Deutsches Studienzentrum in Venedig

Lisa Woop

Lisa Woop

Die Glasindustrie Venedigs in der Renaissance –
Zwischen geographischer Isolation und Präsenz im öffentlichen Raum

(Dissertationsvorhaben, Prof. Susanne Rau, Erfurt)

Geschichtswissenschaft, Frühe Neuzeit - Prof. Dr. Susanne Rau, Universität Erfurt

Die Objekte, die die venezianische Glasindustrie ab ca. 1450 hervorbrachte, waren als Luxusgüter in ganz Europa begehrt. Auch wenn sich die Tätigkeit der am Anfang noch „fioleri“ genannten Glasmacher bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, war die Renaissance die Blütezeit der venezianischen Glaskompositionen. Die ab dem Ende des 13. Jahrhunderts auf Murano ausgelagerte Industrie erlangte mit der Entwicklung des cristallo (um 1450) und darauf aufbauenden Schöpfungen wie dem Milchglas (lattimo) oder calcedonio und den neuen Verzierungstechniken, insbesondere der vertri filigrani, einen hervorragenden Ruf in ganz Europa und darüber hinaus. In der Renaissance erlebte die Industrie einen enormen Aufschwung, der ein wichtiger Teil der Entwicklung Venedigs in der Frühen Neuzeit wurde. Als Kompensation des abnehmenden Fernhandels sollten gewerblich-industrielle und landwirtschaftliche Produktion dienen. Viel wichtiger war jedoch der Prestigegewinn für die Stadt, den sie durch die filigranen Schöpfungen der Kunsthandwerker von Murano erfuhren. Eine so wichtige Industrie sollte also, auch wenn sie vor allem aus brandtechnischen Gründen aus der Hauptstadt verbannt worden ist, in ihr zu sehen sein, um so den Venezianern, aber vor allem auch den Besuchern der Stadt diese Kostbarkeiten zu zeigen. Im Rahmen des Dissertationsprojektes soll untersucht werden, auf welche Art und Weise die Glasmacher und ihre Produkte sichtbar waren. Als Untersuchungsbeispiele hierfür sollen der Verkauf der Glasprodukte, der aufkommende Murano-Tourismus und die Einbindung der Glasmacher in die Festlichkeiten der Serenissima dienen.

Von Mai 2018 bis June 2018