Deutsches Studienzentrum in Venedig

Sophie Stackmann

Sophie Stackmann

Der Kiosk als kulturelles Erbe: Eine Untersuchung am Beispiel Venedigs
Postdoc-Projekt

Denkmalpflege

Kioske sind seit dem 19. Jahrhundert in europäischen Städten verbreitete Kleinarchitekturen, die als soziale Treffpunkte die Alltagskultur prägen. Sie gelten als urbane Refugien, die einen Beitrag gegen die zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft leisten. Jedoch verschwinden Kioske sukzessive aus dem öffentlichen Raum und werden in der Folge als gefährdetes kulturelles Erbe definiert, das einen Verlust des sozialen Zusammenhalts versinnbildlicht. Aufbauend auf dieser Beobachtung untersucht das Forschungsprojekt, wie Kioske als kulturelles Erbe gesellschaftlich angeeignet werden und welche Folgen diese Transformation sowohl für die soziale Wahrnehmung der Kioske als auch für deren materielle Gestaltung hat.
Am Beispiel Venedigs soll das skizzierte Forschungsprojekt vertieft werden. Untersucht werden dabei sowohl die sogenannten edicole in ihrem alltäglichen Gebrauch als auch ihre Einbettung in den venezianischen Stadtraum. Zudem werden das Warenangebot der Kioske dokumentiert und punktuell Interviews mit den Betreiber*innen geführt. Eine Recherche zur Entwicklung des öffentlichen Raums und seiner Möblierung ordnet die Kioske historisch ein. Zugleich wurden Kioske in Venedig wiederholt in Kunstprojekte eingebunden, die unter anderem im Kontext der Biennale stattfanden. Diese künstlerischen Aneignungen des Kiosks sollen ebenfalls in die Untersuchung einbezogen werden, um zu analysieren, inwiefern sie Bedeutungszuschreibungen an das Erbe „Kiosk“ verdichten oder selbst neue Zuschreibungen hervorbringen.

Juli 2026