Deutsches Studienzentrum in Venedig

Sophie Kleveman

Sophie Kleveman

Die päpstliche Antikenaufsicht im 17. Jahrhundert
Dissertationsprojekt

Kunstgeschichte (Georg-August-Universität Göttingen, Prof. Dr. Manfred Luchterhandt u. Prof. Dr. Michael Thimann)

Die Päpste gelten in der Neuzeit und im Barock mitunter als größte Sammler von antiken Skulpturen. Gleichzeitig hat sich die bisherige Forschung zur Antikenpolitik weder mit der Fragestellung befasst, inwiefern die Päpste selbst Einfluss auf die Beschaffung und den Verbleib antiker Bildwerke ausübten, noch ihre Aufsicht über Plastik des Altertums ausreichend erforscht. Dies gilt insbesondere für die kunst- und kulturpolitischen Motive des Vatikans. Das Zerstören zugunsten des zweckentfremdeten Weiterverwendens antiker Relikte durch die Kurie und den Papst hat insbesondere die Frage aufgeworfen, inwiefern von einer päpstlichen Antikenaufsicht überhaupt die Rede sein kann und welche Akteure hauptverantwortlich für den Verbleib der antiken Werke waren.
Gegenstand meiner Dissertation ist das von den Päpsten und entsprechenden Interessensgruppen ausgehende Handeln in Bezug auf antike Kunst. Als interdisziplinär ausgerichtetes Sujet ist es dadurch primär ein kunst- und kulturpolitisches, aber auch kirchenpolitisches Thema, das in Archäologie und behördengeschichtlichen Aspekten wurzelt. Das Dissertationsvorhaben soll eine wesentliche Forschungslücke zur kurialen Antiken- und Kunstadministration im 17. Jahrhundert schließen und dabei neue Erkenntnisse über behördliche Strukturen und rechtliche Vorgehensweisen und Maßnahmen darstellen und dabei Bezüge zu entscheidenden Handelsmetropolen außerhalb des Kirchenstaates herstellen, die mit dem Vatikan in enger Verbindung standen.
Die bisherigen Untersuchungen und Erkenntnisse basieren bisher auf einem primär im Vatikan, in Rom und in Florenz durchgeführten Quellenstudium mit dem Zweck einerseits die antikenpolitische Verankerung innerhalb der kurialbehördlichen Strukturen zu beschreiben und andererseits die kurialen und rechtlichen Verordnungen auf ihren Wirkungsraum hin zu analysieren. Vor diesem Hintergrund wirft die Arbeit Licht auf das intellektuelle Milieu der Antiquare, Sammler, Archäologen und Antikenkommissare, während der Weg der antiken Statue in päpstliche Sammlungen, Sammlungen der Parvenüs oder aber auch in die Sammlungen gen Norden skizziert wird. Dabei gilt der Fokus insbesondere der Kunstmetropole Venedig, fanden doch viele antike Werke über die Handelsstadt in der Lagune ihren Weg in bedeutende Sammlungen des gesamten Kontinents.
Untermauert werden meine Studien durch Beispiele zur zeitgenössischen Perzeption von kurialen und nicht kurialen Akteuren, von Diplomaten und Sammlern, die im Rahmen von Fallbeispielen in einen übergeordneten Kontext gebracht werden. Beispielhaft soll der erfolgreiche beziehungsweise nicht erfolgreiche Erwerb antiker Werke in päpstliche Sammlungen und Sammlungen jenseits von Rom aufgezeigt werden. Anhand von Quellen sollen vor allem die für den Handel wichtigen Strategien, die Erfolge und Misserfolge von Exporten und nicht zuletzt das Thema der Antikenhehlerei geprüft werden. Das Dissertationsprojekt versucht durch die Untersuchung der vom Vatikan ausgehenden kunstpolitischen Handhabung mit antiker Plastik zur Zeit der Gegenreformation und in Gegenüberstellung mit Perspektiven aus Florenz und Venedig eine einzigartige Forschungslücke zu schließen.

Von August 2021 bis Oktober 2021

Von Januar 2022 bis Februar 2022