Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

September 2018

  • Martin Daske, Musik/Komposition
    „Folianten" und „WALLS #Venezia"
    Ende der 1980er Jahre habe ich eine 3-dimensionale Notation entwickelt, die „Folianten“. Es sind Skulpturen, die sich als Partituren lesen lassen und die in musikalischen Strukturen aufgebaut sind. Dass die Skulpturen auch als eigenständige bildende Kunst bestehen, zeigen zahlreiche Ausstellungen und Verkäufe. Jeder Foliant ist für ein bestimmtes Instrument oder Ensemble komponiert und natürlich ein Unikat. In Venedig möchte ich ein bis drei Folianten erstellen, wobei sich als Material Glas anbietet. Ich hoffe, Unterstützung eines Glasbläsermeisters zu finden, der mich in dieser Kunst unterrichtet …

    Im letzten Jahr habe ich ein mehrteiliges Kunstvideoprojekt begonnen: WALLS

    Das Videomaterial besteht aus Häuserwänden einer Stadt, die mit einer Handkamera im Vorbeigehen aus 1-2 Meter Abstand gefilmt werden; das Audiomaterial für die Komposition aus Field-recordings, die ebenfalls in dieser Stadt, aber unabhängig vom Bildmaterial gemacht werden. Der erste Film entstand 2017 in Oaxaca, Mexiko. In Venedig könnte ein zusätzlicher Bildschwerpunkt auf dem Bereich dicht über der Wasseroberfläche liegen - was dann von einem Boot aus gefilmt werden müsste …
    von Juli 2018 bis September 2018
  • Yasuko Yamaguchi, Musik/Komposition
    Venedig-Projekt
    Ich höre gerne zu und beobachte meine Umgebung, auch Tiere und Naturereignisse. Mit etwas zeitlicher Distanz verarbeite ich diese Eindrücke (manchmal auch jene eher unscheinbaren, zunächst sich nicht aufdrängenden, aber später umso deutlicher hervortretenden) zu neuen Stücken.
    Die Absicht vor meiner Anreise war es, ein Klavierstück zu komponieren, das den Klang der Wellen reflektiert und auf das Leben in einem „Arcipelago“ reagiert, in Anspielung auch an Luigi Nonos großes Meisterwerk „…. sofferte onde serene .…“.
    Seit meiner Ankunft finde ich mich allerdings mit ganz anderen Reizen und Umständen konfrontiert: den fast pausenlos brummenden Vaporetto-Motoren, den tosenden Touristenströmen, aber auch dem tollen „Surround-Konzert“ der vielen Glocken in den Türmen und dem großartigen, oft nächtelang anhaltendem Geschrei der Möwen. Und letztlich - wenn ich vorsichtig lausche - vernehme ich eben doch auch den Klang der Wellen.
    Bei all diesen Eindrücken vermag ich im Moment noch nicht einzuschätzen, „wohin“ sich das Klavierstück entwickeln wird. Im Moment revidiere ich meine Orgelkomposition „Hirtenmusik“ für eine Aufführung in diesem Winter in Japan und genieße dabei das große Glück, in Venedig, der Stadt meines Lieblingskomponisten Luigi Nono und der Stadt Monteverdis, leben zu dürfen und dem Klang der engen, widerhallenden Gassen zu lauschen.
    von Juli 2018 bis September 2018
  • Albrecht Pischel, Bildende Kunst
    „Death in Venice 2"
    Die Geister sprechen wohl immer dann, wenn die Gegenwart sich weigert, ganz in der Vergangenheit aufzugehen. Marx bemerkte, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen sich sozusagen zweimal ereignen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Oder als Remake? Sicher, wohl die einzige Möglichkeit eine Fortsetzung von Lucio Viscontis „Tod in Venedig“ zu schaffen, wäre ein Zombiefilm: "Death in Venice 2". In Lucio Viscontis „Tod in Venedig“ oder auch anderen Filmen wie Nicolas Roegs „Don’t look now“ wird Venedig immer auch als unheimlicher, abgründiger, verhängnisvoller Ort stilisiert – ein Ort der Übergänge an dem sich Wirklichkeit und Vorstellung halluzinatorisch überlagern. 100 Jahre nach Thomas Manns Roman, in dem er Verfall, Hybris und Dekadenz des Bürgertums zur Jahrhundertwende beschreibt, soll mit Skizzen zu einem möglichen filmischen Remake der ursprüngliche Stoff einer neuerlichen Betrachtung in der Gegenwart unterzogen werden.
    von Juli 2018 bis September 2018
  • Tatiana Korneeva, Literaturwissenschaft (Freie Universität Berlin, Prof. Joachim Küpper)
    Die Opera Buffa und die europäischen Höfe: Künstlernetzwerke und transnationaler Wissenstransfer zwischen Venedig und Sankt Petersburg (1750-1790)
    (Buchprojekt)

    Seinen thematischen Schwerpunkt legt das Projekt auf die Untersuchung des in der Mitte des 18. Jh.s bedeutsamen Phänomens der italienischen opera buffa. Insbesondere steht die politische und gesellschaftliche Rolle dieser Gattung als erkenntnistheoretisches Paradigma zur Untersuchung von Prozessen des Wissenstransfers zwischen West- und Osteuropa im Zentrum des Forschungsinteresses. Dabei verfolgt das Projekt zwei Ziele: Zunächst wird die Rolle der opera buffa im russischen und österreichischen Kaiserreich sowie an den deutschen Höfen als ein Instrument zur Erforschung der komplexen Austauschprozesse zwischen absolutistischer Politik und den Künsten eruiert, wobei insbesondere der Einfluss dieser speziellen dramatischen Form auf die ästhetischen Praktiken und die sich herausbildende Öffentlichkeit deutlich werden soll. Zweitens wird die opera buffa – eine weit verbreitete Kunstform, über welche reichhaltiges Forschungsmaterial zur Untersuchung der kulturübergreifenden Zirkulation von Kunst und zur Analyse von Systemen des Wissenstransfers in Europa existiert – als Fallstudie berücksichtigt, um den komplexen interkulturellen Transfer der Opernrepertoires, die Mobilität der Künstler sowie die Wechselwirkungen diverser dramatischer Gattungen an und zwischen den europäischen Höfen eingehend zu untersuchen.
    von September 2018 bis September 2018
  • Gerda Brunnlechner, Mittelalterliche Geschichte (Fern-Universität in Hagen, Prof. Dr. Felicitas Schmieder)
    Die ‚Genuesische Weltkarte‘ von 1457‘ – ein raumzeitliches Gewebe
    Mit dem 15. Jahrhundert und insbesondere mit der lateineuropäischen Rezeption der ‚Geographia‘ des Ptolemaios wird oft ein Wandel von symbolisch bestimmter „mittelalterlicher“ Kartographie hin zu einer naturgetreueren Darstellung der Welt verbunden. Das Dissertationsprojekt soll die Annahme hinterfragen, dass sich damit auch die Raum- und Zeitvorstellungen geändert hätten. Die auf 1457 datierte sogenannte Genuesische Weltkarte bietet sich als Untersuchungsobjekt für diese Fragestellung an, weil sie als Synthese- oder Übergangskarte, als Schritt hin zur modernen Kartographie gilt. Im 15. Jh. entwickelte sich ein intensiver, weiträumig vernetzter, humanistisch ebenso wie geschichtsdeutend beeinflusster geographischer Diskurs. Anstoß waren die verstärkte Suche nach antiken Vorbildern und das dazu oft im Widerspruch stehende, anwachsende Erfahrungswissen der Lateineuropäer, aber auch Einflüsse durch die arabische Kartographie und die naturnahen Küstenlinien der vermutlich schon vor 1300 bekannten Portulankarten. Auf der theoretischen Ebene werden Raum und Zeit im Zusammenspiel als Raumzeit verstanden. Dazu wird von der sozialen Konstituierung von Raum und Zeit und einer während der relevanten Zeitperiode vorherrschenden heterogenen Raum- sowie vielschichtigen und dynamischen Zeitwahrnehmung ausgegangen. Die Kartenmacher werden als bewusst agierende, wenn auch in ihren institutionellen und kulturellen Kontext eingebundene Akteure verstanden. Vor diesem Hintergrund soll hinterfragt werden, ob die Entwicklung der Kartografie hin zu mehr Naturnähe wirklich mit einer Homogenisierung des Raumkonzeptes und dem Verlust des Zeitfaktors gleichgesetzt werden kann. Vielmehr scheinen die modernen Annahmen des homogenen Raumes und der zeitlosen Karten Illusion zu sein.
    von September 2018 bis November 2018
  • Eileen Bergmann, Geschichtswissenschaft (Mittelalterliche Geschichte - Universität Trier, Prof. Dr. Petra Schulte)
    Der venezianische Consiglio dei dieci in der Zeit der Handelssperren Sigismunds (1412-1433)(Dissertationsvorhaben)
    Auch wenn der Mythos-Venedig eine besondere Stabilität der Republik postuliert, stand Venedig in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vor einer Vielzahl von politischen, ökonomischen, sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die es zu bewältigen galt. Eine besondere Rolle nahm dabei der 1310 gegründete Consiglio dei dieci ein, der ein entscheidender Bestandteil des politischen Kompetenz- und Kontrollsystems in Venedig war und sich in erster Linie mit Angelegenheiten der Staatssicherheit und damit einhergehend mit der Gefahrenabwehr befasste. Neben krisenhaften Ereignissen rund um die Handelssperren (1412-13, 1418-1433), die der ungarische und römisch-deutsche König Sigismund (*1368 / †1437) gegen die Serenissima verhing, werden im Rahmen des Dissertationsvorhabens weitere Problemkomplexe, auf die der Rat der Zehn reagieren musste, zu eruieren sein. Untersucht wird somit nicht nur, auf welche disruptiven Ereignisse die Mitglieder des Rats der Zehn reagierten, sondern auch welche Strategien und Mechanismen sie zur Krisenbewältigung entwickelten, um die Stadt vor krisenhaften Ereignissen widerstandsfähiger zu machen.
    von April 2018 bis Dezember 2018
  • Matthias Bürgel, Romanische Philologie
    Die Esposizione del Credo von Domenico Cavalca OP im 15. Jahrhundert: Der (späte) venetische Erfolg eines toskanischen Werkes (Postdoc, monographische Studie)
    Die Tradition der Esposizione del Credo, dem letzten der didaktisch-pastoralen Traktate von Domenico Cavalca OP (1280-1341), weist eine sehr spezifische Physionomie auf: In west-toskanischer Varietät im Todesjahr des Autors geschrieben, ist dieses Werk beinahe ausschließlich in Textzeugen norditalienischer, vornehmlich venetischer Herkunft, welche allesamt auf die zweite Hälfte des XV. Jahrhunderts datierbar sind, auf uns gekommen. Die in Vorbereitung befindliche kritische Textausgabe wird somit auf Basis einer im Vergleich zum Original spät und peripher erfolgten Überlieferung basieren.
    Das vorliegende Projekt wird die Gründe dieser so stark charakterisierten Texttradition in den Blick nehmen und dabei eine Recherchespur, welche aus einem weiteren signifikanten Faktum hervorgeht, vertiefen: Vier der fünf momentan verfügbaren handschriftlichen Textzeugen sowie der venezianische Wiegedruck aus dem Jahre 1489 sind mit Klöstern der Kongregration von S. Giustina verbunden. Folglich sollen mögliche Austauschwege von volkssprachlichen Kodizes und Texten zwischen der Toskana und dem Veneto untersucht werden, wobei den Kontakten zwischen Dominikanern und Benediktinern im Venedig des 15. Jahrhunderts besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist.
    Das Forschungsvorhaben wird sich einerseits venetischen Archivmaterials, das sowohl mit den Abteien der paduaner Kongregation, insbesondere mit S. Giorgio Maggiore, als auch mit dem Dominikanerinnenkonvent vom Corpus Domini in Verbindung steht, bedienen; konnte doch hinsichtlich der letztgenannten Gemeinschaft bereits der ihrerseits auf den Benediktiner Teofilo von Venedig – der sodann einer der engsten Mitarbeiter von Ludovico Barbo, dem Gründer der Kongregation, werden sollte – ausgeübte Einfluss nachgewiesen werden. Andererseits werden, sofern möglich, die Inventare der entsprechenden Bibliotheken sowie einige besonders relevante volkssprachliche Manuskripte, die im Zusammenhang mit dem Predigerorden stehen, untersucht werden. Ziel ist es, auf diese Weise größere Klarheit hinsichtlich der Kontaktpunkte zwischen Dominikanern und reformierten Benediktinern zu erlangen. So wird es hoffentlich nicht nur möglich sein, den Weg, der es Domenico Cavalcas Esposizione erlaubte, in den ‘Kanon’ monastischer Lektüren des 15. Jahrhunderts aufgenommen zu werden, präziser nachzuzeichnen, sondern auch mögliche Gründe für diesen Erfolg ausfindig zu machen.
    von September 2018 bis Februar 2019

Zukünftige Stipendiaten

  • Klaus Johannes Thies, Literatur
    von Oktober 2018 bis Dezember 2018
  • Sabine Scholl, Literatur
    von Oktober 2018 bis Dezember 2018
  • Nikolaus Bienefeld, Architektur
    von Oktober 2018 bis Dezember 2018
  • Sebastian Richter, Musikwissenschaft, HfMT Köln, Prof. Dr. Sabine Meine
    von November 2018 bis Januar 2019
  • Jutta Dresken-Weiland, Christliche Archäologie
    Die Reliefsäulen von San Marco als bedeutendes Denkmal frühchristlicher Kunst
    (Postdoc)
    von Dezember 2018 bis Dezember 2018
  • Anna Katharina Pieper, Geschichte - Prof. Dr. Johannes Paulmann, JGU Mainz
    "Annäherung im imperialen Kontext. Katholizismus und Kolonialpolitik im liberalen Italien (1878-1912)"
    (Dissertationsvorhaben)
    von Januar 2019 bis März 2019
  • David Wagner, Literatur
    Künstlerstipendium
    von Januar 2019 bis März 2019
  • Anahita Razmi, Bildende Kunst

    Künstlerstipendium
    von Januar 2019 bis März 2019
  • Ella Beaucamp, Kunstgeschichte - Ludwig-Maximilians-Universität München - Dr. Philippe Cordez
    (Dissertationsvorhaben)
    von Januar 2019 bis Juni 2019
  • Matthias Schulz, Kunstgeschichte (HBK Braunschweig, Prof. Dr. Victoria von Flemming)
    Morphologische Identitäten zwischen Organik und Anorganik im Oeuvre Andrea Mantegnas (Arbeitstitel)
    von Februar 2019 bis März 2019
  • Fabien Vitali, Italienische/Frz. Literaturwissenschaft - CAU zu Kiel, Prof. Dr. Rainer Zaiser + Uni HH, Prof. Dr. Marc Föcking
    von März 2019 bis August 2019
  • Leonard Horsch, Mediävistik (LMU München, Prof. Dr. Claudia Märtl)
    Ludovico Foscarini (1409–1480). Ein venezianischer Patrizier, Amtsträger und Humanist
    (Dissertationsvorhaben)
    von April 2019 bis April 2019
  • Degenhard Andrulat, Bildende Kunst

    Künstlerstipendium
    von April 2019 bis Juni 2019
  • Leah Muir, Musik
    Künstlerstipendium
    von April 2019 bis Juni 2019
  • Marion Hilliges, Kunstgeschichte
    Kulturelle Identität und Ortsbezug. Die Neukonstitution von Stadträumen in Ragusa (Dubrovnik) Postdoc
    von Mai 2019 bis Juni 2019
  • Snezana Nesic, Musik
    Künstlerstipendium
    von Juli 2019 bis September 2019
  • Jost Wischnewski, Bildende Kunst

    Künstlerstipendium
    von Juli 2019 bis September 2019
  • Dagmara Kraus, Literatur

    Künstlerstipendium
    von Oktober 2019 bis Dezember 2019
  • Boris Yoffe, Musik/Komposition

    Künstlerstipendium
    von Oktober 2019 bis Dezember 2019

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