Deutsches Studienzentrum in Venedig

Benjamin Fellmann

Benjamin Fellmann

Pier Paolo Pasolini auf der Biennale von Venedig:
Historische Präsenz und Rezeption in der internationalen Gegenwartskunst
Buchprojekt

Kunstgeschichte

Das Projekt dient mit Recherchen in Archiven und Bibliothek der Biennale di Venezia und weiterer Bibliotheken in Venedig und Umgebung der Vertiefung von Forschungen zur Wirkung von Pier Paolo Pasolini (1922–1975) auf die zeitgenössische Kunst in einer internationalen Perspektive von seinen Lebzeiten bis heute. Ziel des Buchprojektes ist es, erstmals systematisch der grundlegenden Wirkung von Leben und Werk Pasolinis auf die Gegenwartskunst nachzugehen und seiner Rezeption in Werken zahlreicher internationaler Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart.

Bildende Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichsten Disziplinen haben Pasolinis Leben und Werk als Inspirationsquelle für die Erforschung der Bedeutung künstlerischen Schaffens in hoch politisierten zeitgenössischen Gesellschaften aufgegriffen. Der Filmemacher, Dichter, Romanautor, Theoretiker, Journalist und Kritiker, der zu den Herausforderungen in Folge globaler wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen in den Nachkriegsjahrzehnten Stellung nahm, wird selbst zu einer Linse für künstlerische Verhandlungen von kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen, sozialen und ökologischen Auswirkungen des Kapitalismus, aber auch der Stellung poetischer und ästhetischer künstlerischer Arbeit in der Gesellschaft.

Venedig nimmt dabei eine Sonderstellung ein mit zwei maßgeblichen Fluchtpunkten: Pasolinis historische Präsenz auf der Biennale von Venedig sowohl selbst als Filmemacher, als auch im Austausch mit befreundeten Künstlern wie Fabio Mauri, zu Lebzeiten und retrospektiv nach seinem Tod; und die Rezeption von Pasolini in Werken der internationalen Gegenwartskunst im Rahmen der Biennale.

Im Fokus der Fragen steht unter anderem eine historische Politisierung der Gegenwartskunst im Blick auf eine Ausstellungspolitik insbesondere im Jahr 1974, in dem die Biennale sich inmitten eines Prozesses der institutionellen Neuausrichtung mit zahlreichen Ausstellungen, Film- und Theaterveranstaltungen, darunter Fabio Mauris monumentale Performance Che cosa è il fascismo, thematisch einem Zeichen für eine demokratische, antifaschistische Kultur verschrieb in Reaktion auf den Militärputsch unter Pinochet am 11. September 1973. Daneben wird die Präsenz von Pasolini auf der Biennale untersucht – sowohl mit seinem eigenen Werk als Filmemacher, als auch als Gegenstand von Werken auf der wichtigsten internationalen Ausstellung der Gegenwartskunst.

Juni 2026

Januar 2027