Deutsches Studienzentrum in Venedig

Maria Aresin

Maria Aresin

Palma il Giovanes Zeichnungen: Material, Materie, Markierung
Postdoc/Fritz Thyssen Stiftung

Kunstgeschichte

In seiner Vita Jacopo Negrettis, genannt Palma il Giovane (1548–1628), schildert Carlo Ridolfi (1648) die unglaubliche Menge an Zeichnungen, die der Künstler bei seinem Tod der Nachwelt und insbesondere seinen Enkeln und Schülern hinterließ: „I disegni fatti da lui in qualunque genere […] furono infiniti (…).“ Tatsächlich haben sich bis heute beinahe 2000 Zeichnungen des Venezianers erhalten, die jedoch bisher nur in Ansätzen und vor allem in Bezug auf ihre bildvorbereitende Funktion hin beleuchtet wurden. Wichtige Studien von David Rosand und Stefania Mason bilden dabei eine Grundlage der Forschung, die jedoch um wesentliche methodische Ansätze der neueren Zeichnungsforschung erweitert werden soll. Palmas Zeichnungen werden dabei unter drei Gesichtspunkten betrachtet: Der erste Teil des Projekts beschäftigt sich mit der Materialität der Zeichnungen. Dabei verwendete der Künstler neben den geläufigen Techniken wie schwarzer Kreide oder Feder und Tinte auch vergleichsweise ungewöhnliche Zeichenmittel, wie Goldfarbe und verschieden farbige Papiere. Im Projektteil zur Materie geht es um Palmas Beschäftigung und intensive Auseinandersetzung mit dem Medium der Skulptur. Er zeichnete nicht nur selbst immer wieder nach zeitgenössischen oder antiken Skulpturen, sondern setzte diese Praxis auch – ähnlich wie Tintoretto – zur Schulung seiner Mitarbeiter ein. Der letzte Teil des Forschungsvorhabens behandelt das Verhältnis von Schrift und Zeichnung auf Palmas Skizzenblättern und allegorischen Werken auf Papier.
Am Deutschen Studienzentrum sollen vor allem Grundlagenrecherchen in den Zeichnungssammlungen und Archiven Venedigs und der Terraferma betrieben, aber auch große Teil des Projekts verschriftlicht und finalisiert werden.

Von August 2021 bis Juli 2022