Deutsches Studienzentrum in Venedig

Marco Agnetta

Marco Agnetta

Die barocke Gleichnisarie
Monographie

Romanistik, Übersetzungs- und Musikwissenschaft

Das anvisierte Forschungsprojekt soll der Gleichnisarie als einem der prominentesten Versatzstücke der italienischen bzw. – genauer – der Venezianischen Barockoper gewidmet sein. Ziel des Venedigaufenthaltes ist die umfangreiche Recherche für eine Monographie über diesen Untersuchungsgegenstand, der sich an der disziplinären Schnittstelle zwischen Musikwissenschaft, angewandter Linguistik und Semiotik verortet. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Serenaten-, Kantaten- und Opernschaffen des Venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi. Die Gleichnisarie (i. d. R. eine Abgangsarie) ist eines der gestalterischen Versatzstücke einer prototypischen Barockoper, die darüber hinaus auch die Eingangssinfonia oder Ouver­türe, etliche die Handlung vorantreibende Rezitative, manche Ensembles und oft auch eingeschobene Instrumental?, Ballett- und Chorstücke beinhaltet. Vor allem die sich von der Handlung absetzenden, zur Kontemplation des Augenblicks oder zum Ausdruck der gegenwärtigen Gefühlslage eines Charakters vorgesehenen und deswegen oft als undramatisch gescholtenen Arien gehörten zum immer wieder neu verwerteten Repertoire von Komponisten und Gesangsvirtuosen. Diese führten besonders beliebte und eindrucksvolle Arien von Wirkstätte zu Wirkstätte gewissermaßen in ihrem Koffer mit und integrierten sie als Entlehnungen auch in andere Opernaufführungen (it. „arie di baule“, dt. ‚Kofferarie‘). Obwohl die heutige Forschung diese u. U. mehrfach entlehnten Stücke immer auf den jeweiligen Werkkontext beziehen und infolgedessen unter Umständen auch um- und neuinterpretieren muss, so bleibt doch die Abgeschlossenheit der Gleichnisarie als operatische Kleinform ihr wesentliches Charakteristikum. Nicht zuletzt deswegen eignet sie sich, aus einer semiotischen und medienwissenschaftlichen Perspektive betrachtet, für eine gesonderte und systematische Untersuchung.

Von Januar 2021 bis Februar 2021