Deutsches Studienzentrum in Venedig

Andrea Maria Schenkel

Andrea Maria Schenkel

Zwischen Nähe und Verlust: Woolson und James in Venedig
Kunststipendium

Literatur

Während meines Aufenthalts in Venedig arbeite ich an einem Essay über Constance Fenimore Woolson, eine bedeutende amerikanische Autorin des 19. Jahrhunderts, die Romane, Kurzgeschichten und Gedichte verfasste. Im Zentrum meiner Untersuchung steht ihre enge Beziehung zu Henry James, die sowohl literarisch als auch biografisch von großer Bedeutung ist.

Ein besonderer Fokus liegt auf Woolsons letztem Lebensjahr: 1893 bezog sie eine Wohnung im Palazzo Orio Semitecolo Benzon am Canal Grande. Gezeichnet von den Folgen einer Influenza sowie von Depressionen, kam sie im Januar 1894 unter tragischen Umständen ums Leben, nachdem sie aus dem Fenster ihrer Wohnung im vierten Stock stürzte. Ob unglücklicher Sturz oder bewusst gewählter Freitod, konnte nie geklärt werden.

Der Tod Woolsons erschütterte Henry James zutiefst. In einem symbolischen Akt warf er ihre Kleidung in den Canal Grande – eine Geste, die als stiller Protest gegen gesellschaftliche Zwänge gelesen werden kann, die Frauen ein unabhängiges Leben und eine selbstbestimmte Sexualität erschwerten.

Im Rahmen meines Projekts werde ich nicht nur die historischen und literarischen Zusammenhänge untersuchen, sondern mich auch vor Ort mit dem Schauplatz der Ereignisse auseinandersetzen. Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit sich heute noch Spuren dieses Vorfalls rekonstruieren lassen und welche Bedeutung er im kulturellen Gedächtnis Venedigs besitzt.

Von April 2026 bis Juni 2026