Deutsches Studienzentrum in Venedig

Johanna Pawis

Johanna Pawis

Stifterporträts in Venedig und auf der Terraferma in der Malerei der Renaissance
Promotionsprojekt

Kunstgeschichte (LMU München - Prof. Dr. Christine Tauber)

Selbst wenn sie von der Hand mittelmäßiger Künstler stammen, werde Bildern häufig allein aufgrund der in ihnen enthaltenen Porträts Verehrung entgegengebracht, stellt der venezianische Kunsttheoretiker Lodovico Dolce in seinem 1557 veröffentlichten Dialogo della Pittura fest und spricht damit ein Phänomen der Malerei seiner Zeit an, das im Zentrum des geplanten Dissertationsvorhabens steht: die Wirkmacht der bildlichen Präsenz von Zeitgenossen innerhalb eines Gemäldes, dessen Bildinhalt durch die Einbindung eines Porträts nicht nur zusätzliche Bedeutung erhält, sondern auch auf eine andere Weise wahrgenommen wird. Das Promotionsprojekt nimmt venezianische Stifterbildnisse der Renaissance in den Blick und fragt danach, wie sich diese Wirkmacht im Gefüge soziokultureller Normen und religiöser Anforderungen konkret manifestierte. Die Konzentration auf Venedig und die von der Serenissima beherrschten Gebiete der Terraferma im Zeitraum von ca. 1490 – 1600 erlaubt es, die aus dem spezifischen historischen Kontext entwickelten Fragestellungen auf mehreren Ebenen zu verfolgen: Die sozialhistorische Kontextualisierung des sakralen Stifterbilds als Medium individueller Repräsentation in einer vom Ethos der Kollektivität geprägten Republik soll dazu beitragen, das in dieser Hinsicht bislang wenig nuancierte Bild venezianischer Patronage zu differenzieren. Vergleichende Analysen künstlerischer Strategien und Verfahrensweisen bei der Kombination von Porträt und religiösem Bild im Veneto versprechen darüber hinaus Aufschlüsse über Anforderungsprofile für religiöse Gemälde und die als Reaktion darauf einsetzenden Marktmechanismen der Bildproduktion. Eine quellenbasierte Annäherung an durch liturgische und private Devotionspraktiken geprägte zeitgenössische Seherwartungen soll zudem neue Erkenntnisse im Hinblick auf gebetspraktische Funktionen und bildtheologischen Status des Stifterporträts liefern.
Übergreifendes Ziel ist es, wechselseitige Relationen zwischen Bildkonventionen und sozial, kulturell und religiös konditionierten Kategorien und Mechanismen von Wahrnehmung herauszuarbeiten – wofür das Stifterporträt durch sein inhärentes Grenzgängertum zwischen Bildwirklichkeit und Lebensrealität einen besonders geeigneten Zugang bietet.

Von August 2021 bis September 2021