und Objekten aufgehoben ist. Das Motiv des Unheimlichen beschränkt sich nicht auf die Rückbesinnung aufs Romantische oder das Genre von Horror- oder Geistergeschichten, sondern wird spätestens seit Freud auch im Zusammenhang mit klassischen Themen der Moderne gesehen: Entfremdung, ästhetische Theorien der Nachahmung, Wiederholung (Doppelgängertum) und Fragen nach dem Anderen, … Jacques Derrida führte den Begriff Hauntology ein. Animismus wird hier zu einem Spiegel, einem negativem Horizont der Moderne. Derrida argumentiert das unsere Wahrnehmung der Welt geprägt ist durch den Spuk der Instabilität des früher für selbstverständlich Angenommenen und der Unmöglichkeit je wieder so eine Gewissheit zu erlangen. Während Burke, der das Unheimliche als subversives Element des Erhabenen sah, sich noch vor allem an Ruinen begeisterte, entwickelt de Quincey 200 Jahre später in diesem Zusammenhang eine viel komplexere räumlichen Ausrichtung des Unheimlichen als einen Raum endloser Wiederholungen. Ausgangspunkt ist der Film "Wenn die Gondeln Trauer tragen" von Nicolas Roeg nach einer Kurzgeschichte von Daphne du Maurier in dem Venedig als unheimlicher Ort ständiger Wiederholung inszeniert wird.
    von Januar 2017 bis März 2017
  • Juliane Märker, Geschichte/Frühe Neuzeit (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Matthias Schnettger)
    Die Kaiserliche Botschaft in Venedig zur Zeit Maria Theresias (1740-1780)
    In den letzten Jahren ist das Interesse der Geschichtswissenschaft für das Gesandtschaftswesen der Frühen Neuzeit merklich gewachsen, vor allem mikropolitische Studien zu einzelnen Gesandtschaften im europäischen Raum haben deutlich zugenommen. Dazu gehört auch das Gesandtschaftswesen der Habsburger Kaiser, wobei aber noch viele Standorte einer expliziten Untersuchung harren. Zu den ältesten ständigen kaiserlichen Gesandtschaften gehört die im 16. Jahrhundert eingerichtete venezianische Gesandtschaft. Die italienische Lagunenstadt, einst eines der wichtigsten Mittelmeerhäfen für den Handel mit Levante und Orient sowie als „Nachrichtenbörse Europas“ berühmt, verlor im Laufe der Frühen Neuzeit seine prominente wirtschaftliche wie machtpolitische Stellung. Das Dissertationsprojekt untersucht die kaiserliche Botschaft in Venedig während des 18. Jahrhunderts, wobei vor allem die Institution Botschaft analysiert und ihre Charakteristiken aufgezeigt werden sollen: Wie war die Botschaft organisiert? Welchen Regelungen und Anforderungen war sie unterworfen, sowohl von Seiten der Habsburger wie der venezianischen Republik? Was waren ihre Arbeitsbedingungen, ihre Aufgaben? Ebenfalls ein Interessenspunkt der Arbeit ist zudem die Frage nach der Rolle des Botschafters, seiner Handlungsfreiheit innerhalb der strengen Vorgaben der österreichischen und venezianischen Regierungen und seine Umsetzung der von Wien kommenden Weisungen.
    von Januar 2017 bis März 2017
  • Mark Barden, Musik/Komposition
    Komposition eines Duos für Violine und Violoncello
    Ich komponiere für Ashot Sarkissjan und Séverine Ballon ein Duo für Violine und Violoncello im Auftrag der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
    von Januar 2017 bis März 2017
  • Armin Bergmeier, Byzantinische Kunstgeschichte (LMU München, Prof. Dr. Franz Alto Bauer)
    Narrative, Natural disasters, and the End of Time: The Rise of Eschatological Imagery in the Middle Ages (c. 800-1300)
    Das große Interesse der Menschen des hohen und späten Mittelalters an der Endzeit und ihren Visualisierungsformen erscheint rückblickend nur folgerichtig, ja nahezu unumgänglich. Der teleologisch-eschatologische Charakter des Christentums – Christus würde erst am Ende der Tage wiederkehren – scheint die Endzeit als dominanten Fixpunkt zu erfordern. Vergleicht man jedoch die Entwicklungen im mittelalterlichen Westen mit denen im Byzantinischen Reich, so ist auffällig, dass in der byzantinischen Bildsprache die Endzeit eine nur marginale Rolle spielte. Zwar war der östliche Entwurf der Weltgerichtsikonographie auch im Westen sehr erfolgreich – das wohl eindrücklichste Beispiel befindet sich auf der Westwand der Kathedrale von Torcello (Venedig) – doch ist die Ausstattung der Kirchen mit eschatologischen Inhalten abgesehen von einigen wenigen erhaltenen Weltgerichtsbildern u.a. in Konstantinopel (Chora Kloster), Thessaloniki (Panagia ton Chalkeon) und Kastoria (Mavriotissa) recht selten. Auch die Offenbarung des Johannes war im Osten weniger verbreitet und wurde selbst im spätbyzantinischen Reich nicht genutzt, um eschatologische Inhalte zu verbildlichen.
    Ziel des Projektes ist es, die unterschiedlichen Auffassungen und Visualisierungsformen der Endzeit im mittelalterlichen Westen und in Byzanz zu untersuchen. Diese Auffassungen sollen in gegenseitiger Abhängigkeit mit den eschatologischen Vorstellungen im mittelalterlichen Judentum und in den islamischen Gebieten des Mittelmeerraumes betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Ursachen für den beispiellosen Anstieg eschatologischer Erwartungen um das 12. Jahrhundert in allen Kulturen des Mittelmeerraums und Westeuropas. Im Einzelnen werden Reaktionen auf Naturkatastrophen untersucht und deren Rolle als Auslöser für eschatologische Ängste. Ferner soll der Prozess der Eschatologisierung bestehender Bildmotive und die Orientierung von narrativen Bildprogrammen auf das endzeitlich-apokalyptische Geschehen hin untersucht werden.
    von März 2017 bis März 2017
  • Alexander Fichte, Architektur/Städtebau (TU Dortmund, Wolfgang Sonne/Ca' Foscari, Guido Zucconi)
    Stadterweiterungen von Venedig (1900-1929)
    Verschiedene Konzeptionen für den Anschluss an die bestehende Stadt

    Der Städtebau der ersten Hälfte des 20. Jh. ist trotz des enormen Bedürfnisses nach Arbeitskräften und Wohnraum, nicht ausschließlich durch avantgardistische und stadtauflösende Tendenzen geprägt, vielmehr existierten auch konventionelle Konzeptionen, um die bestehenden Städte zu erweitern. Die Lagunenstadt Venedig bietet hier aufgrund ihrer speziellen Verortung ein außergewöhnliches Untersuchungsbeispiel, da sich durch die räumliche Isolation städtebauliche Mechanismen in besonderer Weise ablesen lassen und als Indikator für vergleichbare Prozesse in Europa gewertet werden können. Das Dissertationsprojekt soll anhand der Analyse der Gestalt und der Entstehungsprozesse von Stadterweiterungen in der ersten Hälfte des 20.Jh., bezogen auf den Umgang mit einer spezifischen Stadtsituation, paradigmatisch unterschiedliche Konzeptionen der Stadtanbauten und die daraus resultierenden Stadtformen aufzeigen und diese in ihren jeweiligen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Kontext verorten. Die zu analysierenden Quellen setzten sich zusammen aus den gebauten Quartieren, Karten, Plänen, Luftaufnahmen, Archivunterlagen und Rezeptionsquellen. Das Dissertationsprojekt strebt an eine bestehende Forschungslücke zu schließen und ist sowohl als Beitrag zum städtebaulichen Diskurs im 20. Jh., als auch zur Stadtbaugeschichte Venedigs zu betrachten.
    von Februar 2017 bis Juni 2017
  • Cornelius Behrendt, Neuere Geschichte (FSU-Jena, Prof. Dr. Thomas Kroll)
    Presselenkung und Pressepolitik im Kaisertum Österreich anhand der Italienkriege 1859 und 1866 (Arbeitstitel)
    Medien fungieren seit jeher als Sprachrohr und stellen durch Vermittlung und Weiterleitung von Informationen ein wichtiges Bindeglied zwischen Staat und Bevölkerung dar. Durch den rasanten Aufstieg der Printmedien in der Mitte des 19. Jahrhundert und vor dem Hintergrund der piemontesischen Nationalstaatsbestrebungen spielte die Überwachung und Lenkung der Presse in k. k. Österreich, das zu jener Zeit im Besitz der Provinz Lombardo-Venetien war, eine immer bedeutendere Rolle. Zu diesem Zweck wurde Anfang der 1850er Jahre ein neues Pressegesetz oktroyiert und der pressepolitische Apparat umgebaut. Neben polizeilichpräventiven Maßnahmen, die letztendlich in der Zensur einzelner Artikel oder gar dem Verbot einer ganzen Zeitung münden konnten, wurden nun auch Mittel ergriffen, die Presse zu lenken und zu beeinflussen. Das Dissertationsprojekt untersucht - unter besonderer Berücksichtigung der Risorgimento-Kriege - das angespannte Verhältnis der österreichischen und der lombardo-venezianischen Presse zum Staat in den 1850er und 1860er Jahren.
    von März 2017 bis Juni 2017

Zukünftige Stipendiaten

  • Susanne Müller-Wolff, Kunstgeschichte
    von April 2017 bis April 2017
  • Gerda Brunnlechner, Mittelalterliche Geschichte
    von April 2017 bis Juni 2017
  • Nadine Ulrike Holzmeier, Mittelalterliche Geschichte (FU Hagen, Prof. Dr. Felicitas Schmieder)
    von April 2017 bis Juni 2017
  • Dieter M. Gräf, Literatur
    Weiterentwicklung seiner „italienischen Gedichte“
    von April 2017 bis Juni 2017
  • Nils Mohl, Literatur
    Arbeit am aktuellen Text
    von April 2017 bis Juni 2017
  • Christine Follmann, Kunstgeschichte (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dr. Andreas Henning)
    von Mai 2017 bis Juli 2017
  • Katharina Offensperger, Literaturwissenschaft Romanistik - Universität Konstanz, Prof. Dr. Michael Schwarze
    Autorität und literarische Autorisierung am Beispiel der Autorinnen des Cinquecento
    von Juli 2017 bis Juli 2017
  • Elisabeth Maria Probst, Musikwissenschaft (Karl-Franzens-Universität Graz, Prof. Dr. phil. Michael Walter)
    Teatro Sociale di Udine (1764-1905) betreffend das Produktionssystem eines Opernhauses einer italienischen Provinzstadt, mit u.a. Verbindungen zum Opernhaus La Fenice in Venedig, im sozialgeschichtlichen Kontext der Opernforschung.
    von Juli 2017 bis August 2017
  • Stefan Hanß, Geschichte der Frühen Neuzeit (University of Cambridge, Prof. Ulinka Rublach)
    von Juli 2017 bis September 2017
  • Christian Retschlag, Bildende Kunst
    von Juli 2017 bis September 2017
  • Kay Fingerle, Architektur
    von Juli 2017 bis September 2017
  • Leonard Horsch, Mediävistik (LMU München, Prof. Dr. Claudia Märtl)
    von Juli 2017 bis Dezember 2017
  • Armin Bergmeier, Byzantinische Kunstgeschichte (LMU München, Prof. Dr. Franz Alto Bauer)
    Narrative, Natural disasters, and the End of Time: The Rise of Eschatological Imagery in the Middle Ages (c. 800-1300)
    von August 2017 bis August 2017
  • Matthias Schulz
    von August 2017 bis Januar 2018
  • Markus Laufs, Mittealterliche und Neuere Geschichte (Universität Bonn, Herr PD Dr. Dr. Guido Braun)
    von September 2017 bis November 2017
  • M+M; Marc Weis; Martin De Mattia , Bildende Kunst
    von Oktober 2017 bis Dezember 2017
  • Lula (Maria de la Luz) Romero Garrido, Musik/Komposition
    von Oktober 2017 bis Dezember 2017
  • Alberto Bardi, Byzantinistik (LMU München, Prof. Dr. Albrecht Berger)
    von Dezember 2017 bis Dezember 2017
  • Michael Malchereck, Geschichtswissenschaft (FSU Jena, Prof. Dr. Thomas Kroll)
    Gabriele Mucchi (1899-2002) - Eine transnationale Intellektuellengeschichte zwischen Kommunismus und Kunst (Arbeitstitel)
    von Januar 2018 bis März 2018
  • Marco Alessandro Izzi, Neueste Geschichte (Philipps-Universität Marburg - Prof. Dr. Benedikt Stuchtey)
    von Januar 2018 bis Juni 2018
  • Tatiana Korneeva, Literaturwissenschaft (Freie Universität Berlin, Prof. Joachim Küpper)
    von Januar 2018 bis Juni 2018
  • Torsten Korte, Kunstgeschichte (Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Philipp Zitzlsperger)
    von März 2018 bis April 2018
  • Eileen Bergmann, Geschichtswissenschaft
    Der venezianische Consiglio dei dieci in der Zeit der Handelssperren Sigismunds (1412-1433)
    von April 2018 bis September 2018

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