Deutsches Studienzentrum in Venedig

Derzeitige Stipendiaten

Januar 2021

  • Das Altarbild der Gebrüder Dossi
    Postdoc-Forschungsprojekt

    Kunstgeschichte

    Museen prägt nicht nur eine Geschichte des Sammelns, sondern auch eine Geschichte des Entsammelns. Die Berliner Gemäldegalerie überließ zahlreichen Kirchen, als Leihgabe oder Geschenk, Gemälde, die in einer jüngst erschienenen Publikation, zusammengetragen, und dem kunsthistorischen Diskurs erstmals zugetragen werden konnten (Andreas Raub, Museumsbilder auf Altären, Berlin 2020).
    Besonders aufschlussreich ist der Fall des knapp 3 m hohen Altarbildes, das die Berliner Museumsbeamten 1829 für die evang. Pfarrkirche zu Lübbecke (Westfalen) auswählten und die ungewöhnliche Ikonographie einer Taufe Christi mit dem Sieg des Erzengels Michaels kombiniert. Das der Forschung bis dato unbekannte, bei der Abgabe Dosso und Battista Dossi zugeschriebene Altarbild gelangte über den Kunsthändler Edward Solly in den Besitz der preußischen Krone und ist in historischen Beschreibungen der Benediktinerabtei zu Modena fassbar.
    Das Studium des reichen Archivmaterials des Archivio di Stato di Modena verspricht die Entstehungsumstände der Tafel, ihren Künstler und Auftraggeber sowie ersten Bestimmungsort zu rekonstruieren. Auf diese Weise soll ein bedeutendes Werk der Schule von Ferrara in seiner Entstehungs- und abenteuerlichen Ausstellungsgeschichte gewürdigt, und das historische Bewusstsein für das vielfältige Erbe von Museumsgeschichte  vertieft werden.

    Januar 2021
  • Kunststipendium
    Musik/Komposition
    Von Januar 2021 bis März 2021
  • Die Geburt des literarischen Handlungsballetts in Italien (1760-1820) Postdoc
    Literaturwisenschaft
    Im Projekt „Die Geburt des literarischen Handlungsballetts in Italien (1760-1820)“ erforsche ich, wie Ballettmeister im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert literarische Handlungen in Bewegungen umsetzten. Dabei geht es unter anderem um die Untersuchung der Rolle des italienischen Balletts, das einen originellen Beitrag zur europäischen Tanzgeschichte leistete, in der Rezeption literarischer Texte.
    Das Projekt umfasst den Zeitraum von der Geburt des ballet d’action (dramatisches Handlungsballett) als eigenständiges Genre bis zum Vorabend des romantischen Balletts. Meine bisherigen Forschungen ergaben, dass in diesem Zeitraum mehr komplexe literarische Ballette in Italien geschaffen wurden als in allen anderen Ländern, was unter anderem mit Italiens außergewöhnlicher Pantomimetradition zusammenhängt. Zu diesen Balletten gibt es in verschiedenen Archiven und Bibliotheken in Venedig, vor allem in der Fondazione Cini, einen großen Reichtum an beinahe unerforschten Dokumenten. Deren systematische Untersuchung erlaubt die Beantwortung folgender Forschungsfragen: Welche literarischen Werke wurden in Italien in Ballette umgesetzt, und warum wählten Ballettmeister gerade diese Quellen? Wie wurden diese Texte verändert, wenn sie in ein wortloses Genre umgesetzt wurden? Welche anderen Faktoren (beispielweise Theaterkonventionen, finanzielle Ressourcen, verfügbare Tänzer, Zensur) haben den Umwandlungsprozess beeinflusst? In welchem Verhältnis stehen diese Adaptationen zu anderen Umsetzungen derselben Quelle, beispielsweise in der Oper und im Theater, und zu parallelen Entwicklungen in der europäischen Tanzgeschichte? Dabei interessiere ich mich besonders für regionale Unterschiede, die unter anderem mit der politischen Situation zusammenhängen in einer Zeit, in der Italien noch keine Einheit bildete und Teile des Gebiets von ausländischen Mächten dominiert waren.
    Januar 2021
  • Die barocke Gleichnisarie
    Monographie

    Romanistik, Übersetzungs- und Musikwissenschaft
    Von Januar 2021 bis Februar 2021
  • Der zypriotische Adel im 15. Jahrhundert: Kulturelle und religiöse Identitäten, gesellschaftliche Strukturen
    Byzantinistik (JGU Mainz, Prof. Johannes Pahlitzsch u. University of Cyprus, Prof. A. Beihammer)
    Die ehemals byzantinische Provinz Zypern befand sich im 15. Jahrhundert seit gut zweihundert Jahren unter der Kreuzfahrerherrschaft der Familie Lusignan. Die herrschende Schicht dieses Staates bestand ursprünglich aus zugewanderten Adelsfamilien aus Westfrankreich und der Levante. Die Dissertation untersucht, wie sich diese Adelsgruppe durch Kontakte mit anderen Bevölkerungsgruppen auf der Insel wie griechisch- und syrisch-orthodoxen Zyprioten sowie durch bestimmte politische Ereignisse im 15. Jahrhundert veränderte. Wie setzte sich der Adel zusammen? Können bestimmte Machtzentren und Untergruppen ausgemacht werden? Wie definierte die Gruppe ihre eigene Identität? Die venezianischen Archive sind eine wichtige Quelle für die zypriotische Geschichte im Mittelalter. Deswegen möchte ich hier nach Dokumenten wie z.B. Heiratsurkunden und Testamenten zypriotischer Adeliger suchen, die Aufschluss über ihre Identität und die Verbindungen zwischen den Familien geben.
    Von November 2020 bis April 2021
  • Das Meer der Neuchristen: Mobilität und Ambiguität konvertierter Juden und ihrer Nachkommen im Adriaraum des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit
    Postdoc-Forschungsprojekt

    Geschichte
    Ziel der Forschung ist es, die Präsenz und die Aktivitäten der apulischen Neophyten (cristiani novelli, neofiti) in Venedig und Ragusa zwischen dem 15. und 16 zu verfolgen. Diese waren Nachkommen der getauften Juden am Ende des 13. Jahrhunderts im Rahmen einer Massenkonversion nach der Eroberung des Königreichs Sizilien durch die angiovinische Dynastie. Die Konvertiten waren Eingeborene (also nicht iberisch/sephardischer Herkunft), deren "ambige" religiöse Identität der damaligen Gesellschaft, zumindest bis ins 17. Jahrhundert, bewusst war. Nachdem sie etwa ein Jahrhundert lang nicht wahrgenommen wurden, tauchten einige dieser Familien ab Anfang des 15. Jahrhunderts an den Universitates von Trani und Manfredonia auf. Das Projekt zielt darauf ab, eine prosopographische Datenbank der in Venedig und Ragusa dokumentierten neuen Christen zu erstellen, um eine quantitative Analyse des Präsenzumfangs zu erhalten und festzustellen, ob sie während des betrachteten Zeitraums kontinuierlich war. Es wird außerdem analysiert, wie (und ob) ihre zweideutige religiöse Identität in diesen adriatischen Städten wahrgenommen wurde und wie sie ihre Akzeptanz durch Behörden und andere gesellschaftliche Gruppen beeinflusst hat. Schließlich wird ihrer Rolle als auf den Getreideexport aus Apulien spezialisierte Händler besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Aus den bisher durchgeführten Voruntersuchungen geht hervor, dass einige Familiengruppen von der hohen Nachfrage profitieren konnten und eine teilmonopolistische Position des Lebensmittelangebots der verschiedenen adriatischen Zentren erreicht haben.
    Von Dezember 2020 bis Januar 2021
  • Quellenedition der Kreuzzugslegation Kardinal Bessarions in Venedig (1463-1464)
    Forschungsprojekt

    Byzantinistik
    Im Sommer 1463 kam im Namen des Papstes Pius II. der griechische Gelehrte und Unionsanhänger, Kardinal Bessarion (1400 ca. – 1472) nach Venedig, mit der Aufgabe, die Venezianer von der Notwendigkeit eines Kreuzzugs gegen die Türken zu überzeugen und sie vor allem durch kirchliche finanziellen Maßnahmen zu unterstützen.
    Die einjährige diplomatische Mission in Venedig darf in der Biographie des Kardinals einen besonderen Stellenwert beanspruchen, denn sie war der Gipfelpunkt seiner diplomatischen Karriere. Zudem verbinden sich in der Gestalt von Bessarion politisch-diplomatische Geschichte mit kulturwissenschaftlichen Methoden, etwa der Oratorik- und Transferforschung. Auf der Grundlage der venezianischen Interessen in den griechischen Gebieten sowie der gemeinsamen Widrigkeiten gegenüber den Türken bildet die venezianische Legation für den Byzantiner den wichtigsten Moment seines Eingliederungsprozesses in die politischen und kulturellen Verhältnisse Venedigs. Die Schenkung seiner griechischen Bibliothek an die Markusbasilika 1468 (das Kernstück der heutigen Marciana) krönt das vielfältige Verhältnis des Kardinals mit der Stadt und macht ihn zu einer Brückenfigur zwischen griechischem Osten und lateinischem Westen.
    Während seine theologische und philosophische Tätigkeiten schon lange und intensiv erforscht werden, fehlt eine systematische Darstellung der ungeheuer intensiven und in den Quellen ausgezeichnet dokumentierbaren Mitwirkung Bessarions bei den päpstlichen Kreuzzugsprojekten im dritten Viertel des 15. Jh.s. Bei diesem Desiderat setzt das Projekt an. Die allermeisten Quellen sind unediert und zum Großteil unbekannt. Die geplante historische Quellenedition bezüglich aller Aspekte der Legation will wesentlich dazu beitragen, diese massive historiographische Lücke zu schließen.
    Die Hauptorte der Quellenforschung zur Legation Bessarions sind folgerichtig in erster Linie der Wirkungsort des Legaten, Venedig (Archivio di Stato, Biblioteca di San Marco, Biblioteca del Museo Correr, Archivio del Patriarcato usw.) und Rom, als Zentrale seines päpstlichen Auftraggebers (Archivio Segreto Vaticano, Biblioteca Apostolica Vaticana, Archivio di Stato di Roma). Zudem enthalten die Archive Mailands, Mantuas, Florenz und Sienas einen enormen Umfang an Material, welches das legatinische Wirken des Kardinals in Venedig weiter beleuchten kann. Die Quellentypologie ist durch große Vielfältigkeit gekennzeichnet: diplomatische Kommunikation, Berichte von Gesandten, protokollierte Entscheidungen des venezianischen Senats, päpstliche und legatinische Bullen und Breven, private Korrespondenzen, venezianische Chroniken usw.
    Von diesem Standpunkt aus betrachtet wird die geplante Arbeit die bislang ausführlichste über eine Legation in Venedig für das ganze 15. Jh. sein.
    Von September 2020 bis August 2021
  • Die narrativen Strukturen des Divertimento per li Regazzi Domenico Tiepolos vor dem Hintergrund der zeitgenössischen venezianischen Theaterpraxis.
    Postdoc

    Kunstgeschichte
    In den letzten Jahren seines Lebens, zwischen 1797 und 1804, schuf Giovanni Domenico Tiepolo ein Korpus von 104 Zeichnungen mit dem Titel Divertimento per li Regazzi gab. Die Blätter zeigen allesamt Pulcinella – oder genauer gesagt nahezu immer eine Gruppe von Pulcinelli – in den verschiedensten Situationen. Im Zentrum der Darstellungen steht damit eine Figur aus dem Kontext der Commedia dell’Arte, die in Venedig vor allem als Protagonist des Puppentheaters, aber auch als Karnevalskostüm oder Straßenunterhalter in Erscheinung trat. Das Divertimento enthält Kindheits- und Familienszenen, ländliche Partien und Feste sowie Begegnungen mit exotischen Tieren und Fabelwesen. Auch kann man Pulcinelli bei der Ausübung unterschiedlicher Berufe beobachten oder wird Zeuge, wie sie altern und sterben, mit Rutenschlägen bestraft oder hingerichtet werden. Das Divertimento trägt zwar viele charakteristische Züge einer biographischen Erzählung, im Gegensatz zu einem ‚gewöhnlichen‘ narrativen Bildzyklus ist es aber nicht möglich, alle Zeichnungen zu einer konzisen Erzählung zu verbinden. Es gibt keine klar erkennbare Anordnung der Blätter, keinen eindeutig intendierten Erzählverlauf. Stattdessen wird dem Betrachter ein weiter narrativer Spielraum eröffnet, um mithilfe der Zeichnungen selbst zum Erzähler unterschiedlicher Geschichten zu werden. Mein Projekt wird diese besondere performative Praxis, die die Zeichnungen erlauben, genauer betrachten und sie in den Kontext unterschiedlicher theatraler Gattungen stellen, die Tiepolo als mögliche Inspirationsquelle für dieses Komplexe künstlerische Unterfangen gedient haben können. Wo also übernimmt und adaptiert der Maler beispielsweise Strukturen und Techniken aus der Commedia dell’Arte oder Puppentheater und wie setzt er sie in seinen Zeichnungen um?
    Von Juli 2020 bis Juni 2021
  • Kunststipendium
    Bildende Kunst
    Von Januar 2021 bis März 2021

Zukünftige Stipendiaten


 

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