Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

Juli 2018

  • Tatiana Korneeva, Literaturwissenschaft (Freie Universität Berlin, Prof. Joachim Küpper)
    Die Opera Buffa und die europäischen Höfe: Künstlernetzwerke und transnationaler Wissenstransfer zwischen Venedig und Sankt Petersburg (1750-1790)
    (Buchprojekt)

    Seinen thematischen Schwerpunkt legt das Projekt auf die Untersuchung des in der Mitte des 18. Jh.s bedeutsamen Phänomens der italienischen opera buffa. Insbesondere steht die politische und gesellschaftliche Rolle dieser Gattung als erkenntnistheoretisches Paradigma zur Untersuchung von Prozessen des Wissenstransfers zwischen West- und Osteuropa im Zentrum des Forschungsinteresses. Dabei verfolgt das Projekt zwei Ziele: Zunächst wird die Rolle der opera buffa im russischen und österreichischen Kaiserreich sowie an den deutschen Höfen als ein Instrument zur Erforschung der komplexen Austauschprozesse zwischen absolutistischer Politik und den Künsten eruiert, wobei insbesondere der Einfluss dieser speziellen dramatischen Form auf die ästhetischen Praktiken und die sich herausbildende Öffentlichkeit deutlich werden soll. Zweitens wird die opera buffa – eine weit verbreitete Kunstform, über welche reichhaltiges Forschungsmaterial zur Untersuchung der kulturübergreifenden Zirkulation von Kunst und zur Analyse von Systemen des Wissenstransfers in Europa existiert – als Fallstudie berücksichtigt, um den komplexen interkulturellen Transfer der Opernrepertoires, die Mobilität der Künstler sowie die Wechselwirkungen diverser dramatischer Gattungen an und zwischen den europäischen Höfen eingehend zu untersuchen.
    von März 2018 bis August 2018
  • Elisabeth Maria Probst, Musikwissenschaft (Karl-Franzens-Universität Graz, Prof. Dr. phil. Michael Walter)
    Teatro Sociale di Udine (1764-1905) betreffend das Produktionssystem eines Opernhauses einer italienischen Provinzstadt, mit u.a. Verbindungen zum Opernhaus La Fenice in Venedig, im sozialgeschichtlichen Kontext der Opernforschung.
    Das vorliegende Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit einem Teil des Archivbestandes des Teatro Sociale di Udine, das als Theater- und Opernhaus etwa 150 Jahre das kulturelle Leben der Stadt Udine prägte. Bisher gibt es nur wenige Publikationen über das Haus. Anhand der Agenden des Impresarios Cesare Trevisan, welcher zwischen 1867 und 1876 das udineser Opernhaus für die Durchführung von sieben Sommerspielzeiten pachtete, soll gezeigt werden, wie die Produktionsmechanismen für die Gattung „Oper“ an einem durchschnittlichen italienischen Theater in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts funktionierten. Vergleichend dazu soll Quellenmaterial des Gran Teatro La Fenice in Venedig herangezogen werden, wo Trevisan im selben Zeitraum ebenfalls für eine Opernspielzeit verantwortlich war, und welches noch heute zu den berühmtesten Opernhäusern ersten Ranges zählt. Besonderer Wert wird dabei einem interdisziplinären Ansatz beigemessen, um die gesellschaftspolitischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen der Zeit berücksichtigen zu können. Hervorzuheben sind außerdem Kooperationen zwischen Udine und Venedig, beide Städte der ehemaligen Venezianischen Republik.
    von Juli 2018 bis August 2018
  • Ursula Winter, Romanische Literaturwissenschaft (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt - Prof. Dr. Barbara Kuhn)
    Die Briefe der venezianischen Nonne Arcangela Tarabotti (Teilprojekt im Rahmen des Dissertationsvorhabens „Les religieuses à l’écriture. Entre espace et émotion dans le roman épistolaire français et italien“)
    Arcangela Tarabotti lebte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Kloster Sant’Anna in Castello in Venedig. In Büchern wie Paradiso monacale, L’inferno monacale und Tirannia paterna hat sie sich kritisch mit dem monastischen Leben und den Zwängen ihrer Zeit auseinandergesetzt – Aspekte, unter denen auch die Protagonistinnen vieler aus der Sicht einer Nonne erzählten Briefromane leiden. Darüber hinaus sind zahlreiche Briefe erhalten, die Tarabotti an kulturell und politisch bedeutsame Persönlichkeiten ihrer Epoche geschrieben hat. Da seit der Entstehung des Briefromans fiktionale und nicht-fiktionale Korrespondenzen einander wechselseitig befruchten, so dass die Grenzen zwischen beiden ebenso verschwommen wie beweglich sind, sollen die authentischen Nonnenbriefe den untersuchten Briefromanen gegenübergestellt werden. Der Vergleich von historischen Dokumenten und Fiktion ermöglicht es, einerseits Authentifizierungsstrategien der Autoren leichter nachvollziehen und andererseits Erzähltechniken im Hinblick auf die literarische Gestaltung des Raumes und ihr Wechselspiel mit der Emotionsdarstellung noch deutlicher herausarbeiten zu können, als es im Rahmen einer allein auf die Analyse der Briefromane gestützten Studie möglich wäre.
    von Juli 2018 bis August 2018
  • Alberto Bardi, Byzantinistik (LMU München, Prof. Dr. Albrecht Berger)
    Kardinal Bessarion und die persische Astronomie
    ((Postdoc, monographische Studie))

    Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts, als die Osmanen die Reste des byzantinischen Reichs zu erobern begannen, emigrierten griechische Gelehrte nach Italien und kamen unter anderem auch nach Venedig. Von ihren Kenntnissen profitierten auch die italienischen Gelehrten, die sie übernahmen und weiterentwickelten. Venedig zeigt sich damit als Brücke zwischen den westlichen und nahöstlichen Kulturen. Von daher lässt sich auch der Transfer des wissenschaftlichen Erbes der Byzantiner nach Europa durch die Vermittlung Venedigs verstehen, aber dieser Transfer und die Beziehungen zwischen byzantinischen und venezianischen Gelehrten sind bisher wenig erforscht und noch zu klären. Eine entscheidende Grundlage dafür ist die Handschriftensammlung des Kardinals Bessarion in der Biblioteca Nazionale Marciana in Venedig. Der wichtigste Teil des Erbes der griechischen Wissenschaft liegt in diesen Handschriften, die Bessarion 1468 der Stadt Venedig schenkte.
    Bessarion ist einer der byzantinischen Gelehrten, die sich u.a. für Wissenschaft interessierte, und dabei besonders für Astronomie. Das Interesse Bessarions für die Werke des Ptolemäus (überhaupt für den Almagest) ist wohlbekannt, aber neue Hinweise lassen darauf schließen, dass er sich auch mit persischer Astronomie beschäftigt hat. In seiner Handschrift Marcianus graecus Z. 333 ist ein Text der persischen Astronomie überliefert, den Bessarion mit wichtigen Ergänzungen modifizierte. Dieser Text heißt Παράδοσις εἰς τοὺς περσικοὺς κανόνας τῆς ἀστρονομίας, also Darstellung der persischen Tafeln der Astronomie (künftig Paradosis). Er ist anonym und wurde kurz nach dem Jahr 1352 wahrscheinlich in Konstantinopel verfasst. Es geht um eine Anleitung zur Verwendung eines Systems persischer astronomischer Tafeln. Das Interesse Bessarions an der persischen Astronomie geht nicht nur aus seiner eigenen Abschrift hervor, sondern auch daraus, dass er vier Abschriften dieses Textes und eine lateinische Übersetzung besaß, die sich in der auf die Jahre 1408–22 datierbaren Handschrift Marcianus latinus VIII 31 befindet. Die Bedeutung der Paradosis in Byzanz wird durch die Qualität der Handschriften bewiesen, die diesen Text überliefern, und die Gelehrten, die ihn kopiert haben, nämlich Isaak Argyros, Theodoros Meliteniotes, Johannes Chortasmenos und eben Bessarion. Sie sind die bedeutendsten byzantinischen Gelehrten des 14. und 15. Jahrhunderts.
    Der griechische Text der Paradosis ist in meiner Dissertation ediert (Kritische Edition, editio princeps), aber ein Vergleich mit der lateinischen Übersetzung kann dort nicht geboten werden.
    Die Handschrift Marcianus latinus VIII 31 wird direkt im Handschriftlesesaal der Marciana untersucht. Die neuen Daten werden in den Kontext der byzantinischen und venezianischen Gelehrtenwelt des 15. und 16. Jahrhundert eingefügt und diskutiert. Insgesamt werden die Ergebnisse dieser Untersuchung einen Beitrag zum besseren Verständnis des Übergangs der Wissenschaft von Byzanz nach Venedig leisten. Dieser Beitrag ist interdisziplinär und bewegt sich in den Forschungsgebieten der Byzantinistik, der Wissenschaftsgeschichte und der Geschichte von Venedig.
    von Mai 2018 bis September 2018
  • Albrecht Pischel, Bildende Kunst

    von Juli 2018 bis September 2018
  • Martin Daske, Musik/Komposition
    „Folianten" und „WALLS #Venezia"
    Ende der 1980er Jahre habe ich eine 3-dimensionale Notation entwickelt, die „Folianten“. Es sind Skulpturen, die sich als Partituren lesen lassen und die in musikalischen Strukturen aufgebaut sind. Dass die Skulpturen auch als eigenständige bildende Kunst bestehen, zeigen zahlreiche Ausstellungen und Verkäufe. Jeder Foliant ist für ein bestimmtes Instrument oder Ensemble komponiert und natürlich ein Unikat. In Venedig möchte ich ein bis drei Folianten erstellen, wobei sich als Material Glas anbietet. Ich hoffe, Unterstützung eines Glasbläsermeisters zu finden, der mich in dieser Kunst unterrichtet …

    Im letzten Jahr habe ich ein mehrteiliges Kunstvideoprojekt begonnen: WALLS

    Das Videomaterial besteht aus Häuserwänden einer Stadt, die mit einer Handkamera im Vorbeigehen aus 1-2 Meter Abstand gefilmt werden; das Audiomaterial für die Komposition aus Field-recordings, die ebenfalls in dieser Stadt, aber unabhängig vom Bildmaterial gemacht werden. Der erste Film entstand 2017 in Oaxaca, Mexiko. In Venedig könnte ein zusätzlicher Bildschwerpunkt auf dem Bereich dicht über der Wasseroberfläche liegen - was dann von einem Boot aus gefilmt werden müsste …
    von Juli 2018 bis September 2018
  • Yasuko Yamaguchi, Musik/Komposition
    Venedig-Projekt
    Ich höre gerne zu und beobachte meine Umgebung, auch Tiere und Naturereignisse. Mit etwas zeitlicher Distanz verarbeite ich diese Eindrücke (manchmal auch jene eher unscheinbaren, zunächst sich nicht aufdrängenden, aber später umso deutlicher hervortretenden) zu neuen Stücken.
    Die Absicht vor meiner Anreise war es, ein Klavierstück zu komponieren, das den Klang der Wellen reflektiert und auf das Leben in einem „Arcipelago“ reagiert, in Anspielung auch an Luigi Nonos großes Meisterwerk „…. sofferte onde serene .…“.
    Seit meiner Ankunft finde ich mich allerdings mit ganz anderen Reizen und Umständen konfrontiert: den fast pausenlos brummenden Vaporetto-Motoren, den tosenden Touristenströmen, aber auch dem tollen „Surround-Konzert“ der vielen Glocken in den Türmen und dem großartigen, oft nächtelang anhaltendem Geschrei der Möwen. Und letztlich - wenn ich vorsichtig lausche - vernehme ich eben doch auch den Klang der Wellen.
    Bei all diesen Eindrücken vermag ich im Moment noch nicht einzuschätzen, „wohin“ sich das Klavierstück entwickeln wird. Im Moment revidiere ich meine Orgelkomposition „Hirtenmusik“ für eine Aufführung in diesem Winter in Japan und genieße dabei das große Glück, in Venedig, der Stadt meines Lieblingskomponisten Luigi Nono und der Stadt Monteverdis, leben zu dürfen und dem Klang der engen, widerhallenden Gassen zu lauschen.
    von Juli 2018 bis September 2018
  • Eileen Bergmann, Geschichtswissenschaft (Mittelalterliche Geschichte - Universität Trier, Prof. Dr. Petra Schulte)
    Der venezianische Consiglio dei dieci in der Zeit der Handelssperren Sigismunds (1412-1433)(Dissertationsvorhaben)
    Auch wenn der Mythos-Venedig eine besondere Stabilität der Republik postuliert, stand Venedig in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vor einer Vielzahl von politischen, ökonomischen, sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die es zu bewältigen galt. Eine besondere Rolle nahm dabei der 1310 gegründete Consiglio dei dieci ein, der ein entscheidender Bestandteil des politischen Kompetenz- und Kontrollsystems in Venedig war und sich in erster Linie mit Angelegenheiten der Staatssicherheit und damit einhergehend mit der Gefahrenabwehr befasste. Neben krisenhaften Ereignissen rund um die Handelssperren (1412-13, 1418-1433), die der ungarische und römisch-deutsche König Sigismund (*1368 / †1437) gegen die Serenissima verhing, werden im Rahmen des Dissertationsvorhabens weitere Problemkomplexe, auf die der Rat der Zehn reagieren musste, zu eruieren sein. Untersucht wird somit nicht nur, auf welche disruptiven Ereignisse die Mitglieder des Rats der Zehn reagierten, sondern auch welche Strategien und Mechanismen sie zur Krisenbewältigung entwickelten, um die Stadt vor krisenhaften Ereignissen widerstandsfähiger zu machen.
    von April 2018 bis Dezember 2018

Zukünftige Stipendiaten

  • Gerda Brunnlechner, Mittelalterliche Geschichte (Fern-Universität in Hagen, Prof. Dr. Felicitas Schmieder)
    Die ‚Genuesische Weltkarte‘ von 1457‘ – ein raumzeitliches Gewebe
    von September 2018 bis November 2018
  • Matthias Bürgel, Romanische Philologie
    von September 2018 bis Februar 2019
  • Klaus Johannes Thies, Literatur
    von Oktober 2018 bis Dezember 2018
  • Sabine Scholl, Literatur
    von Oktober 2018 bis Dezember 2018
  • Nikolaus Bienefeld, Architektur
    von Oktober 2018 bis Dezember 2018
  • Katharina Sophia Hüls, Kunstgeschichte - Prof. Dr. Oy-Marra Universität Mainz
    Italiens Kunsthandel während des Zweiten Weltkrieges – Käufer, Händler und Vermittler (Dissertationsvorhaben)
    von Oktober 2018 bis Januar 2019
  • Sebastian Richter, Musikwissenschaft, HfMT Köln, Prof. Dr. Sabine Meine
    von November 2018 bis Januar 2019
  • Jutta Dresken-Weiland, Christliche Archäologie
    Die Reliefsäulen von San Marco als bedeutendes Denkmal frühchristlicher Kunst
    (Postdoc)
    von Dezember 2018 bis Dezember 2018
  • Anna Katharina Pieper, Geschichte - Prof. Dr. Johannes Paulmann, JGU Mainz
    "Annäherung im imperialen Kontext. Katholizismus und Kolonialpolitik im liberalen Italien (1878-1912)"
    (Dissertationsvorhaben)
    von Januar 2019 bis März 2019
  • David Wagner, Literatur
    Künstlerstipendium
    von Januar 2019 bis März 2019
  • Anahita Razmi, Bildende Kunst

    Künstlerstipendium
    von Januar 2019 bis März 2019
  • Ella Beaucamp, Kunstgeschichte - Ludwig-Maximilians-Universität München - Dr. Philippe Cordez
    (Dissertationsvorhaben)
    von Januar 2019 bis Juni 2019
  • Matthias Schulz, Kunstgeschichte (HBK Braunschweig, Prof. Dr. Victoria von Flemming)
    Morphologische Identitäten zwischen Organik und Anorganik im Oeuvre Andrea Mantegnas (Arbeitstitel)
    von Februar 2019 bis März 2019
  • Fabien Vitali, Italienische/Frz. Literaturwissenschaft - CAU zu Kiel, Prof. Dr. Rainer Zaiser + Uni HH, Prof. Dr. Marc Föcking
    von März 2019 bis August 2019
  • Degenhard Andrulat, Bildende Kunst

    Künstlerstipendium
    von April 2019 bis Juni 2019
  • Leah Muir, Musik
    Künstlerstipendium
    von April 2019 bis Juni 2019
  • Andreas Flurschütz da Cruz, Neuere Geschichte - Prof. Dr. Mark Häberlein Universität Bamberg
    von April 2019 bis September 2019
  • Snezana Nesic, Musik
    Künstlerstipendium
    von Juli 2019 bis September 2019
  • Jost Wischnewski, Bildende Kunst

    Künstlerstipendium
    von Juli 2019 bis September 2019
  • Dagmara Kraus, Literatur

    Künstlerstipendium
    von Oktober 2019 bis Dezember 2019
  • Boris Yoffe, Musik/Komposition

    Künstlerstipendium
    von Oktober 2019 bis Dezember 2019

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