Deutsches Studienzentrum in Venedig

Giulio Salvati

Giulio Salvati

Der venezianische Löwe auf Sardinien und istrianische Flüchtlinge in Venedig
(Dissertationsvorhaben)

Neueste Geschichte - Prof. Larry Wolff, New York University

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg stand in Italien die gesamte Adriaküste im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Unsicherheit und das Chaos in Triest, Dalmatien, Istrien und Rijeka/Fiume erhob die Lagunenstadt zum Ankunfts- und Bezugspunkt für viele der etwa 250.000 bis 350.000 Flüchtlinge, die das Nachkriegsjugoslawien verließen. Für die staatliche Propaganda stellte Venedig die Mutterstadt dar, die die ehemaligen Kolonien aus Pula/Pola, Rovinj/Rovigno, Opatija/Abbazia usw. aufnahm. Doch in der Realität verteilten die Präfekten die meisten Flüchtlinge weiter in die etwa hundert Flüchtlingslager (Campi Raccolta Profughi), die quer durch Italien verstreut lagen. Durch die Studie einzelner Ansiedlungsprojekte in Italien und in Deutschland, untersuche ich den Einfluss des Wissenstransfers durch die Flüchtlinge auf die lebendige und die tote Umwelt. Es handelt sich um eine vergleichende Migrations- und Umweltgeschichte. Überall dort, wo sich istrianisch-dalmatische Flüchtlinge niederließen, entstand ein Stück Venedig: Auf Sardinien und in Städten wie Rom, Turin oder Lucca befinden sich noch heute Kirchen, Häuserkomplexe oder Quartiere, die dem Heiligen Markus gewidmet sind. Mit dem Verlust der physischen Heimat wurde Venedig zum Besinnungsort im kollektiven Exil.

Von September 2020 bis November 2020