Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

April 2020

  • Giovanni Maria Falconetto (1468–1535) als Maler. Monografie und Werkverzeichnis
    Kunstgeschichte (LMU München, Prof. Dr. Ulrich Söding)
    Der oberitalienische Maler und Architekt Giovanni Maria Falconetto war gewiss kein eigenständiger Genius. Vielmehr hat man es mit einem technisch und thematisch vielseitigen Entdecker und Sammler zu tun, der begierig künstlerische Impulse von außen aufnimmt und in sein Werk integriert. Für die Veroneser Oberschicht entwarf er monumentale Scheinarchitekturen im sakralen Innenraum und antikisierende Fassadendekorationen zur öffentlichen Repräsentation. Während des habsburgischen Intermezzos in Verona malte er für deutsche Adelige im Gefolge Kaiser Maximilians I. heraldische Dekorationen, die der politischen Legitimation dienen sollten. Bevor er sich schließlich ganz seinen architektonischen Projekten widmete, stattete er einen Saal im Palazzo D’Arco in Mantua mit einem astrologischen Freskenzyklus aus, der als Rätselbild zur Unterhaltung der humanistisch gebildeten Gäste des Auftraggebers aus dem Umfeld der mantuanischen Markgrafenfamilie beitrug. Der Künstlerbiograph Giorgio Vasari rühmt Giovanni Maria Falconetto als Architekten, tadelt ihn aber als Maler. Auch aufgrund dieses geringschätzigen Urteils ist das malerische Werk des oberitalienischen Künstlers lange Zeit nur stiefmütterlich behandelt und bis heute noch nicht monografisch bearbeitet worden. Ziel des Dissertationsvorhabens ist die vollständige Erfassung in Wort und Bild, die kunsthistorische Erforschung und soziokulturelle Einordnung des malerischen Œuvres von Giovanni Maria Falconetto. Durch die Untersuchung der originalen Werke und Quellen soll ein kritisches Werkverzeichnis mit fotografischer Dokumentation aller gesicherten, fraglichen, aber auch abgeschriebenen Werke erstellt werden. Anhand von stilistischen und maltechnischen Vergleichen und unter Berücksichtigung der historischen Situation, des gesellschaftlichen Kontexts und des künstlerischen Umfelds soll darüber hinaus versucht werden, dem intellektuellen Profil dieses vielseitigen und aufgeschlossenen Künstlers auf die Spur zu kommen.
    Von März 2020 bis August 2020
  • Ars Mercatantia. Die Kunst des Handels in Amalfi, Venedig und Genua (11.-14. Jh.)
    Objekte – Bilder – Praktiken
    (Dissertationsvorhaben)

    Kunstgeschichte - Ludwig-Maximilians-Universität München - Dr. Philippe Cordez
    Ausgehend von drei Objektgruppen untersucht das Dissertationsprojekt die Ästhetik der Warengestaltung und ihre ökonomischen Voraussetzungen in Amalfi, Venedig und Genua zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert. In dieser Zeit war die mediterrane Wirtschaftsentwicklung vor allem durch die kommerzielle Expansion der italienischen Seerepubliken geprägt: Kaufleute aus den maritimen Stadtstaaten organisierten im Zusammenspiel mit ihren arabischen, byzantinischen, persischen und mongolischen Partnern den Warenverkehr zwischen dem Mittelmeer bis an die Märkte Zentralasiens. Dabei wurden Objekte konzipiert, deren Herstellung nicht nur von den gehandelten Rohstoffen abhing, sondern deren formale Gestaltung sich auch an den neuen Märkten orientierte: Elfenbeinhörner aus Süditalien, die venezianische Kunst der Kristallminiaturen und die unter genuesischer Mitwirkung fabrizierten Seiden zeugen nicht nur von den weitreichenden Kontakten der merkantilen Eliten in einem von kommerzieller und politischer Rivalität geprägten Zeitraum. Als erfolgreiche Waren dokumentieren diese Objekte auch die komplexen Formen kultureller Begegnung zwischen den mit ihnen handelnden Akteuren.
    Von Januar 2020 bis Juni 2020
  • Studentische Mobilität aus der Erzdiözese Köln an die italienischen Universitäten (15.–17. Jahrhundert)
    Geschichte (Johannes Gutenberg Universität Mainz, Prof. Dr. Michael Matheus)
    Thema des Promotionsvorhabens ist die studentische Mobilität von nördlich der Alpen an die italienischen Universitäten, die am Beispiel der Studenten aus der Erzdiözese Köln im Zeitraum von der Gründung der Universität Köln 1388 bis ins 17. Jahrhundert untersucht wird. Insbesondere Rechts- und Medizinstudenten zogen für ihr Fachstudium an die Universitäten Padua, Bologna, Siena, Ferrara, Pavia, Rom, Pisa und Perugia. Ziel der Arbeit ist zum einen die Erfassung der Studenten in einer Nodegoat-Datenbank und zum anderen die Auswertung der Personendaten mithilfe dieser. Im Zentrum der Analyse steht die Entwicklung und Veränderung des Studien- und Promotionsverhaltens der Studenten. Gefragt wird nach der sozialen Zusammensetzung der nach Italien ziehenden Studenten, nach ihren Motiven für ein Studium in Italien sowie den Faktoren für die Wahl des Studienfaches, des angestrebten Abschlussgrades und der besuchten Universität. Berücksichtigt werden auch die nachfolgenden Karrieren der Studenten, ihre Vernetzung als regionale Bildungselite und die Wechselwirkung zwischen Promotionsverhalten, Karrieremöglichkeiten sowie Akademisierungs- und Professionalisierungstendenzen im Reich.
    Von April 2020 bis September 2020
  • Alimentäre Metaphern, Überfluss und Hungersnot in Venedig im 16. Jahrhundert. Postdoc-Forschungsprojekt
    Romanistik
    In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts widmet sich die venezianische Druckkunst einer immer vielfältigeren Produktion, bietet Übersetzungen und Umschreibungen der Klassiker und der Humanisten an und etabliert sich auf dem internationalen Markt. Die Besonderheit der Werke von Intellektuellen wie Anton Francesco Doni und Ortensio Lando ist das kontinuierliche Zitieren aus unterschiedlichen Quellen, wobei die Universalität des enzyklopädischen Wissens aufgehoben und parodiert wird. Gleichzeitig ahmen die dramaturgischen Werke und Episteln von Andrea Calmo die Unterschicht mittels der systematischen Anwendung des venezianischen Dialekts nach. Das Forschungsprojekt analysiert die in Venedig veröffentlichten Werke dieser Autoren mit Fokus auf die Passagen, in denen Nahrung und Lebensmittel, im eigenen und metaphorischen Sinne, eine zentrale Rolle spielen. Sie stellen eine fruchtbare Beziehung zwischen der Darstellung des materiellen Kontexts des Alltags, idealen Gesellschaften und kollektiven Wünschen her. Insbesondere werden die Motive des Überflusses – wie bei opulenten Gastmählern, geselligem Beieinandersein oder Gefräßigkeit – und der Hungersnot, des Fastens und des Maßhaltens, sowohl in ihren moralischen als auch in ihren spielerischen und satirischen Funktionen in Betracht gezogen.
    Von November 2019 bis April 2020
  • Die narrativen Strukturen des Divertimento per li Regazzi Domenico Tiepolos vor dem Hintergrund der zeitgenössischen venezianischen Theaterpraxis. Postdoc
    Kunstgeschichte
    In den letzten Jahren seines Lebens, zwischen 1797 und 1804, schuf Giovanni Domenico Tiepolo ein Korpus von 104 Zeichnungen mit dem Titel Divertimento per li Regazzi gab. Die Blätter zeigen allesamt Pulcinella – oder genauer gesagt nahezu immer eine Gruppe von Pulcinelli – in den verschiedensten Situationen. Im Zentrum der Darstellungen steht damit eine Figur aus dem Kontext der Commedia dell’Arte, die in Venedig vor allem als Protagonist des Puppentheaters, aber auch als Karnevalskostüm oder Straßenunterhalter in Erscheinung trat. Das Divertimento enthält Kindheits- und Familienszenen, ländliche Partien und Feste sowie Begegnungen mit exotischen Tieren und Fabelwesen. Auch kann man Pulcinelli bei der Ausübung unterschiedlicher Berufe beobachten oder wird Zeuge, wie sie altern und sterben, mit Rutenschlägen bestraft oder hingerichtet werden. Das Divertimento trägt zwar viele charakteristische Züge einer biographischen Erzählung, im Gegensatz zu einem ‚gewöhnlichen‘ narrativen Bildzyklus ist es aber nicht möglich, alle Zeichnungen zu einer konzisen Erzählung zu verbinden. Es gibt keine klar erkennbare Anordnung der Blätter, keinen eindeutig intendierten Erzählverlauf. Stattdessen wird dem Betrachter ein weiter narrativer Spielraum eröffnet, um mithilfe der Zeichnungen selbst zum Erzähler unterschiedlicher Geschichten zu werden. Mein Projekt wird diese besondere performative Praxis, die die Zeichnungen erlauben, genauer betrachten und sie in den Kontext unterschiedlicher theatraler Gattungen stellen, die Tiepolo als mögliche Inspirationsquelle für dieses Komplexe künstlerische Unterfangen gedient haben können. Wo also übernimmt und adaptiert der Maler beispielsweise Strukturen und Techniken aus der Commedia dell’Arte oder Puppentheater und wie setzt er sie in seinen Zeichnungen um?
    Von März 2020 bis August 2020

Zukünftige Stipendiaten

  • Kunststipendium
    Von April 2021 bis Juni 2021
  • Kooperation zwischen Ungleichen: Die Republik Venedig und die deutschen Fürsten als militärische Verbündete im 17. und 18. Jahrhundert, Habilitationsprojekt
    Von Mai 2020 bis Juni 2020
  • Altarbild von den Gebrüdern Dossi    
    Juli 2020
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020
  • Von Juli 2020 bis Dezember 2020
  • Von September 2020 bis November 2020
  • Bildwitz? Phänomene des Komischen in der Venezianischen Kunst der Frühen Neuzeit. Habilitationsprojekt
    Von August 2020 bis September 2020
  • Kunststipendium
    Von April 2021 bis Juni 2021
  • Rousseau als Gesandter (Venedig 1743-1744). Habilitationsprojekt
    Von Oktober 2020 bis November 2020
  • Das Künstlerbuch als multimediale Enzyklopädie. Kunststipendium
    Von Juli 2020 bis September 2020
  • Kunststipendium
    Von Juli 2020 bis September 2020
  • Kunststipendium
    Von Oktober 2020 bis Dezember 2020

 

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