Deutsches Studienzentrum in Venedig

Katharina Sophia Hüls

Katharina Sophia Hüls

Italiens Kunsthandel während des Zweiten Weltkrieges – Käufer, Händler und Vermittler
(Dissertationsvorhaben)

Kunstgeschichte - Prof. Dr. Oy-Marra Universität Mainz

Obwohl der Diskurs des nationalsozialistischen Kunsthandels und Kunstraubs in den vergangenen Jahren stark an Transparenz gewonnen hat und mittlerweile ausführliche – aber längst nicht abschließende – Abhandlungen zu den Umständen in Frankreich, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz die Forschungsliteratur bereichern, so hat sich jedoch auf Italien in dieser Hinsicht – wohl auch aufgrund der Sonderstellung als Bündnispartner bis 1943 – kaum wissenschaftliche Aufmerksamkeit konzentriert. Italien muss aber unbedingt in den Fokus der Provenienzforschung rücken, zwar weniger im Hinblick auf systematische Kunstraubaktionen, wie sie in den oben genannten Ländern stattgefunden haben, umso mehr aber in Bezug auf das nationalsozialistische Kunsthandelsgefüge. Dies bezeugen beispielhaft die 2007 von Malte König vorgenommenen Hochrechnungen der Kunstankäufe zu Beginn der 1940er Jahre: Wurden für das Führermuseum in Linz allein im Sommer 1941 in Italien Ankäufe in Höhe von 13.200.000 Lire getätigt, bereicherte gleichsam auch Hermann Göring seine Privatsammlung in großem Umfang mit italienischer Kunst, denn er ließ Ende 1941 in der deutschen Botschaft in Rom seine Erwerbungen in rund dreiunddreißig Kisten verpacken und mit einem Sonderzug gen Norden abtransportieren.
Zwar hatte Rodolfo Siviero (1911-1983) bereits zu Kriegsende die internationale Öffentlichkeit augenscheinlich für diese Problemstellung sensibilisiert, indem er nicht nur auf die florierenden Handelsbeziehungen der italienischen Kunsthändler zu den Nationalsozialisten hinwies – „I più solenni antifascisti dell’antiquariato [...] di colpo diventarono filo-tedeschi“–, sondern auch auf den daraus resultierenden regen und häufig illegalen Kulturgütertransfer aufmerksam machte, jedoch ist heute mehr als ein Jahrhundert später nach wie vor ungeklärt, welche „svariati antiquari di Roma, Firenze, Genova, Venezia“ welche Kunstobjekte des italienischen „patrimonio culturale“ an die Nationalsozialisten verkauft haben und mittels welcher Mechanismen diese aus dem Land transportiert werden konnten. Dieser Leitfrage gilt es grundlegend nachzugehen, wobei die Erforschung eminenter Schlüsselfiguren hierfür die zentrale Ausgangslage bildet.

Von Mai 2018 bis June 2018