Deutsches Studienzentrum in Venedig

Eleonora Travanti

Eleonora Travanti

Der intellektuelle Austausch des Mailänder Aristotelikers Ottaviano Ferrari (1518–1586) mit dem Humanisten Paolo Manuzio (1512–1574) in Venedig und dem Gelehrten Gian Vincenzo Pinelli (1535–1601) in Padua
Postdoc

Geschichte der Philosophie

Ottaviano Ferrari ist ein mailändischer Aristoteliker, der in denselben Jahren wie Gerolamo Cardano an der Universität Pavia lehrte und später an den Scuole Canobbiane in Mailand wirkte. Er ist Verfasser zweier weithin bekannter, durch beträchtliche philologische Gelehrsamkeit ausgezeichneter Einführungswerke zum Corpus Aristotelicum, die in den Aldinen-Ausgaben in der Spätrenaissance in Venedig erschienen: De disciplina encyclio (1560) und De sermonibus exotericis (1575). Diese Traktate wurden von heterodoxen Aristotelikern an der Universität Padua und an der Academia Norica in Altdorf (Philipp Scherb, Ernst Soner, Michael Piccart und Melchior Goldast) rezipiert. Die Altdorfer Aristoteliker lehrten und publizierten beide Werke Ferraris 1606 in Frankfurt am Main unter dem Titel Clavis philosophiae peripateticae Aristotelicae neu. Sein Traktat wird rasch zu einem Referenzwerk des Renaissance-Aristotelismus und blieb mindestens bis zu Leibniz maßgeblich, der Ottaviano Ferrari in seiner Neuausgabe von Mario Nizolios De veris principiis ausdrücklich würdigt.

Im Laufe der Zeit ist jedoch die Figur und das Werk dieses von Leibniz als „berühmten und gelehrten Peripatetikers“ bezeichneten Denkers zunehmend und zu Unrecht in Vergessenheit geraten, und von Ottaviano Ferrari sind heute sowohl in der Geschichte der Philosophie als auch in der klassischen Philologie nur noch wenige Spuren erhalten. Es existieren nämlich weder Monographien noch historisch fundierte wissenschaftliche Studien, die seine spezifische Bedeutung für das Spätrenaissance-Aristotelismus rekonstruieren. Abgesehen von einigen sorgfältigen Studien zur Geschichte der Universität Pavia erweist sich die bislang verfügbare Literatur zu Ferrari als veraltet, bisweilen lückenhaft, bisweilen gänzlich unbegründet. Als mangelhaft und sogar irreführend erweisen sich vor allem die dort gebotenen biographischen Angaben, die unkritisch aus veralteten und nicht überprüften Quellen übernommen wurden. Dazu gehört die wiederholt vorgebrachte, unbelegte Behauptung, Ferrari habe Philosophie an der Universität Padua gelehrt. Hinzu kommt die Auslassung der engen Freundschaft zwischen Ferrari und Paolo Manuzio, wie sie durch den intensiven Briefwechsel zwischen beiden sowie zwischen Paolo Manuzio und seinem Sohn Aldo Manuzio der Jüngere belegt ist.

In meinem Projekt beabsichtige ich daher, die Biographie, die Ausbildung sowie die tatsächlichen Lehrstätten von Ferrari zu rekonstruieren, und zwar durch die Rekonstruktion des Kreises von Literaten und Gelehrten, den Ferrari zwischen Mailand, Padua und Venedig frequentierte. Zu diesem Zweck beabsichtige ich erstens, die Korrespondenzen zwischen Ferrari und Paolo Manuzio, zwischen Ferrari und Aldo Manuzio dem Jüngeren sowie etwaige Briefe von Gian Vincenzo Pinelli, die den mailändischen Peripatetiker betreffen, zu analysieren. Zweitens beabsichtige ich, die Abwesenheit Ferraris unter den Dozenten der Universität Padua zu überprüfen und Ferrari vor seiner Rückkehr nach Pavia im Jahr 1576 erneut in Mailand zu verorten. Schließlich beabsichtige ich, die Hypothese zu untersuchen, dass Ferrari zur Abfassung seiner beiden in den Aldinen Ausgaben veröffentlichten Einführungsabhandlungen zur Lektüre des Corpus Aristotelicum auf griechische Handschriften der Biblioteca Marciana in Venedig und der Privatbibliothek Pinellis in Padua zurückgegriffen hat.

Von April 2026 bis Juni 2026