Deutsches Studienzentrum in Venedig

Serena Cianciotto

Serena Cianciotto

Familienliteratur der Einwanderung aus dem Nordosten Italiens in deutschsprachige Länder
Postdoc-Projekt

Literaturwissenschaft

Die Geschichte der Massenauswanderung aus Venetien in die deutschsprachigen Länder begann im 19. Jahrhundert und betraf vor allem Bauern, Landarbeiter, Holzfäller, Brillenverkäufer und Eisverkäufer; es handelte sich um eine Art saisonaler Auswanderung, die zwar nur vorübergehender Natur war, jedoch Familien trennte und Millionen von Menschen dazu zwang, zwischen zwei Welten zu leben. Die Migrationsbewegung setzte sich dann im 20. Jahrhundert fort, wobei die Zahl der sogenannten Gastarbeiter aus der gesamten Halbinsel in der Nachkriegszeit bis in die 1970er und 1980er Jahre ihren Höhepunkt erreichte und sich zunehmend zu einem Phänomen entwickelte, das die gesamte Familie betraf. Auch nach mehreren Generationen, unabhängig davon, ob man nach Italien zurückgekehrt ist oder sich endgültig in der zweiten Heimat niedergelassen hat, bleibt die Migrationserfahrung im Gedächtnis des Einzelnen und der Familie präsent und trägt dazu bei, deren vielschichtige Identität zu prägen.
Das Ziel dieses Projekts ist in erster Linie, die historischen Elemente, auf denen das Migrationsphänomen beruht, durch archivarische Recherche in Dokumenten und der historisch-anthropologischen Literatur zu diesem Thema zu rekonstruieren; anschließend soll untersucht werden, warum das reichhaltige familiäre Gedächtnis zu diesem Thema im Falle der Nachkommen von Familien aus Nordostitalien in erster Linie durch mündliche und private Erzählungen weitergegeben wurde – im Gegensatz, wie sich zeigen wird, zu anderen Regionen – insbesondere denen im Süden –, wo familiäre Erzählungen über die Auswanderung häufig die literarische Form des Romans annehmen.

Von Juli 2026 bis September 2026